Darf mein Hund mich bewachen? – Aktionswoche „Riegel vor!“ der Polizei NRW

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Es ist kein Geheimnis: Der Grund für die Anschaffung eines großes Hundes ist gerade bei Frauen häufig der Wunsch nach mehr Sicherheit. Sowohl Draußen, als auch in den eigenen vier Wänden. Und das ist nachvollziehbar. Denn die Zahl der Wohnungseinbrüche steigt seit Jahren rasant an. Das Problem: Die Aufklärungsquote ist verschwindend gering. Das hat das Innenministerium und die Polizei in Nordrhein-Westfalen jetzt zum Anlass genommen, im Rahmen der Aktionswoche „Riegel vor“ über Präventionsmaßnahmen zu informieren. Dabei spielen auch Hunde eine Rolle. „Hunde sind ein Mosaikstein, wenn die Bewohner nicht Zuhause sind“, sagt Volker Huß vom geschäftsführenden Landesvorstand der Gewerkschaft der Polizei (GdP). „Doch es sollten weitere Präventionsmaßnahmen, wie zum Beispiel eine Zeitschaltuhr und die Tatsache, dass die Post regelmäßig aus dem Briefkasten genommen wird, hinzukommen.“


Eines ist klar: „Der Gelegenheitseinbrecher hat nicht viel Zeit. Innerhalb von drei bis fünf Minuten muss er das Haus wieder verlassen haben. Ein großer Hund wirkt da natürlich störend.“ Häufig reicht das Bellen aus, um die Diebe zu vertreiben. Es sollte allerdings echt sein, findet Frank Scheulen vom Landeskriminalamt NRW (LKA): „Elektronische Geräte, die Hundegebell vortäuschen, sind Quatsch!“ Doch was passiert, wenn´s beim Bellen nicht bleibt und der Hund stattdessen ordentlich zubeißt? Tieranwältin Susan Beaucamp aus Krefeld kennt sich aus.

Frau Beaucamp, darf mein Hund mich bewachen?
Susan Beaucamp: Grundsätzlich ja. Hunde dürfen bellen, aber nicht andauernd und nicht zu jeder Tageszeit. Wie lange Hundegebell geduldet werden muss, hängt z.B. von dem jeweiligen Wohngebiet ab. Das ist unter anderem Sache des Ordnungsamtes. In einem ruhigen Wohngebiet mit vielen ruhebedürftigen Senioren und nur einem Hund, wird der Hund sicherlich nicht so lange bellen dürfen wie auf dem Land, wo viele Hunde leben oder an einer Hauptstraße, an der die Geräuschkulisse zu bestimmten Zeiten bereits sehr groß ist.

Seit Jahren geistert das Gerücht durch diverse Internetforen, dass ein Einbrecher auf Schmerzensgeld geklagt hatte, weil er vom Hund des Geschädigten gebissen wurde. Gibt es einen solchen Fall?
Susan Beaucamp: Mir ist kein Fall bekannt. Das halte ich auch für recht unwahrscheinlich. Da ein Einbruch strafbar ist, dürfte eine zivilrechtliche Haftung des Hundehalters trotz der in § 833 BGB ausgestalteten Haftung des Hundehalters als Gefährdungshaftung entfallen.
Auch mit Blick auf das LHundG NRW dürfte in diesen Fällen der Hundehalter nicht mit ordnungsrechtlichen Konsequenzen zu rechnen haben. Der Hund gilt in NRW dann nicht als gefährlich im Sinne des LHundG, wenn er einen Menschen zur Verteidigung anlässlich einer strafbaren Handlung (Einbruch) gebissen hat.

Welche Tipps geben Sie Tierhaltern, die ihr Haus und Grund von einem Hund bewachen lassen möchten?
Susan Beaucamp: Ganz wichtig: Hunde dürfen natürlich bewachen, aber nicht Dritte, das heißt Menschen, die unbefugt, aber ohne kriminelle Absicht das Grundstück betreten, verletzen. Ein Beispiel: Auch wenn ich ein Schild aufstelle, auf dem „Vorsicht Wachhund“ steht, muss das Grundstück ausreichend gesichert sein. Gelangen beispielsweise Kinder auf das Gelände, die das Schild noch nicht lesen können, und werden diesen von dem wachenden Hund verletzt, haftet der Halter sowohl zivilrechtlich auf Schadensersatz, ordnungsrechtlich droht in NRW die Gefährlichkeitseinstufung des Hundes mit Androhung von Leinen-und Maulkorbzwang und strafrechtlich ist eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung gem. § 229 StGB möglich.

Das bedeutet konkret?
Susan Beaucamp: Sichern Sie Ihr Grundstück, wenn Sie einen Hunde wachen lassen, verschließen Sie Tore, so das diese von Dritten nicht geöffnet werden können, warnen Sie vor dem Hund an mehreren Stellen Ihres Grundstücks, aber nicht vor dem bissigen Hund, dass könnte für Sie später sowohl zivilrechtlich als auch ordnungsrechtlich Nachteile mit sich bringen

Lassen denn auch Sie Ihr Grundstück von einem Hund bewachen?
Susan Beaucamp: Ich besitze zwei Jagdhunde, deren Leidenschaft nicht die Bewachung meines Grundstückes ist, aber beide Hunde, eine Magyar Vizslahündin Zoé (10 Jahre) als auch Pinchen, ein griechisches Brackentierchen (ca 2 Jahre) schlagen an wenn es schellt und würden, soweit sie plötzlich auf meinem Grundstück einen Fremden anträfen, diesen tüchtig verbellen. Ich wage allerdings zu bezweifeln, dass sie zubeißen würden und das ist auch gut so. Da mir bewusst ist, dass ich dafür Sorge zu tragen habe, dass Menschen oder auch Artgenossen von meinen Hunden nicht verletzt werden, bin ich sehr sehr sorgsam. Meine Hunde laufen z.B. niemals unbeaufsichtigt auf den Teilen meines Grundstückes, dass von Dritten betreten werden kann. Ich besitze seit 25 Jahren Hunde und bin bisher von Einbrechern verschont worden. Ich bin mir sicher, dass lautes Hundegebell abschreckt.

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Kommentare

  1. Needlewitch meint:

    Kritisch wird es allerdings, wenn der Einbrecher die Wohnung aufbricht – vom Hund gebissen wird und dann – sozusagen mit dem Hund am Ärmel – in den öffentlichen Raum zurückweicht – das kann auch zu fürchterlichen Konsequenzen für Hund und Halter führen – §229 und Landeshundegesetz sind da nur ein Teil….

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