[shareaholic app="share_buttons" id="15657631"]

Der Hund – mein Freund und Helfer / Teil 2: Die Entstehung der Hunderassen

 hunderassen.jpgKlar ist, dass der Hund vom Wolf abstammt. Aber selbst Wolf ist nicht gleich Wolf.

Es gibt ihn in groß, klein, schlank, großrahmig und weiß- über creme-, rot- und verschieden grau- bis schwarzfarben. Während beispielsweise im äußersten Norden Alaskas die Wölfe bis zu einen Meter Schulterhöhe erreichen, werden ihre grazilen Artgenossen in Indien nur höchstens 60 cm hoch. Außerdem bekommt der Indische Wolf (lupus pullipes, der hellbeinige Wolf) zweimal im Jahr Junge, die nordischen Verwandten hingegen nur einmal – wie auch viele der heutigen Nordischen Hunde. Letzteres hat zum Einen etwas mit den harten klimatischen Bedingungen zu tun, unter denen die Nordischen leben, aber wohl auch mit dem Umstand, dass Huskies, Malamuts, Samojeden und andere Nordhunde immer mal wieder mit dortigen Wölfen gezielt verkreuzt wurden (nicht zu verwechseln mit den so genannten zufälligen Hybridpaarungen zwischen Wolf und Haushund, wie sie derzeit von Wolfsforschern und Kynologen beobachtet und gefürchtet werden).

hunderasse-cave-canem.jpgDie eigentliche Domestikation durch den Menschen begann mit dem Erkennen der Fähigkeiten des Wolfes. Nach neueren Untersuchungen gehen einige Wissenschaftler davon aus, dass die Artentrennung Wolf zum Hund schon vergleichsweise früh erfolgte, nämlich vor etwa 125.000 Jahren.  Unklar ist, inwieweit sich der eine oder andere erwachsene Wolf selbsthunderassen-4.jpg „verhaustierte“, indem er sich (aus reiner Überlebensnot oder schlichter Bequemlichkeit) als „Müllschlucker“ den menschlichen Lagern annäherte und ihnen folgte, und die Menschen ihn schließlich als „Nutztier“ anerkannten und sich seiner Fähigkeiten bedienten. Handelte es sich ursprünglich eher um eine Art Symbiose, in welcher der Mensch den hündischer werdenden Wolf in seiner Art und seinem Verhalten zwar nutzte, aber nicht aktiv beeinflusste (ein Wolf apportiert nicht), griff der Zweibeiner ungefähr zum Zeitpunkt seiner Sesshaftwerdung züchterisch manipulierend in das Leben seines vierbeinigen Begleiters ein. Bei einem ungefähr 20.000 Jahre alten Hundeskelett aus der Nähe von Bonn ist der Unterschied zum Wolf schon deutlich zu erkennen.

Durch falsche Zuchtauslese wurden und werden natürliche Fähigkeiten und Merkmale derart übersteigert (sog. Übertypisierung), dass sie den Fortbestand mehrerer Rassen mittlerweile massiv beeinträchtigen. Eine Tatsache, die zunehmend Gegenstand engagiert geführter Diskussionen unter Hundeleuten ist. Zu den strittigen Themen zählen die Zucht mit Hunden, die genetisch nachweisbar untereinander verwandter sind als Vollgeschwister, zu stark eingekürzte Nasen oder zu lange Rücken haben, und in Farbvarianten selektiert werden, die mit schweren Augenproblemen einhergehen (Bsp.: Merle-Faktor) – um nur einige Kritikpunkte zu nennen.
Gern wird dabei allerdings immer wieder außer acht gelassen, dass auch der vermeintlich gesündere Mischling ebenso von Hüftgelenksdysplasie (HD), Organanomalien und weiteren genetisch bedingten Erkrankungen betroffen sein kann wie der Hund aus Rassezucht. Im Vergleich zur verantwortungsvollen Zucht wird beim Zufallsmix nur nicht so genau hingeschaut. Auch Liebhaberzüchter oder Verpaarer von (Mischlings-) Hunden aus fragwürdigen Gründen wie „Einmal im Leben muss eine Hündin werfen“ oder „Die passen so gut zusammen“ müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie verantwortungslos handeln, wenn sie die möglichen Elterntiere nicht umfassend voruntersuchen lassen.

hunderassen-2.jpgÜberhaupt wurde der Begriff „Rassehund“ erst im 19. Jahrhundert geprägt. Zuvor wurden die Caniden als Gebrauchshunde den jeweiligen Aufgabenbereichen zugeordnet: Jagd, Hütewesen, Schutz, Transport… und, ja, Gesellschaft. (Schon vor mehreren tausend Jahren hielten sich die Damen im alten Ägypten, in Griechenland und in Rom kleine Hündchen zu ihrer Unterhaltung und Freude, aber auch als lebende Fußwärmer. Wie auch besonders große und starke muskelbepackte Molosserartige mit geringer Aggressionsschwelle für Hunde- und Bullenkämpfe  eingesetzt wurden – zum Vergnügen wettfreudiger Zweibeiner.)

Der gravierende Unterschied der Hunde von vor gerade mal 150 bis 200 Jahren zu unseren heutigen Rassehunden ist, dass sie kein einheitliches Erscheinungsbild boten, sondern je nach Aufgabenstellung und Fähigkeiten verpaart und eingesetzt wurden. Erst Ende des 19. Jahrhunderts begannen Züchter und Liebhaber der einzelnen Gebrauchshunde –  allen voran die Engländer -, die Rassehundezucht zu organisieren. Das bedeutete im Detail die Erstellung und Festlegung einheitlicher und verbindlicher Standards für die zuvor als solche erkannten und benamten Rassen, eine Erfassung der Nachkommenschaft sowie der Aufbau eines Ausstellungswesens. Folgerichtig wurde 1873 der weltweit erste Rassehundclub in England gegründet, der Britische Kennel Club (KC), dem recht schnell weitere nationale Verbände auf dem Kontinent und in Übersee folgten, von denen sich die meisten dann später gemeinsam unter dem Dach der 1911 in Paris gegründeten Fédération Cynologique International (FCI) organisierten oder mit diesem in gleichwertigen Dachverbänden (British Kennel Club, American Kennel Club, Canadian Kennel Club) kooperieren. Hierzu zählt die gegenseitige Anerkennung der Registrierungen, soweit die jeweilige Rasse von den überregionalen Zuchtverbänden anerkannt ist.

Rassehunde nennt man grundsätzlich jene Hunde, deren Vorfahren über mehrere Generationen bekannt und entsprechend  und überprüfbar erfasst sind.

hunderassen charles cruftCharles Cruft, Handelsreisender aus England in Sachen Hundefutter, hatte 1878 die sowohl clevere wie auch nicht ganz uneigennützige, mithin einträgliche Idee, in Paris eine Rassehundausstellung zu organisieren. Dieser erfolgreichen Veranstaltung folgte 1886 die erste Terriershow in London, und 1891 fand  die „Cruft´s Dog Show“ ihren Platz in Birmingham, wo sie bis heute einmal jährlich als die größte Rassehundausstellung der Welt stattfindet.

Auf Vorschlag von Professor Raymond Triquet, President of the Breed Standards committee FCI und Bordeauxdoggen- Züchter, hat die FCI 1984 folgende Formulierung in ihre Statuten aufgenommen: „Die Rasse ist eine Gruppe von Individuen, die gemeinsame Merkmale aufweisen, die sie von anderen Vertretern ihrer Spezies unterscheiden, und die durch Vererbung übertragbar sind. Die Spezies entsteht auf natürlichem Wege, wohingegen die Rasse das Ergebnis von Züchtungen im Rahmen der Kynologie darstellt.“

Unterschieden werden die heutigen Rassehunde in folgende Gruppen (FCI-Standard):

  1. Hüte- und Treibhunde
  2. Pinscher und Schnauzer, Molosser, Schweizer Sennenhunde
  3. Terrier
  4. Dachshunde
  5. Spitze und Hunde vom Urtyp
  6. Laufhunde, Schweißhunde und verwandte Rassen
  7. Vorstehhunde
  8. Apportier-, Stöber- und Wasserhunde
  9. Gesellschafts- und Begleithunde
  10. Windhunde

Die Gemeinschaft der derzeitigen Wissenschaftler rund um das Thema Hund verwendet hingegen nahezu einheitlich folgende Aufteilung:

  • Oriental
  • Mastiff
  • Shepherd
  • Hunting

hunderassen1Neuere Studien ergaben nämlich, dass alle Hunderassen weltweit einen gemeinsamen homogenen Genpool haben, der sich lediglich aus zehn großen „Fingerabdruck“-Typen (Haplotypus) zusammensetzt. Die einzelnen Rassehunde sind also miteinander verwandter, als es die jeweiligen Rassestandards glauben machen könnten. In Europa konnten sogar nur vier dieser zehn Gentypen unter den hiesigen Hunden ausgemacht werden. Die gesamte genetische Bandbreite (und damit entsprechende Nähe zum Urvater Wolf) wurde nur bei Hunden im südlichen China (Tibet) nachgewiesen.

Ob anerkannter Rassehund, DesignDog oder Zufallsmix – entscheidend für seine Erhaltung ist, wie verantwortungsvoll der Mensch heute und in Zukunft mit der Art canis lupus umgeht. Als Halter UND als Züchter.

Gut zu wissen: Schon früh wurden Hunde auch als geliebte Familienmitglieder verwöhnt, respektvoll bestattet und betrauert. Archäologen fanden 2006 südlich von Lima (Peru) ein Tiergrab aus der Zeit 900 bis 1350 nach Christus mit 40 mumifizierten Hunden. Weitere Funde aus der selben Zeit von 43 Hunden, die neben ihren Besitzern begraben wurden, offenbarten auch, dass den Vierbeinern  –  wie ihren Menschen – ebenso Decken und Essen für das Leben nach dem Tod als Beigabe in die Gräber gelegt wurden.

hunderassen-5.jpg

Ihre Meinung ist uns wichtig