Der neue Volvo XC 90 – Wenn Hunde Autos testen…

Autotest Volvo XC 90 mit HundenDa stehen wir nun. Auf dem Schrottplatz. Kleinspitz Samy ist es immer noch speiübel, Australian Shepherd Hündin Hailey sieht auch nicht besser aus. Einzig Fee, die Schäferhündin bleibt einigermaßen cool. Dabei wollten wir eigentlich nur den neuen Volvo XC 90 testen.

Gibt es hier eine versteckte Kamera? Trotz einstündiger Verspätung kreisen wir noch immer um den Flughafen herum. An sich wäre das nichts Ungewöhnliches. Zumindest dann nicht, wenn man sich in einem Flugzeug befinden würde.
Wir sitzen allerdings in einem Geländewagen. Auf der Suche nach dem Hilton, dem Veranstaltungsort der Presse-Fahrvorstellung des neuen XC 90, kämpfen wir uns durch den Großstadtdschungel – und scheitern kläglich an seinen Umleitungen.

Nach der dritten Pleite ist es soweit, wir „brettern“ entnervt die Auffahrt der Tiefgarage des Hotels hoch. Es sind nur noch Millimeter, dann wäre die Dachbox mit der Decke kollidiert.

Da ist er! Wir sehen den neuen Volvo das erste Mal von hinten, als ein Mitarbeiter des Presseteams uns einen Parkplatz auf einem Tankstellengelände zuweist.

Ich werde wohl nie den Blick dieses Mannes vergessen, als unsere drei Hunde nacheinander aus dem Auto steigen und Kurs auf den neuen Premium-SUV nehmen. Man hatte vergessen, ihn darüber zu informieren, dass Hunde bei ihm einsteigen werden.

Die Einstiegsleiste ist leider zerkratzt

Oh, oh! Die schönen neuen beigefarbenen Ledersitze! Schade auch um die Einstiegsleiste, die ist jetzt etwas zerkratzt. Dafür haben wir es jetzt aber endlich zur Fahrvorstellung geschafft!

Das Personal des Vier-Sterne-Hauses erstarrt bei unserem Anblick unmittelbar zu Salzsäure. Hunde sind hier nämlich nicht erlaubt.

Umso mehr war man am Volvo Stand bemüht, uns möglichst zügig den Schlüssel für unseren Testwagen in die Hand zu drücken. Diese Kölner! Ich wollte eigentlich erst mal in Ruhe zu Mittag essen.

„Es gibt Blogger, die schreiben nur darüber, was es zu Essen gab. Das kann ja nicht Sinn der Sache sein“, höre ich einen der Volvo Menschen einige Meter von uns entfernt sagen. Irgendwie stimmt mich das nachdenklich. Ist das Essen hier etwa so gut?

„Hunde sind hier nicht erlaubt!“

Ich will gerade nachschauen, da kommt von hinten aufgeregt ein Kellner heran geeilt: „Ich habe soeben einen Anruf bekommen, Sie dürfen mit den Hunden leider nicht ins Restaurant!“
Ich tue völlig überrascht: „Tatsächlich? Das war mir gar nicht bewusst.“ Übrigens auch nicht, wie gut wir zu Volvo passen: Die neuen T-förmigen Tagfahrleuchten des SUV bezeichnet der Autobauer als „Thors Hammer“. Der Donnergott Thor ist eine vielseitige Gestalt in der nordischen Mythologie, unter anderem ist sie „sehr gefräßig und launisch“. Hört, hört. Etwas enttäuscht aufgrund der nicht eingenommenen Mahlzeit, aber doch gespannt auf das neue Auto, begeben wir uns in die Tiefgarage.

VolvoXC90

Bild: Volvo

„Willkommen zur Fahrvorstellung“, lächelt man uns dort an. Zwanzig Volvo XC 90 stehen wie an der Perlenschnur aufgereiht vor uns. Sie sind Schwarz, Silber, Weiß und Sandfarben. Letzterer ist für die nächsten zwei Stunden unser.
Meine Kollegin Christina und ich sind angenehm überrascht: Auch wenn der neue XC 90 wie sein Vorgänger auf klare geometrische Formen setzt, der neue Kühlergrill lässt das neue Modell deutlich bulliger erscheinen.

Volvo XC 90: Ein Auto für Individualisten

Ein Blick in die beigelegte Broschüre zeigt: Der XC ist ein Fahrzeug für Individualisten mit dem nötigen Kleingeld, denn der Basispreis für den Schweden liegt bei 53.400 Euro. Das sind gerade mal knapp 600 Euro weniger, als Mercedes-Benz für den neuen GLE haben möchte. Unser Testfahrzeug, der XC 90 D5 AWD Inscription kostet schlappe 97.080 Euro. Der Diesel hat 225 PS, dabei Allradantrieb und ein Achtgang-Automatikgetriebe. Der Durchschnittsverbrauch soll bei gerade mal 5,8 Liter liegen. Über den Wahrheitsgehalt dieser Aussage lässt sich nur spekulieren.

volvo_XC90_innenraum

Bild: Volvo

Eines ist aber klar: Unsere Erwartungshaltung ist hoch – vor allem in puncto Hundekompatibilität.
Und da wird´s gleich zu Anfang haarig!

Wie gehabt, lassen wir Schäferhündin Fee in den Kofferraum einsteigen. Damit hat sie keine Probleme: Unser Testfahrzeug ist nämlich mit dem adaptiven Luftfahrwerk ausgestattet, damit kann das Heck per Knopfdruck um fünf Zentimeter abgesenkt werden (Aufpreis: 2.560 Euro).
Sehr praktisch ist auch das Hundegitter (219 Euro).

Neben den üppigen Platzverhältnissen für bis zu sieben Insassen bietet der Volvo bei einer Bestuhlung als Fünfsitzer ein Gepäckraumvolumen von 721 Litern, damit hat er gegenüber den Schwaben die Nase vorn. In der siebensitzigen Variante bleiben noch 314 Liter Fassungsvermögen, also immer noch genug Platz für einen großen Hund.

Nordische Unterkühltheit?

Und nun wird es interessant: Während Fee mit den Platzverhältnissen im Kofferraum unseres Fünfsitzers zufrieden ist, zeigen sich Australian Shepherd Hündin Hailey und Kleinspitz Samy nicht ganz so begeistert. Die Rücksitze sind nämlich erstaunlich kurz! Für Hailey, die eine Schulterhöhe von 46 Zentimetern hat, geht das so gerade noch. Für größere Hunde wäre diese Rückbank aber ziemlich unbequem!

Laut Broschüre punktet der Innenraum durch eine „wohnliche Atmosphäre“. Bisher war das Design und die Verarbeitung ja eher ein Synonym für nordische Unterkühltheit. Doch beim XC 90 ist es dieses Mal anders: Weiches Leder und Holz mit handgefertigten Elementen – luxuriös und hochwertig.

volvo_XC90_hund_kofferraum

Fährst du schon oder stehst du noch?

Drei unterschiedliche lange Routen sind in unserem Navi vorinstalliert. Im Sinne der Hunde entscheiden wir uns für die „Wald-Route“.

Mit Betätigung des Startknopfes springt nicht nur der Motor an, denn Geschwindigkeit und wenig später auch Verkehrsschilder, sowie Routenhinweise werden in die Windschutzscheibe projiziert. Die Technik dieses Head-Up-Displays hat was von einem Sehtest beim Optiker, ist aber durchaus angenehm, weil die Infos im direkten Blickfeld des Fahrers sind.

Wer mit Hunden unterwegs ist, der sollte nicht an der Klimaanlage sparen. Neben der serienmäßigen Zweizonen-Klimaautomatik, bietet Volvo optional eine Vierzonen-
Klimaautomatik (Aufpreis: 600 Euro) an, die auch für die beiden äußeren Sitze der zweiten Sitzreihe eine individuelle Temperatur- und Belüftungsregelung ermöglicht. Bei diesen sommerlichen Temperaturen sind Hailey und Samy froh über die konstante Temperatur im Bereich der Rücksitze. In der siebensitzigen Version kann die Vierzonen-Klimaautomatik auf Wunsch auch um eine Klimatisierung für die dritte Sitzreihe ergänzt werden.

volvo_XC90_hund_auto

Mit dreckigen Pfoten zurück ins Auto

Angenehm leise schnurrt der Volvo über Stadt und Land, das Lenkrad stellt sich permanent auf die jeweilige Geschwindigkeit ein und der Spurhalteassistent sorgt dafür, dass wir nicht plötzlich auf der Gegenfahrbahn landen. So viele Sicherheitssysteme wie das Fahrassistenz-Paket beinhaltet, dürfte eine Kollision fast unmöglich sein. Und falls es doch mal dazu kommen sollte, dass ein anderes Fahrzeug von hinten auffährt: Der Heckaufprallabschwächung soll vor Schlimmerem bewahren. Gerade wenn Hunde hinten mitfahren, sollte man auf diese Ausstattungsvariante nicht verzichten.

Nach dem die Hunde, um an den Bach zu kommen, einmal durch den Match gelaufen sind, geht´s mit dreckigen Pfötchen wieder ins Auto und zurück zum Hilton.

Thor ist offenbar gerade mal wieder launisch. Zwar steht der Volvo jetzt wieder auf seinem angestammten Platz in der Tiefgarage, aber er ist noch lange nicht fertig mit uns.

„Sie meinen das Fahrzeug, das an der Tankstelle abgestellt war? Das steht da nicht mehr“, erklärt uns einer der Fahrer mit einem süffisanten Grinsen. Während Christina noch an einen Scherz glaubt, ahne ich Böses.

„Das Fahrzeug stand unerlaubt auf einem Privatgelände“, erklärt der Polizist am Telefon und gibt uns die Telefonnummer des Abschleppdienstes durch.

Nach mehr als einer Stunde sitzen wir wieder im XC 90. Dieses Mal um unseren Geländewagen vom Schrottplatz abzuholen. Nach dem Schock sind die Hunde und wir immer noch fix und fertig. Während der Fahrer die Abschleppgebühr bezahlt, blicken wir ein letztes Mal auf den schicken SUV. Wie wär´s, wenn wir den einfach behalten?

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