Faszination Dummytraining

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„Markieren – Suchen – Einweisen“. Während der Besitzer eines Retrievers aus Arbeitslinie wissend nickt, versteht der Laie nur „Anpieseln, suchen, dann wird er irre??“

… und irgendwie kommt dem aufmerksamen Beobachter diese Interpretation der drei Begriffe gar nicht soo falsch vor, wenn er zuschauen darf bei einem Workingtest, wie der Wettkampf rassegerecht trainierter Retriever genannt wird.

Ursprünglich für das Apportieren von erlegtem Nieder- oder Federwild gezüchtet, bietet das moderne Dummytraining dem arbeitsfreudigen Retriever eine rassegerechte Auslastung, die ihn zu einem ausgeglichenen Familienbegleithund macht. Mit faszinierender Konzentration und dem Jagdhund-üblichen Einsatzeifer, wie sie nicht nur die Halter von Retrieverrassen, sondern auch jene von anderen apportierfreudigen Fellnasen kennen, geben Hund und Hundeführer ihr Bestes, wenn es darum geht, einen Sucherfolg zu erzielen.

Mit einem mit Kunststoffgranulat oder Sägemehl gefüllten Canvas- oder Segeltuchsäckchen, dem so genannten „Dummy“ (engl. für Attrappe), beginnt das Training schon im Welpenalter. Dank einer mittlerweile sehr beachtlichen Vielfalt an Größen, Formen, Gewichten und Farben kann für jeden Hund (und für jeden Halter = Werfer… jaja, das leidige „Mädchen-sind-schlechte-Werfer“- Thema) der passende Dummy ausgewählt werden. Dabei geht der Trend nicht etwa zum Zweit-Dummy, sondern zu einem ganzen Sortiment von diesen tollen Ausbildungs-Helfern, die je nach Trainingsart, Hundealter und –größe oder manchmal auch einfach nur nach Tages-Farblaune ausgewählt werden.

Die trendige Hundehalterin trägt ihn sogar „en miniature“ als Anhänger an ihrem Schlüsselbund.

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Die erfolgreiche Trainerin und Züchterin Angelika Evans ist absolute Expertin in Sachen Dummytraining und zugleich Mitarbeiterin bei Hund-unterwegs.  Sie hat sich die Zeit genommen, uns ein paar Fragen zum Dummytraining zu beantworten:

dummytraining-angelika-evans-hundunterwegs.jpgAngelika, Du züchtest seit vielen Jahren Labrador- und Golden Retriever. Mit beiden Rassen hast Du große Erfolge gefeiert. Welche Unterschiede gibt es beim Trainingsaufbau und beim Wettkampf?
Im Wettkampf gibt es für mich keine Unterschiede, allerdings schon beim Training. Meine Golden sind psychisch weicher als die Labradore. Das heißt für mich, bei den Goldies noch mehr Geduld beim Trainingsaufbau zu haben… Doch Geduld ist nicht gerade eine meiner ausgeprägtesten Stärken. In dieser Beziehung tun die Goldies mir also wirklich richtig gut…

Du nimmst nicht nur sehr erfolgreich an Wettkämpfen teil, sondern bist auch Trainerin, Züchterin und Seminarleiterin. Gibt es einige Basic-Tipps, die Du Dummytraining-Anfängern aufgrund Deiner langjährigen Erfahrung geben möchtest?
Immer daran denken, dass die Arbeit mit dem Hund ein Hobby ist, und ALLEN Beteiligten Spaß machen soll! Es gibt natürlich auch Retriever, die sich nicht sonderlich für die Dummy-Arbeit oder das Apportieren interessieren und sich entsprechend auch nicht dafür begeistern lassen. Das muss man dann akzeptieren, und diesen Hunden eine andere Art der Beschäftigung bieten.

Du gehst mit Deinen Hunden schon sehr lange auf Prüfungen und Wettkämpfe. Wie hat sich die „Szene“ und das Leistungsvermögen der Hunde im Laufe der Zeit verändert?
Es gibt in Deutschland immer mehr Hunde, die gern und begeistert arbeiten. Dadurch ist das Niveau auf Prüfungen in den letzten 20 Jahren deutlich gestiegen. Aber in allen Bereichen des Lebens gibt es Menschen, die „über-agieren“, ob im Beruf, in der Familie oder leider eben beim Hobby „Dummytraining“. So beobachte ich auch immer mal wieder Hundeführer, die, um Erfolg zu haben, dauerhaft negativ in der Arbeit mit ihrem Hund umgehen.
Ich treffe jedoch immer mehr Hundeführer, deren Motto ist: Ein Hobby sollte Spaß machen, vor allem, wenn ich es mit meinem vierbeinigen Begleiter gemeinsam betreibe.

Du hast mit Deinen Hunden schon etliche Workingstests in Deutschland und im europäischen Ausland gewonnen. Welche Erfolge waren im Rückblick für Dich am bedeutendsten oder emotionalsten?
Ich freue mich immer, wenn meine Hunde gut arbeiten. Erfolg ist relativ und bedeutet nicht immer gewinnen.
Allerdings habe ich mich, als „Chelsea“ das Open-Finale gewonnen hat, schon sehr gefreut. Oder als „Joplin“ in Norwegen beim Internationalen Workingtest das Stechen gewann, und unser Team damit den 3. Platz belegen konnte – da wurde mein Inneres mit Glückshormonen geflutet. Vor allem, da bei einem Stechen um die vorderen Plätze die meisten Teilnehmer zusehen … wenn es dann vor diesem großen Auditorium gut läuft … das ist schon ein ganz besonders schöner Moment… und erfüllt mich einmal mehr mit einem großen Stolz auf meine tollen Hunde.

Gab es auch mal große Enttäuschungen?
Natürlich bin ich nicht glücklich, wenn es auf einer Prüfung nicht so optimal läuft. Enttäuschung würde ich das aber nicht nennen, denn ich bin mir bewusst, dass meine Hunde nur das bei Prüfungen optimal zeigen können, was sie von mir gelernt haben. Das heißt, wenn es nicht so gut läuft, liegt es nicht am Hund, sondern an meinem Training.

Was macht für Dich die Faszination des Dummytrainings aus?
Seit 1989 führe ich Retriever. Es fasziniert mich, mit welcher Freude und Begeisterung meine Hunde die ausgelegten Dummys wieder einsammeln wollen. Das Training macht mir auch an „schlechten“ Tagen gute Laune. Dummyarbeit ist ein Spiel für uns und es schafft eine ganz besondere Bindung zwischen den Hunden und mir. Ich liebe sie dafür, mit welcher Begeisterung sie arbeiten, und ich bin sicher, sie lieben mich dafür, dass ich ihnen immer wieder aufs Neue die kleinen Säckchen in der Landschaft verstecke.

Liebe Angelika, wir danken für das Gespräch.

Einen ersten Eindruck von der „Faszination Dummytraining“ bietet unser Video. Hier könnt Ihr es Euch ansehen:  Dummytraining-Video

 

 

 (Fotos: D. Moro, Stock)

Kommentare

  1. Tinka meint:

    Dummytraining ist eine großartige und sehr abwechslungsreiche Sportart, die weit über bloßes Apportieren hinaus geht. Es gibt 1000 verschiedene Übungen, die man auch beim alltäglichen Spaziergang einstreuen kann. Man muss nicht unbedingt an Wettkämpfen teilnehmen, um Spaß daran zu haben. Ich kann es nur allen wärmstens empfehlen. Vielen Dank für den schönen Beitrag!

  2. Nicole Langer meint:

    Mein 12 Jahre alter Flat liebt das Dummy Training über alles!!
    Leider hat er starke Arthrose in den vorder Pfoten was das ganze erschwert…den Flat Typisch kann er auch in dem Alter nicht langsam gehen…immer vollgas und dann der totale Stopp!!

    Aber bei der Verlorenen Suche geht mir das Herz auf…dieses Eifer ist unschlagbar!! 🙂

    Vielen Dank für die tollen Beiträge und Tipps 🙂

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