Fröhliche Weihnachten! – „Mein Weihnachtshund“ / Teil I

Viele wunderbare Bilder und Geschichten haben uns zu unserem Adventswettbewerb „Mein Weihnachtshund“ erreicht. Wir hatten die Qual der Wahl, zunächst 17 davon als Gewinner auszuwählen. Die Weihnachtsgeschichten und ein paar von den großartigen Bildern möchten wir hier unbedingt noch vorstellen –  für die ruhigen Stunden an den Festtagen…

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Eine tierische Weihnachtsgeschichte 
(von Claudia Türk- Molitor)

 Es war einmal vor vielen vielen Jahren….

…ich war noch ein Kind und meine Eltern hatten zwei Hunde (einen Cockerspaniel namens Fee und einen Zwergpudel namens Gina) und zwei Kater (Gypsi und Lila). Fee und Gypsi waren wirklich wie Hund und Katze und konnten sich nicht leiden.

Am Heiligen Abend taute meine Mutter den Weihnachtstruthahn auf. Da er im Kühlschrank keinen Platz mehr fand, wurde er zum Auftauen auf die Badewannenablage gelegt. Die Badezimmertür wurde natürlich geschlossen.

Stunden später fiel uns auf, dass alle vier Vierpfotler verschwunden waren. Sie versammelten sich gerade um den Truthahn und fraßen genüsslich. Gypsi konnte Türen öffnen, was er wohl gerade wieder einmal unter Beweis gestellt hatte. Fee, sie war die Größte und Stärkste von den Vieren, muss den Truthahn dann von der Wanne geholt haben. Nun saßen sie glücklich vereint bei ihrem Weihnachtsmahl.

Uns hat übrigens die Pizza vom Pizzadienst am ersten Weihnachtsfeiertag sehr gut geschmeckt…

 

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 Der Ganzjahres-Weihnachtshund (von Claudia Landgrafe)

Es begann mit einem Weihnachtswunsch – nein, kein unüberlegter Wunsch nach Sichtung eines Welpen oder armen Hundes aus einer der vielen schrecklichen Anzeigen, die durch das Internet geistern- ein gut durchdachter Wunsch:

„Schatz, sollen wir uns nicht doch so langsam einen Hund holen?“

Ich hatte seit einem Jahr meine Ausbildung als Hundetrainer abgeschlossen und mein Mann wollte die Ausbildung bald anfangen. Und ein Hund stand schon länger auf unserer Wunschliste. Nur – welcher sollte es werden?

Ein Welpe, ganz klar. Aber welche Rasse passte zu uns? Wir durchstöberten das Internet und Hundebücher, machten „Schnuppertermine“ bei Züchtern von Dobermännern, Springer Spaniel, Australien Shepherd und Gordon Settern – nein, irgendwie alles nicht das Wahre.

Optik – oh,  ja!  Dazu gehörendes Wesen und Trieblage – äh, nein, eher doch nicht.

Mein Mann stand eher auf Schäferhunde und Nordische Rassen, ich auf Spaniel und Aussies. Irgendwie einigten wir uns dann auf einen Labrador – warum, weiß ich nicht mehr. Aber als wir einige Züchter abtelefonierten, wurden wir teils sehr schroff zurückgewiesen.

„Wie, der muss auch mal alleine bleiben? Nein, das geht nicht!“

„Wie, der darf in keine Welpenspielgruppe? Nein, dann bekommen Sie keinen Hund von uns!“

Wir waren einigermaßen verwirrt und sauer. Wenn nicht einmal ein Hundetrainer einen Welpen bekam, weil er ehrlich sagte, wie er mit dem Hund umgehen und wie er ihn auslasten würde und wie die Lebensumstände waren – wer dann?

Frustriert stöberte ich die Internetseiten einiger Tierheime durch – und sah IHN.

ER war erwachsen, ein Mischling, zweieinhalb Jahre alt, hatte ein hübsches Gesicht mit Kippöhrchen und maß stolze zweiundsiebzig Zentimeter bis zur Schulter. Wow, so groß… und so traurig. Seine Augen waren so stumpf wie sein Fell, sein Blick emotionslos, tot. Er tat mir leid.

Katzenverträglich, stand in der Kurzbeschreibung, das war uns wichtig. Also las ich seinen ganzen Text.

Hat Probleme mit Männern, sollte besser in einen Frauenhaushalt, war zwei Mal erfolglos vermittelt, katzenverträglich, kann alleine bleiben…“

Ich schluckte. Armer Hund, dachte ich und blätterte weiter, durch andere Seiten, weitere Tierheime der Umgebung, denn Mitleid ist ein sehr schlechter Ratgeber, wenn man sich einen Hund anschaffen will… nur um am nächsten Tag zu seinem Bild zurück zu kehren und sein trauriges Gesicht zu studieren. Und einen Tag später erneut, eine ganze Woche lang, immer hoffend, er sei noch da.

„Schatz, ich hab da so einen Hund im Tierheim gesehen, magst du mal schauen?“

Schatz schaute, fand ihn ganz nett und war einverstanden, ihn mal zu besuchen. Also fuhren wir ins Tierheim nach Siegen, betraten den Vorplatz und da stand ER – wow! Alle Hunde bellten, er stand nur dort und beobachtete uns schweigend. Er war groß und schön, obwohl er ziemlich zerfleddert aussah, struppig und dünn. Aber seine Art, uns anzusehen machte uns kribbelig.

Wir erfuhren, dass er schwer berechenbar sei, unvermittelt schnappen würde und sich kaum jemand zu ihm hinein trauen würde. Wir trauten uns, trotz Warnung. Unser erstes Zusammentreffen war ein gegenseitiges Abchecken – wir hatten den unfairen Vorteil von gekochtem Rinderherz in der Tasche.

Der Gedanke an einen Welpen war vergessen, als wir nach Hause fuhren. ER sollte es sein – vielleicht. Wenn wir miteinander zurechtkamen. Mein Mann, mittlerweile ebenfalls ausgebildet als zertifizierter Hundeverhaltenstherapeut, war zuversichtlich.

Sechs Wochen lang besuchten wir ihn zwei bis drei Mal die Woche, ehe wir ihn mitnehmen konnten. „Ty“, wie wir ihn getauft hatten, konnte nichts und alles – nichts, was wir von ihm wollten, dafür alles was man nicht haben wollte.

Er war nicht stubenrein, jagte unsere Katzen, schnappte plötzlich nach uns und hinterließ böse blaue Flecken, heulte wenn man ihn allein ließ und zerlegte unsere Schuhe, das Sofa und eine Tür, zog wie irre an der Leine, stand beim Anblick von Rehen hochkant schreiend in der Leine und ignorierte uns ansonsten, es sei denn, es gab Futter, welches er knurrend verteidigte. Ein nervenaufreibender Vollzeitjob, auch für einen Hundetrainer.

Hunde sprechen klar zu uns, wenn wir genau hinsehen und hinhören. Und „Ty“ hatte uns eine Menge zu erzählen. Wir erfuhren aus erster Hand, wieso man ihn zwei Mal wieder abgegeben hatte und wieso er immer wieder nach uns schnappte und waren schockiert, betroffen, traurig.

Man hatte ihn schrecklich misshandelt – getreten, geschlagen mit allem, was gerade zur Hand war, brutal stranguliert, schlecht gefüttert, ihn zusammengebrüllt. Kein Wunder, dass er so war, wie er war.

Zusätzlich wurde er krank, oder besser, er zeigte endlich, wie krank er tatsächlich war. Entzündete Speicheldrüse, Schwanzspitzen-Nekrose, Futtermittel-Allergie mit heftigem Juckreiz bis zum blutig kratzen, Übersäuerung des Körpers mit täglichem Erbrechen, entzündete Ohren, HotSpots an den Füßen, Refluxösophagitis (Entzündung der Speiseröhre durch „Sodbrennen“), unschöne Bakterien (Helicobacter pylori) im Magen/Darmtrakt, Arthrosen in den Ellenbogen und eine kaputte Hüfte (mitttelschwere HD).

Durch die Misshandlungen war er verspannt, hatte Blockaden in der Wirbelsäule und verschobene Schädelplatten mit periodisch auftretenden Migräneschüben.

Unsere Aufgabe bestand jetzt in „nur“ darin, Vertrauen zu schaffen und Körper und Seele zu heilen…

Das war vor drei Jahren. Heute haben wir einen Hund, den niemand mehr wiedererkennt.

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Ty ist eine Schönheit geworden, nichts erinnert mehr an den kranken, zotteligen Hund von früher. Liebe, Geduld, Fachwissen, vernünftige Ernährung mit Rohfutter, ungezählte Trainingsstunden und lange Physiotherapie (Osteopathie, Akupunktur, Massagen, Bestrahlung)  haben ihm ein neues, positives Bewusstsein für seine Umwelt geschenkt.

Unzählige Tränen, Wutausbrüche, die er nicht mitbekommen durfte, Stunden der Verzweiflung, aber auch wunderbare Glücksmomente bei ungeahnten Trainingsfortschritten machten meinen Mann und mich zu besseren Hundetrainern als zuvor – geduldiger, einfühlsamer, schneller, achtsamer.

Ty war unser bester Lehrer geworden.

Und jeden Tag, an dem wir ihn ansehen und er uns ansieht, so voller Vertrauen und Gelassenheit, dann ist für uns Weihnachten. Jeden Tag, 365 Tage im Jahr.

Sein Geschenk an uns ist tiefe Freundschaft, Verbundenheit und grenzenloses Vertrauen.

Unser Geschenk an ihn ist ein lebenslanger Bund mit uns, Liebe, Zuwendung, Beschäftigung und vernünftige Ernährung. Und das Wissen, dass ihm niemals wieder ein Mensch weh tun wird.

Nie wieder.

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