Gottes Segen für Mensch und Hund?

Mit Interesse verfolge ich gerade eine Diskussion, ob Segnungen von Tieren nicht übertriebene Tierliebe seien. HUND-unterwegs hatte Anfang Oktober auf seiner Facebook-Fanseite bereits auf einen Artikel zu diesem speziellen Thema hingewiesen. Die Meinungen sind geteilt und werden es wohl bleiben. Während der in dem Beitrag erwähnte Salzburger Dompfarrer mit der Segnung den „Schutz der Tiere vor allen Gefahren, damit der Nutzen und die Freude, die sie uns bereiten, uns zum Zeichen von Gottes Großzügigkeit und Liebe werden“ verbindet, mahnte ein anderer Geistlicher indes vor übertriebener Tierliebe, wenn Mensch und Hund gleich gestellt würden.

Seinen Hund segnen zu lassen – oder auch nicht – ist für mein Empfinden weder Ausdruck der Liebe zu diesem Tier noch eine Gleichstellung von Mensch und Tier. Wenn Biker ihre Motorräder, Rennfahrer ihre Autos oder Hundeführer ihre vierbeinigen Begleiter segnen lassen, drücken sie damit etwas ganz anderes aus – nämlich ihre Einstellung und Überzeugung zu ihrem jeweiligen Glauben. So ist es eine ganz persönliche Angelegenheit, für wen oder was ich um Gottes Segen bitte. Last not least: Alle Menschen und Tiere werden doch als Gottes Geschöpfe angesehen – mit und ohne besondere Segnung, mit und ohne Glaubensbekenntnis.

Aber nicht nur diese Segnungen per se werden bisweilen kritisch diskutiert, sondern immer wieder auch die Rituale, die uns Tierhaltern wichtig sind, wenn wir mit schwerer Krankheit oder gar dem Tod unseres geliebten Haustieres konfrontiert werden. Betroffene finden häufig keinen emphatischen Zuhörer, wenn sie einen Weg suchen, ihre Trauer zu verarbeiten, oder mit ihrem oft langjährigen Begleiter auch nach dessen Tod durch Rituale oder Gesten in Verbindung bleiben möchten. Wie oft ernten Trauernde nur ein Kopfschütteln, wenn sie ihren Hund in ein Krematorium bringen und ihm eine Grabstätte einrichten möchten. Wo bleiben Toleranz und Mitgefühl, frage ich mich…

Wenn auch nicht jeder das Bedürfnis nach einer Tierbestattung und einem individuellen Abschied nachempfinden kann, so sollten doch Respekt und Achtung möglich sein. Und wenn es gewünscht wird, auch Gottes Segen!

In diesem Sinne: Allen Freunden von HUND-unterwegs einen guten Start in die Woche!

Segen für Mensch und Tier – ein nach wie vor umstrittenes Thema.

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Kommentare

  1. Evelin Rother meint:

    Dieser Beitrag hat mir nicht nur gefallen, er hat mir gut getan. Alle meine Tiere habe ich – wenn ich sie einschläfern lassen musste – wieder mit genommen, um sie zu beerdigen. Grabsteine gibt es keine, die Gräber sind nach 10 Jahren nicht mehr vorhanden, weil der Tierfriedhof geschlossen wurde, aber der Gedanke, dass das Tier nach jahrelangem Zusammenleben mit mir bzw. uns irgendwo in einer Tierkörperbeseitungsanstalt landen sollte, ist mir unerträglich. Inzwischen gab es 2 Hunde- und 3 Katzengräber. Ich denke mit viel Liebe an alle meine Tiere. Zur Zeit habe ich eine 6jährige Colliehündin und 2 (uralte) Katzen.
    Mich bestürzt, dass die Kirche in ihren Reihen Geistliche hat, die dem Mitgeschöpf Tier so gefühllos gegenüberstehen. Ich kann das nicht verstehen.

    • Danke für die Rückmeldung, dass Ihnen der Beitrag gefallen hat; aber noch mehr freut es mich, dass er Ihnen gut getan hat! Jeder von uns kann seine Nähe und Bindung zu Mensch und Tier auf seine ganz persönliche Weise zum Ausdruck bringen – Liebe kann nicht „übertrieben“ sein.

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