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Hurtta und Ruffwear: Die Kühlwesten im Vergleich

Kühlwesten im Vergleich

Vor einiger Zeit im Frühjahr, es war ein sonniger Tag mit etwa 25 Grad, war ich mit meiner Mutter und unseren Hunden spazieren, und mir fiel auf, dass ihre junge Hündin nur von Schatten zu Schatten huschte, sich weit zurückfallen ließ und offensichtlich große Probleme mit der beginnenden Sommerwärme hatte.

Nachdem sie gesundheitlich gründlich durchgecheckt und für pumperlgesund befunden wurde, habe ich vorgeschlagen, für sie eine Kühlweste zu bestellen, um sie im Sommer unterstützen zu können. 

Als ich die Angebote durchsucht habe, ist mir aufgefallen, dass es einige Anbieter und diverse Mechanismen gibt, die die Hunde kühlen sollen. Das Prinzip ist immer das selbe: Verdunstungskälte von Wasser soll die Hitze vom Hund ableiten und ihn so etwas kühlen können.

Marktführend fielen mir zwei Methoden ins Auge:

  1. Kristalle, die sich mit Wasser vollsaugen müssen, aufquellen und so die Feuchtigkeit speichern und abgeben
  2. Kühlwesten mit verschiedenen Stoffschichten, bei denen nur die mittlere die Feuchtigkeit speichert, die innere Schicht den atmungsaktiven Abstand zum Hund hält und die äußere Schicht die Sonne reflektiert

Zu Methode 1 habe ich Erfahrung mit den Kühldecken und den Kühlhalsbändern gemacht, und gelinde gesagt: die Hunde hassen es.

Die Produkte werden schwer, dick und steif und nach mehrmaligem Einsatz fangen sie an stark zu riechen.

Marktführend zu Methode 2 sind zwei Anbieter, die sich im Bereich funktionelle Outdoor Bekleidung für Hunde bereits Namen gemacht haben: Ruffwear und Hurtta.

Ich habe mich entschieden, den Ruffwear Swampcooler mit der Hurtta Motivation Kühlweste zu vergleichen. Vielen Dank an Hund-Unterwegs an dieser Stelle, die mir freundlicherweise die Hurttaprodukte zur Verfügung gestellt haben.

Gemeinsamkeiten

Beide Kühlprodukte basieren auf dem gleichen Aufbau und der selben Wirkungsweise:

Damit sie ihre Kühlwirkung entfalten, muss man die Westen nass machen (unter dem Wasserhahn, mit einer Wasserflasche, im Bach, …) und dann am besten etwas antrocknen lassen.

Die mittlere der drei Schichten speichert das Wasser und gibt es nach außen ab, sodass durch die Verdunstung eine Kühlwirkung entsteht.

Die innere Schicht hält einen Abstand zum Hund, sodass dieser nicht direkt mit der ganz feuchten Schicht in Berührung kommt.

Die äußere Schicht reflektiert das Sonnenlicht und kühlt auf diese Weise zusätzlich.

Passform

Beide Westen haben ihre eigene Passform:

Der Ruffwear Swampcooler ist geschnitten wie die gängigen Wintermäntel. Er wird über den Kopf gezogen und an den Seiten mit zwei Steckverschlüssen geschlossen. Dadurch ist die Weste weg größenverstellbar und sitzt immer gut. Er umfasst den Großteil des Rückens, den Brustkorb und einen Teil des Bauches.

Die Hurtta Motivation Weste sitzt wie eine Art Westengeschirr. Der Hund wird mit den Vorderbeinen in die Beinlöcher gestellt und die Weste wird auf dem Rücken geschlossen. Damit die Weste von Hurtta passt, muss der Hund ziemlich den Herstellerangaben der Maße entsprechen, denn sie ist nicht verstellbar in der Größe. Sie bedeckt ausschließlich den Brustkorb.

Kleine Extras:

Beide Anbieter haben Schildchen zum Beschriften (mit Name und/oder Telefonnummer) in ihren Kühlwesten angebracht, sodass man auch in einem Mehrhundehaushalt schnell die passende Weste zum richtigen Hund in der Hand hält. Mit der Telefonnummer findet sie außerdem den Weg zurück nach Hause, sollte man sie beim Transport verlieren (ein ehrlicher Finder vorausgesetzt).

Die Hurtta Weste bietet bei den kleinen Versionen (XXS und XS) eine Leinenbefestigung an, sodass man kein weiteres Geschirr darüber oder darunter ziehen muss, und einen Sicherheitshaken unter dem Reißverschluss, sodass dem Hund bei versehentlichem Öffnen die Weste nicht unterwegs sofort herunterrutschen kann. Der Swampcooler hat diese Extras nicht.

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Dafür hat er spezielle Klickverschlüsse mit einem kleinen Hebelchen im „männlichen Teil“, der ein Verstellen effektiv verhindert. Einmal korrekt die Größe angepasst und eingestellt und nichts rührt sich mehr. Drück man den Hebel, lässt sich das Gurtband blitzschnell und leicht bewegen. Kein Gefummel mehr, und kein Nachstellen.

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Die Westen im Einsatz

In der Kühlwirkung konnte ich bei beiden Produkten keinen Unterschied feststellen.

Es entsteht auch, wenn der Hund sich in der prallen Sonne bewegt, unter beiden kein Hitzestau und auch kein Ansammeln von Feuchtigkeit. Die Temperatur ist unter den Westen angenehm, allerdings nicht „kalt“ wie eine Klimaanlage und in meinen Augen auch nicht in einem gesundheitsgefährdenden Bereich (Stichwort „Verkühlung“/„Erkältung“).

Die Hunde genießen an heißen Tagen den Einsatz der Westen. Seit es auf Ausstellungen in warmen Hallen oder im eigenen Pavillon, auf Agility-Turnieren, beim Spaziergang oder auf dem Hundeplatz. Die oben genannte Hündin ist deutlich aufgeblüht und hält nun auch wieder die längeren Runden gut mit. Meine eigene Hündin, die Kleidung normal hasst und sich nur wälzt und reibt fühlt sich durch den Swampcooler nicht beeinträchtig (die Hurtta-Weste passt ihr nicht).

Die Kühlwirkung hält bei beiden etwa eine Stunde im Sonnenschein an, danach muss man die Westen neu befeuchten.

Lässt man die Westen nach dem wässern etwas antrocknen, ist der Hund nicht feucht. Aber Achtung: bei langhaarigen Hunden können bei beiden Produkten die Haare verfilzen.

Nachteile?

Nachteile gibt es in meinen Augen keine, allerdings komme ich nicht umhin, Sicherheitshinweise auszusprechen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

Befeuchtet man die Westen vor dem Spaziergang und fährt mit dem Auto zur Gassistrecke, achtet bitte darauf, dass sie nicht vor der Klimaanlage liegen. Diese kühlt sie extrem runter, sie sollten so eiskalt den Hunden nicht angezogen werden. Bitte nehmt auch kein eiskaltes Wasser zum Befeuchten.

Bitte denkt beim Hundesport daran, dass nur warme Muskeln belastet werden sollen. Zieht Euren Hunden die Westen bitte vor dem Aufwärmen aus und nach dem Cool Down erst wieder an.

Die Hunde können sich den Westen nicht entziehen, deshalb empfehle ich, sie nicht unbeobachtet die Westen tragen zu lassen (zB im Auto in der Autobox) und immer wieder mit einem Griff drunter zu fühlen, ob die Temperatur in Ordnung ist. Trockene Westen kühlen nicht, es besteht die Gefahr der Überhitzung.

Eine Kühlweste ist kein Freibrief für Aktivitäten bei extremen Temperaturen. Bitte achtet immer auf Euren Hund und lasst ihn an heißen Tagen weiterhin mittags Siesta halten. Er freut sich auch, wenn die Gassirunden morgens oder abends stattfinden, wenn es noch/schon kühler ist.

Welche Weste für welchen Hund?

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Da ist sie nun, die Frage. „Welche Weste kaufe ich denn nun für Bello?“

Hurtta

Hurtta Motivation Kühlweste blau

Die Hurtta-Kühlweste ist geeignet für Deinen Hund, wenn:

  • er sehr klein ist (2 kg)
  • er nichts über den Kopf gezogen bekommen mag
  • er relativ genau den angegebenen Maßen entspricht
  • er kürzere Haare hat, die im Reißverschluss nicht verklemmen
  • und wenn Du Wert auf ein kleines Packmaß legst (bspw. beim Wandern)

 

Ruffwear

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Die Ruffwear-Kühlweste ist geeignet für Deinen Hund, wenn

  • Du Dir mit den Maßen nicht ganz sicher bist oder Dein Hund „eine komische Figur“ hat
  • Euch ein Steckverschluss an den Seiten lieber ist, als ein Reißverschluss am Rücken
  • Du Deinen Hund schnell und ohne Gefriemel einpacken willst
  • Du eine großflächige Kühlwirkung auf dem ganzen Hundekörper willst
  • Du vor hast, mit dem Hund längere Strecken in der Sonne zu laufen
  • man viele Hunde in ähnlichen Größen hat, und die Weste „reihum“ geben möchte (also nicht für jeden eine eigene kaufen)

 

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Drei verschiedene Hundegrößen und -formen, dreimal die selbe Swampcooler-Größe.

 

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Gurke und Lieschen sind zu klein für den Swampcooler (beide haben je 2 kg), die tragen die Motivations Weste.

 

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Lieschen trägt unter ihrer Weste ein Geschirr mit GPS-Tracker, das ist kein Problem.

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Bewegungsfreiheit der Beine ist gegeben.

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Curly passt der Swampcooler prima.

 

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Auch für Marie lässt er sich passend einstellen.

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Emily trägt die Motivationsweste von Hurtta, ihr passt aber auch der Swampcooler.

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Auch Zadi kann die Moti-Weste in dieser Größe tragen, sie liegt aber schon nicht mehr an und schlackert beim Laufen.

 

Text und Fotos: Ann-Kathrin Riedel

 

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