Jeder Hund kann schwimmen – wenn er will

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Sie müssen es nicht lernen. Sie können es von Geburt an. Aber manch eine Fellnase mag einfach kein Wasser. Ob mal zu früh rein geplumpst und dabei fürchterlich erschreckt oder weil es einfach zu nass ist – nix Genaues weiß man nicht. Mit ein paar Tricks aber wird aus dem Wassermeider vielleicht doch noch ein Schwimmhund.

Es gibt den neun Wochen alten Welpen, der beschließt, seinem Junior-Herrchen ins Meer nachzuhopsen, und plötzlich bemerkt, dass er – ups – nicht nur im Wasser ist, sondern auf einmal auch keinen Boden mehr unter den Pfoten hat. Kurzer Schreckmoment.. und losgepaddelt. Hauptsache: oben bleiben. Zumindest so lange, bis die Seniorregierung naht, die, schon kurz vorm Herzklabaster, das kleine Fellbündel aus den Fluten fischt. Das war´s dann wohl mit dem Schwimmen für das restliche Hundeleben, denkt sich der Retter.

Vonwegen. Kaum trocken gerubbelt und vom erleichterten Zweibeiner geknuddelt und geherzt, strawanzt Pfotenmini wieder Richtung Wasser. Während eine neuerliche Paddelrunde im großen Ozean verhindert werden kann, lässt sich die kleine Wasserratte beim abendlichen Aufstellen und Befüllen des Kinderpools durch nichts und niemanden mehr davon abhalten, das Element Wasser neuerlich zu erkunden. In einem unbeobachteten Moment krabbelt der dreiste Zwerg frech über den aufblasbaren Poolrand und rutscht in das lustige Nass, das dem Menschen gerade bis zur Wade, der kleinen Fellnase aber bis zum Hals reicht. Und los geschwommen. Ein Retriever? Ein Neufundländer? Ein Pudel? Nein. Ein kleiner Terrier, dessen Rasse nachgesagt wird, sie meide das Wasser… Das dazu.

Der kann das

Tatsächlich jeder gesunde Hund kann schwimmen. Unabhängig von der Rasse. Gut zu beobachten bei folgender Übung: Hält man einen Hund über eine offene Wasserfläche, beginnt er beim bloßen Anblick des feuchten Elements unter sich mit der typischen Paddelbewegung schwimmender Hunde – ohne, dass er bereits Nasskontakt hat. Nur wenige Vierbeiner versuchen stattdessen, panisch an Herrchen oder Frauchen hochzuklettern. Letztere gehören definitiv nicht zu jenen Vertretern, die sich immer begeistert in Bäche oder Seen stürzen. Vielleicht nie. Auch längst nicht jeder Retriever liebt das Wasser, und einige Fellnasen vermeiden sogar Pfotenkontakt mit dem feuchten Element. Warum auch immer.
Bei den brachycephalen Hunden, also den Plattnasen wie Mops, Bulldog oder Pekingese, ist es vielleicht auch reiner Instinkt, der sie zögern lässt. Denn sie sind durch ihre anatomisch bedingte Kurzatmigkeit nicht unbedingt für sportliche Sonderleistungen geeignet. Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel.

Alles eine Frage der Technik

Wie aber den unsicheren Vierbeiner, ob Welpe oder ausgewachsener Hund, nun doch an das Wasser gewöhnen und für die eine oder andere Schwimmrunde begeistern?

Zunächst ist das „gute Beispiel“ eine zuverlässige Animationsmethode: Geht der geliebte Rudelführer mit lockerer Selbstverständlichkeit voran ins Wasser, muss es ja wohl was Tolles sein. Und hinterher gewackelt. Für diese ersten  Kontaktübungen eignen sich am besten stehende Gewässer mit sanft abfallendem Untergrund. Lustig zu beobachten, wie die Fellnase mit zaghaftem Pfotentritt versucht, das Wasser zu „betreten“, und schließlich der Wunsch überwiegt, beim Zweibeiner zu sein, und dann mutig losgepaddelt wird. Nur wenige Meter erst einmal, denn der kluge Hundehalter geht nach wenigen Minuten Richtung Ufer und der nachfolgende Fellträger hat wieder Boden unter den Pfoten. Was für ein Spaß! Und bald schon werden die Wasserausflüge Meter um Meter ausgedehnt; auch mal im Kreis geschwommen. Immer dem Zweibeiner hinterher, der nicht mit Lob und Anfeuerung geizt. Ein Leckerlie in Cheffes Hand kann zusätzlicher Anreiz sein (und eine läufige Hündin für den wasserscheuen Rüden eine derart magische Anziehungskraft besitzen, dass er ihr sogar in das bis dato eher ungeliebte Nass folgt).

jeder-hund-kann-schwimmen4b.jpgEbenfalls eine gute Möglichkeit, die Fellnase ins Wasser zu bekommen, ist das Apportieren. Wer schon an Land mit Begeisterung seinem Hundespielzeug hinterher jagt, zieht es vermutlich auch ebenso begeistert aus dem Flachwasser. Die einen zunächst vorsichtig und dann mit zunehmender Sicherheit, die anderen von Anfang an mit Karacho-Bauchklatscher, immer und immer wieder. Bis schließlich auch der Sprung in tieferes Wasser zum Spaß-Repertoire gehört.

Den übervorsichtigen und zögerlichen Fellnasen kann der Einsatz einer Schwimmweste die mögliche Angst vor dem Wasser nehmen. Es gibt sie nämlich auch, die Schlechtschwimmer. Zuviel Vorderauftrieb und dadurch bedingtes Absinken des Hinterleibs und dann aufkommende Panik sind bei diesen Hunden häufig zu beobachten. Falsche Koordination der Gliedmaßen, teils bedingt durch „unpassende“ Körperproportionen (Beispiel: zu lange Beine im Verhältnis zum Torso), können die Ursache sein. ruffwear-hydro-plane-dandelion-yellow_3.jpgHier darf der umsichtige Halter den mit Schwimmweste ausgestatteten Hund auch schon mal gegen dessen Willen in tieferes Wasser tragen und dort behutsam in das kühle Nass absetzen.
Normaler Weise ist es ein NoGo, einen Hund ins Wasser zu zwingen, doch die ihn nun tragende Weste kann dem sich verweigernden Vierbeiner die benötigte Sicherheit vermitteln. Der ruhiger werdende Hund hat jetzt die Möglichkeit, seine Bewegungen besser und gezielter zu koordinieren, um Schwimmrichtung und -geschwindigkeit zu bestimmen. Mit dem Zweibeiner immer an seiner Seite, der ihn beruhigt und ermuntert. Hat er erst einmal die Angst überwunden und die passende Schwimmtechnik erfasst, wurde schon aus manchem Nichtschwimmer ein begeisterter Wasserhund –  ohne Schwimmweste.

Die Weste ist aber natürlich immer dann „am Hund“, wenn es auf ´s Boot geht oder mal längere Schwimmausflüge anstehen. Auch dem alten Hund, der gern schwimmt, und für dessen müde Knochen das Schwimmen eine regelrechte Wohlfühltherapie darstellt, er aber schneller erschöpft ist, als zu Jugendzeiten, hilft die Schwimmweste, das Planschen und Wasserpaddeln wieder zu genießen. Das gilt natürlich ebenso für an Rücken oder Gelenken operierte Hunde, denen der Tierarzt ausdrücklich zu einer Schwimmtherapie rät. Auch zum Muskel- und Konditionsaufbau ist Schwimmen hervorragend geeignet.
Dank des Griffes an den Westen, kann der womöglich mal erschöpfte Hund geschleppt oder schnell auf den Steg oder an Bord gehievt werden. Zusätzlich gesichert durch eine Leine, die sich an der Weste befestigen lässt, werden auch unruhige Strömungsgewässer oder leicht kabelige See souverän bewältigt.

Hätten Sie´s gewusst?

Wenn Sie am nächsten Tag Ihren Vierbeiner beobachten, wie er sich nur im Zeitlupenmodus bewegt, kann es daran liegen, dass er es am Vortag mit dem Planschen übertrieben hat, denn: Vielpaddler können Muskelkater bekommen. Folge: Zwangspause und zukünftig den Aufenthalt im Wasser zeitlich begrenzen – auch gegen Fellnasenwunsch.

Wie alle sportliche Aktivitäten regt das Schwimmen die Darmtätigkeit an. Der Kotbeutel am Strand ist also auch deshalb das MustHave für den begleitenden Zweibeiner.

jeder-hund-kann-schwimmen5.jpgZwar bringt es spaßige Fotos, aber:  Tauchen ist KEINE gewünschte Wasserdisziplin beim Hund! Auch von vermeintlich lustigen Trickspielen wie „Blubberblasen machen“ ist abzuraten. Warum wohl schüttelt sich ein Hund beim Verlassen des Wassers? Um die Nässe aus dem Fell zu bekommen, klar. Aber ebenso will er das Wasser aus seiner Nase und seinen Gehörgängen hinaus schleudern. Deswegen schüttelt er auch den Kopf. Der im Vergleich zum menschlichen Ohr starke, fast schon rechtwinklige Knick im langen caniden Gehörgang, Hundeohr-anatomieder zum Trommelfell führt, verhindert mitunter die vollständige Entfernung des Wassers, und besonders bei schlappohrigen Hunden kann die verbliebene Feuchtigkeit in der Folge zu äußerst schmerzhaften Entzündungen des Mittel- und sogar des Innenohres führen. Also: Bringen Sie Ihrem Hund NICHT das Tauchen bei!

Wer einen vierbeinigen Abtaucher sein eigen nennt: Besonders häufig die Ohren kontrollieren; bei Wahrnehmung fauligen Geruchs umgehend dem Tierarzt vorstellen!

Und hinein – oder nicht

Ein Hund muss nicht schwimmen wollen. Auch Landratten haben mächtig Spaß. Und manche Fellnasen springen bei jedem Wetter ins Nasse. Nicht immer zum erklärten Wohlgefallen ihrer Besitzer. Für besonders wasserverrückte Vierbeiner allerdings ist vielleicht die Wasserrettung die genau passende Beschäftigung..
In diesem Sinne: Immer schön oben bleiben und

Viel Spaß am und im Wasser!  Fotogalerie: Abtaucher und Schlickrutscher

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(Fotos: Stock / Ruffwear / privat; Grafik: hund-unterwegs)

Kommentare

  1. Hach, klingt das schön! Gemeinsam mit der Fellnase ins kühle Nass… Meine Lotta weigert sich da bislang strikt. Wasser in jeglicher Form (außerhalb ihres Trinknapfes) ist ihr leider völlig zuwider. Die Tipps finde ich aber klasse und werde einige davon einfach mal ausprobieren. Mal sehen, ob ich die kleine Lotta nicht doch noch ins Wasser bekomme 😉 Vielen Dank für die tollen Anregungen!

  2. Haben unseren Rokko letztes Jahr zum ersten Mal in unseren Pool gelassen. Das überlebte die Innenfolie unsere Pools nicht. Also Wasser raus, neue Folie rein (war gott sei dank nicht all zu teuer) und den Pool erstmal bis Kniehöhe befüllt, damit unser Hund den Pool und das Wasser kennenlernt. Am nächsten Tag war der Pool mit Wasser aufgefüllt und Rokko genoss es sogar ein wenig im Pool zu schwimmen. heute springt er ohne Hemmungen einfach rein 😛

  3. Gisa Kahle-Anders meint:

    Nicht jeder Hund kann von selbst schwimmen! Ich hatte mal eine Hündin, die erst lernen musste, dass man dabei auch die Hinterbeine bewegen muss. Sie ist mir fast ertrunken, weil ich auch dachte, dass Hunde das von Geburt an automatisch können. Nach einigen Schwimmstunden hat sie es aber kapiert und dann das kühle Nass sehr genossen.

  4. Claudia Degenkolbe meint:

    Ich habe 2 Nichtschwimmerhunde..der eine,ein Samojede 17 kg „muss“ aber Wasserphysiotherapie machen,ihm fehlt – als Hund aus der Nothilfe – das eine komplette Vorderbein. Auch ich habe gute Erfahrung gemacht mit einer Schwimmweste.Nicht das er es liebt,aber inzwischen spüre ich beim ins-Wasser-tragen,wie er entspannt und selbst sein Herzschlag nicht mehr beschleunigt. Nun trage ich inzwischen auch in den kurzen „Trainingspausen“ den anderen Hund ,Samojede-Jagdhund-Mix 25kg, mal ins Wasser…ein vertauensvolles Miteinander, Entspannung und Wiederholung macht es zu einem kleinen Abenteuer.Aber das mit der läufigen Hündin könnte ich noch mal versuchen..zwinker.

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