Mantrailing / Teil 2: Der Start ist das Ziel

maintrailing-2.jpgNachdem Ihr Euch in das Thema „Mantrailing“ eingelesen und regelrecht Blut geleckt habt, überlegt Ihr Euch: „Das will ich mit meinem Hund auch können!“? Und Eure Gedanken kreisen um Fragen wie: Kann mein Hund in einer Hundeschule lernen, wie man trailt, oder muss es gleich eine Rettungshundestaffel sein? Bin ich dem Zeitaufwand gewachsen? 

Reinschnuppern, fun-trailen oder arbeiten?

Zunächst einmal ist es wichtig – wie bei jeder Ausbildungs-Entscheidung –, sein Ziel zu kennen. Wenn ein Hundeführer glücklich damit ist, sich selbst Spaß und seinem Hund eine artgerechte Auslastung zu bieten, gilt es zunächst, Ausschau nach Angeboten von Hundeschulen zu halten. Hundehalter, die Lust haben, tiefer in die Materie „Mantrailing“ einzutauchen, zu experimentieren und viel Zeit mit einer geschlossenen Hunde- und Menschengruppe zu verbringen,  werden in einer freien Funtrailer-Gruppe ihr Glück finden.
Ambitionierte Halter eines Arbeitshundes, insbesondere eines Jagdhundes, werden diese Angebote nicht zur Erfüllung führen. Diesen Hund-Mensch-Teams ist das Engagement in einer Rettungshundestaffel zu empfehlen, um sich zu Profis ausbilden zu lassen, wobei sie sich vorher des zeitlichen Einsatzes, den ein solches Ehrenamt erfordert, bewusst sein müssen.

Trailen lernen – aber richtig!

Wer sich und seinen Hund in einer der ersten Varianten wiederfindet, muss ein regelrechtes Angebots- Dickicht durchstöbern, um die Trend- Abzocker von den Könnern zu unterscheiden. Daher heißt es: Machete gezückt, durchgeschlagen und Trittbrettfahrer entlarvt!

Ein entscheidender Hinweis auf die Güte eines Angebotes von beispielsweise einer Hundeschule ist, wenn diese viele Hintergrundinfos anbietet, Fragen beantworten kann und weiß, was und wie ein Mantrailer eigentlich sucht. Gerade zu Anfang ist es außerdem wichtig, genaue Informationen zur Ausrüstung für Mensch und Hund zu erhalten, denn vor allem die richtige Leine und ein gut sitzendes Geschirr sind beim Trailen enorm wichtig. Am besten einen großen Bogen machen Besitzer eines angehenden Personenspürhundes um Hundeschulen, die augenscheinlich ohne Konzept an das Thema Mantrailing herangehen, keine vorhergehende theoretische Einführung anbieten oder zu große Abstände zwischen den einzelnen Trainingsterminen verstreichen lassen – ein absolutes No-Go für Mantrailing- Anfänger!

Ein ausgebildeter Personenspürhund kann durchaus mal „Urlaub“ mit einer zweiwöchigen Pause verkraften und sich danach wieder hochmotiviert in sein Arbeitsgeschirr schmeißen. Dieser Zustand kann jedoch nur durch eine intensive Ausbildung erreicht werden, denn Mantrailing ist Fleißarbeit! Zu Beginn ist es deshalb auch für einen Hobby-Trailer Pflicht, mindestens zweimal in der Woche zu trainieren, später genügt dann einmal.

Nicht jedes Trainingsangebot führt zum Sucherfolg

Ein weiteres No-Go ist es, wenn Mantrailing und Fährtensucharbeit „in einem Abwasch“ angeboten werden. Ein solches Kursangebot entlarvt einen Scharlatan, der sich überhaupt nicht mit den Inhalten seiner angebotenen Ausbildungen auseinandergesetzt hat. Wie wir aus dem vorangegangenen Artikel zum Thema wissen, werden beide Einsatzbereiche unterschiedlich und mit anderer Zielvorgabe trainiert. Also: Finger weg!

Weitere skurrile Varianten zeigen sich nach Bemühung einer Internet-Suchmaschine: Da bietet eine Hundeschule, an einem (!) Tag auszuprobieren, ob es „Spaß macht, Menschen zu suchen“, und ein anderer Hundetrainer bietet am zweiten Kurstag bereits „kleine Trails“ an.
Dass ein Hund relativ schnell begreift, worum es geht, ist zwar richtig, aber wer so schnell voranschreitet, versäumt einen soliden Basisaufbau. Ein Indiz für gute Mantrailing-Ausbilder ist deren Tätigkeit in Rettungshundestaffeln. Häufig sind sie auch dort Ausbilder und wissen aufgrund ihrer meist langjährigen Erfahrung genau, was sie tun. Im Einsatz nämlich kann eine nachlässige Ausbildung der Hunde Menschenleben kosten.
Wenn ein solcher Ausbilder also eine Hundeschule für Familienhunde betreibt, ist sein ehrenamtliches Engagement ein Indiz für eine soliden fachlichen Hintergrund. Ein weiterer Hinweis auf kompetente Trainer kann eine fundierte theoretische Einführung auf deren Website sein, die auch einer persönlichen Nachfrage standhält, oder eine Aufzählung bzw. Beschreibung besuchter Seminare aufweist.

Das Abenteuer beginnt: „Go Trail!“

So könnte das Kommando lauten, das sonst zu keinem anderen Anlass, in keiner anderen Situaton verwendet werden darf. Es muss einzigartig sein und nur diesen einzigen „Auftrag“ für den Hund bedeuten! Der Begriff „Such!“ wird von Hundehaltern häufig im Spielerischen, zum Beispiel für Leckerlie- oder Ballsuche, angewandt und hat bereits eine Bedeutung; darf also nicht zum Trailen eingesetzt werden.

Hat der Mensch sich nun ein Startkommando überlegt, gilt es, sich – je nach Ausbildungsmethode – noch ein weiteres Kommando für das Anriechen am Geruchsträger zu überlegen. Weit verbreitet ist das Wort „Check!“. Dies ist die Aufforderung an den Hund, den präsentierten Individualgeruch aufzunehmen und, noch am Halsband angeleint (Trailersprech: „im Halsband“), in einem gewissen Radius nach diesem Geruch in der Umgebungsluft zu suchen und dem Hundeführer das Auffinden durch Hinsetzen, Bellen oder ein anderes individuelles Körpersignal anzuzeigen. Woher das rührt? Im Rettungshundebereich gibt es oftmals nur vage Aussagen, wo eine vermisste Person zuletzt gesehen wurde. So kann an der vorgegebenen Stelle abgeprüft werden, ob sie tatsächlich an diesem Ort gewesen ist. Zeigt der Hund, dass er Witterung hat, ist es Zeit, zügig die Leine vom Halsband ins Geschirr zu schnallen, das festgelegte und im Vorwege trainierte Trailkommando, wie etwa „Go trail!“, zu sprechen und seinem Hund und dessen Nase die Führung zu übergeben.

Im reinen Freizeitbereich kann auf letzteres Anriechritual allerdings verzichtet werden, da der Startpunkt bekannt ist. Hier genügt es, den Hund am Start ins Suchgeschirr umzuschnallen, ihm den Geruchsartikel auf dem Träger (Scent) zu präsentieren und mit dem Startkommando loszuschicken. Einige Mantrailer führen ihren Hund noch am Startort vor jedweder Gabe des Geruchsartikels am Halsband in einem großen Kreis, dem „Perimeter“. Dadurch wird dem Hund vorab die Möglichkeit gegeben, sich ein „Geruchsbild“ der Örtlichkeit zu erstellen – möglicherweise erinnert er sich nach dem Schnüffeln am Geruchsträger sofort, diesen Geruch soeben wahrgenommen zu haben. Das kann ihm dabei helfen, schnell die korrekte Richtung einzuschlagen.

Ohne Fleiß kein Preis

Und irgendwann ist er da: Der magische Moment, wenn der Hund den Geruch aufgenommen hat und sich ins Geschirr legt, die gespannte Vorfreude sich in adrenalingeladener Vorwärtsbewegung löst, und Mensch und Hund zu einem Arbeitsteam verschmelzen.

Bis dahin ist es allerdings ein weiter Weg. Doch mit einem guten Ausbilder an der Seite wird der Hund schnell begreifen, worauf es ankommt: dass eine bestimmte Person gesucht wird und dass er für diese Suche wirklich seine Nase einsetzen muss, um sie zu finden. Auch, dass nur bei erfolgreicher Suche eine Belohnung zu erwarten ist, weiß er. Einer Belohnung, die bei manchen Hunden – vergleichbar siegeswilliger Rennpferde – schon im Auffinden und der freudigen Begeisterung darüber bestehen kann. Geschafft! Ziel erreicht! Gewonnen-gewonnen-gewonnen! Wasser nehm´ ich. Leckerchen, jaaa, okay, als Anerkennung reicht mir aber auch Deine Freude und Dein Lob. Ich bin ja selber stolz auf meine tolle Leistung!

Dieser Jubel findet schon statt bei der ersten kurzen Suche, die nicht auf Sicht durchgeführt wird, hinter der nächsten Ecke. Die Strecken werden dann zunehmend länger, und allmählich wird sich auch das faszinierende „Start-Feeling“ einstellen mit Bauchkribbeln, erwartungsfroher Konzentration und überwältigender Abenteuerfreude. Und – zack – ist es geschehen: Infiziert! Der nächste Trailstart schon sehnsüchtig erwartet…

(Foto: Andreas Vogel)

Kommentare

  1. Claudia Landgrafe meint:

    Es ist durchaus möglich, an einem Tag zu schauen, ob Mantrailing etwas für das jeweilige Mensch-Hunde-Team ist – wobei es da in erster Linie um den Menschen geht.

    Nach einem kleinen Theorieblock (in dem Grundsätzliches zum Thema erklärt werden sollte) und dem ersten „Antrailen“ entscheidet der Mensch, ob ihm das nicht zu anstrengend ist, oder zu aufwändig.

    Und man sieht als Trainer, wie lernbereit und aufnahmefähig der Hund ist – und wie der Mensch mit seinem Hund umgeht, was ebenfalls ein wichtiger Faktor für ein erfolgreiches Training ist!

  2. Matthias meint:

    Ein wirklich guter Artikel. Wir sind selber in der Rettungshundestaffel Lüneburg des DRK tätig. Angefangen haben wir auch in einer Hundeschule mit dem Mantrailing.
    So kann man zwar sehen ob der Hund und natürlich auch die Hundeführer Lust auf Mantrailen haben.
    Auf der anderen Seite hat man es aber dann schwerer wenn man in den „professionellen Bereich“ wechselt, denn in der Rettungshundestaffel wird natürlich ganz anders trainiert.

    Uns macht das Maintrailen jedoch sehr viel Spaß. dem Hund gefällt es auch und es gibt nichts schöneres als einen vermissten zu finden und im besten Fall sogar Leben gerettet zu haben.

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