„Mein Hund will nicht alleine bleiben!“ Wie Sie Ihrem Hund beibringen, die Zeit ohne Sie auszuhalten

Hund zersört SesselIhr Hund bellt, jault oder dekoriert die Wohnung um, sobald er alleine gelassen wird? Keine Sorge, mit diesem Problem stehen Sie nicht alleine da! Es gehört zu den am häufigsten genannten Gründen, warum Hundehalter einen Experten aufsuchen.

3 Hundetypen gibt es, bei denen dieses Problemverhalten auftritt:

  1. Der erwachsene Hund, der als Welpe nicht gelernt hat, Alleinsein auszuhalten
  2. Tierheimhunde, die aus diesem Grund abgegeben wurden und die Trennungsangst noch nicht überwunden haben
  3. Auslandshunde, die „Einzelhaft“ nicht gewöhnt sind

Zwei Hunde – Geteiltes Leid ist halbes Leid?

Nein! Wenn der Ersthund nicht alleine bleiben kann, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er seinen Hundekumpel damit „ansteckt“ und plötzlich zwei Hunde Terz machen.

Die Lösung

  • Das Alleinsein zu üben, kann gar nicht früh genug geschehen! Bringen Sie Ihrem Welpen von Anfang an bei, dass es nicht schlimm ist, für kurze Zeit alleine im Raum zu bleiben. Einfach kurz die Zimmertür schließen und in dem Moment, wo sich das Tier ruhig verhält wieder öffnen.
  • Keine Begrüßungszeremonien! Damit es für den Hund zur Normalität werden kann, dass sie hin und wieder auch mal „außer Haus“ sind, ist es wichtig, dass sie ihn bei ihrer Rückkehr so lange ignorieren, bis er sich wieder beruhigt hat. Sagen Sie nichts, räumen Sie stattdessen ihre Einkäufe weg. Hat sich Ihr Hund kurzzeitig beruhigt, bestätigen Sie dies umgehend mit einem Leckerchen!
  • Zeigen Sie keine Emotionen! Auch wenn´s schwer fällt und Sie sich freuen, Ihren Hund wieder zu sehen, überschwängliches Verhalten, eine hohe Stimme und Hektik bringen Ihr Tier auf ein hohes Energielevel. Das Gegenteil ist jedoch gewünscht, schließlich wollen wir, dass das Alleinbleiben für ihn eine Selbstverständlichkeit wird. Übrigens: Schimpfen ist zwar negative Aufmerksamkeit, doch der Hund unterscheidet in diesem Fall nicht zwischen positiv und negativ. Für ihn zählt, dass Sie ihn beachten. Deshalb: Sparen Sie sich Ihre Worte, auch dann, wenn Ihr Hund während des Alleinseins etwas „angestellt“ hat.
  • Ruhe bestätigen! Bleibt Ihr Hund friedlich liegen, legen Sie ihm ein Leckerchen zwischen die Pfoten, um ihm zu zeigen, dass Sie genau dieses Verhalten von ihm möchten.
  • Hunde sind Gewohnheitstiere! Sie lernen innerhalb kürzester Zeit, was es bedeutet, wenn wir unsere Schuhe anziehen und die Schlüssel nehmen. Überraschen Sie Ihren Hund deshalb immer mal wieder damit, dass Sie zwar die Jacke anziehen, sich aber einfach nur hinsetzen. Dann hängen Sie das Kleidungsstück wieder weg, hängen den Schlüssel an die Garderobe, etc.
  • Keine Abschiedszeremonien! Gewöhnen Sie sich ab, ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn Sie das Haus verlassen. Wenn Sie sich jetzt auch noch verbal von Ihrer Fellnase verabschieden, weiß sie erst recht, dass Sie sich nicht wohlfühlen dabei! Denken Sie immer daran: Hundeerziehung ist zu 100% Einstellungssache!

Der Härtefall: Wenn der Hund das Alleinbleiben nicht kennt

Die gute Nachricht: Echte Trennungsangst ist zum Glück selten. Im Normalfall leidet der Hund unter einem Kontrollverlust und zeigt Protestverhalten, in dem er bellt, jault oder Gegenstände zerstört.
Das Wichtigste ist Geduld. Je geringer die Frustrationstoleranz Ihres Hundes, desto kleiner müssen die Trainingsschritte sein! Grundsätzlich empfiehlt es sich immer, dem Hund einen festen Platz zuzuweisen. Dort soll er nun lernen zu relaxen, statt Ihnen überall hin zu folgen.
Pira Ruhnert vom Hundekompetenzzentrum Dogsight macht´s vor.


Video-Tutorial: Das Deckentraining

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Kommentare

  1. Unser Vierbeiner hat auch Probleme damit, alleine Zuhause (oder irgendwo anders) zu sein. Er beginnt dann damit, die Wohnung umzuräumen. Ich habe mir eine Kamera installiert um zu beobachten, ich kriege das VideoSignal aufs Handy und kann in ruhe beobachten, was passiert. es gibt sogar eine Gegensprechanlage, die es mir ermöglicht, Kommandos zu geben oder normal mit ihm zu reden 🙂

    • Kirsten meint:

      Hoi! Mein Hund hat als Welpe nie gelernt, alleine zu bleiben (habe ihn mit einem halben Jahr übernommen, da war das Kind schon in den Brunnen gefallen) und ich doktor schon länger an dem Training herum. Ich hätte auch gerne ein einfach zu bedienendes Video-System, das auf das Handy sendet, mit dem ich meinen Hund überwachen kann. So kann ich dann vermeiden, die Trainingsschritte zu gross zu gestalten und zurück zu ihm gehen, bevor er durchdreht. Vermutlich ist das das Problem und dass es bis heute nicht so recht klappt mit dem Alleinebleiben. Es ist SEHR variabel , wie lange er es aushält, darum überschreitet man an manchen Tagen seine Toleranzgrenze (die vor zwei Tagen noch absolut ok war…). Finja, kannst Du mir einen Tipp geben bezüglich des Video-Handy–Systems, welches Du benutzt? Das wäre super, vielen Dank!

  2. Pfotentraining Kimm meint:

    Danke für Ihren Beitrag.
    Lassen Sie mich bitte ergänzen:
    Es gibt Hunde, die können nicht alleine bleiben und auch nicht alleine als Einzelhund gehalten werden. Diese Hundetypen gibt es in jeder Rasse. Oft zeichnen sich solche Hunde durch Sortierwahn aus. Sie knabbern z. Bsp. Gegenstände wie Staubsauger etc. an, bellen fremde Menschen, die irgendwo sitzen, scheinbar ohne jeden Grund und ohne jede Aggression an, wenn man sie auf ihren Liegeplatz bringt, kommen sie nicht zur Ruhe, lecken sich evtl. alle ihre Pfoten wund usw. usw. Diese Hunde scheinen auch bei Spaziergängen nicht zur Ruhe zu kommen, ebensowenig bei einem Picknick etc. Diesen Hunden sollte man solche Übungen ersparen, das wäre eine zusätzliche Qual. Leider können nur wenige Profitrainer solche Hunde als Zentralhunde, wie sie im Fachjargon genannt werden, identifizieren. Wenn man solch einen Hund hat, der auch im Beisein des Halters nie zur Ruhe zu kommen scheint, sollte man sich professionelle Hilfe holen. Dann liegt es nicht am Hundehalter, wenn er den Hund nicht ruhig bekommt, auch wenn man noch so viel üben würde. Diese Kompetenz eines Zentralhundes ist angeboren und kann weder antrainiert noch abtrainiert werden. Von sieben verschiedenen angeborenen Hundetypen ist einer davon ein Zentralhund. Dieser braucht einen passenden zweiten Hund, den er führen kann und welcher kein Leithund ist. Erst dann kommen Zentralhunde zur Ruhe.
    Gruß
    Pfotentraining Kimm

    • Manuela Lieflaender meint:

      Liebes Pfotentraining Kimm,

      vielen Dank für Ihre Kommentare. Da Sie die vererbte Rudelstellung ansprechen, ist es mir ein Anliegen, ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen. Es gibt zu dieser Theorie eine Seite im Netz, die sich ausführlich mit dem Thema beschäftigt. Auf „Rudelstellung klargestellt“ (http://rudelstellungen-klargestellt.de/) sind beispielsweise Experteninterviews u.a. mit Günther Bloch, Dorit Feddersen-Petersen, Thomas Riepe usw zu finden. Ich empfehle jedem diese zu lesen – und zwar im Sinne der Hunde. Es kann nicht angehen, dass vermeintliche Tierfreunde, die mehrere Hunde halten, diese in Tauschbörsen anbieten, weil sie angeblich nicht zueinander passen.
      PS: Lesenswert ist übrigens auch dieser Beitrag von Sophie Strodtbeck: http://strodtbeck.de/blog/node535e5fbe00211.html
      Gruß
      Manuela Lieflaender

      • Pfotentraining Kimm meint:

        Hallo Manuela Lieflaender,

        vermutlich meinen Sie in Ihrem Kommentar den Verein für vererbte Rudelstellungen, über den man bei Frau Ertel an workshops teilnehmen kann. Diese Rudelstellungstheorie wird, wie Sie in Ihrem Kommentar schreiben, zum Teil heftig kritisiert. Tatsache ist aber, dass nicht Frau Ertel, sondern die Familie Werner über drei Generationen hinweg (Philipp Werner wurde 1810 geboren, sein Urenkel Karl Werner starb 1977) bereits schon im 19. Jahrhundert diese Rudelstellungen entdeckt und jahrzenhtelang recherchiert hatte. Frau Ertel hat Karl Werner persönlich kennen gelernt und gibt dieses Wissen weiter.

        Über die Art und Weise, wie Frau Ertel dieses Wissen weiter gibt und inwieweit dabei finanzielle Interessen stehen und wie solche workshops durchgeführt werden, ist eine ganz andere Sache. Das sollte man trennen.

        In meinem vorher geschriebenen Kommentar habe ich auch nicht davon geschrieben, dass man so einen workshop besuchen soll, auch habe ich keine Trennung von Hunden angesprochen. Es gibt Hunde, die als Alleinhaltung niemals zur Ruhe kommen, und denen kann man das auch nicht abtrainieren. Da sollte man sich professionelle Hilfe holen und nicht meinen, man würde beim Trainieren mit seinem Vierbeiner versagen, weil es nicht klappt. Das war der Hintergrund.

        Unabhängig von persönlichen Meinungen und finanziellen Interessen stelle ich bei meinen Trainings immer wieder fest, dass es diese angeborenen Hundetypkompetenzen gibt. Es gibt auch Studien darüber, die nicht vom Verein für vererbte Rudelstellungen durchgeführt wurden und die diese verschiedenen, seinerzeit von den drei Generationen der Familie Werner entdeckten Hundetypen bestätigt haben. Ich habe keinen finanziellen Vorteil, wenn ich mir dieses Wissen zunutze mache, aber mir hilft gerade dieses Wissen, um mit maximal 2 Hausbesuchen und ohne weitere Trainings 98 Prozent aller Probleme, die Halter im Umgang mit ihren Hunden haben, zu beheben. Das spricht für sich. Und ich arbeite ohne Bestechung durch Leckerlis.

        Für Außenstehende ist es ohne ausreichende praktische Erfahrungen über dieses Thema gemacht zu haben leider nicht möglich, sich ein objektives korrektes Urteil darüber zu erlauben. Aber darum soll es hier ja auch gar nicht gehen. Jeder kann sich seine eigene Meinung bilden.

        Zu Ihrer Bemerkung, dass man Tiere nicht in Tauschbörsen handeln soll: Selbst wenn die Rudelstellungstheorie ergäbe, dass zwei Hunde zueinander passen, heißt das in der Praxis noch lange nicht, dass das so sein muss. Jeder Hund hat das Recht, einen Hund als weiteren Hund im Haushalt abzulehnen. Nur weil eine Rudelstellung passt, müssten sich die Hunde nicht zwangsläufig mögen. Ein Hund, der es gewohnt ist, alleine gehalten zu werden, muss nicht zwangsläufig Lust haben, einen weiteren Hund zu bekommen. Also Hunde einfach aufgrund bestimmter angeborener Stellungen tauschen zu wollen ist mit Vorsicht geboten. Da gebe ich Ihnen Recht. Dann stellt sich auch die Frage, wer die Rudelstellungen bestimmt. Das können derzeit nur sehr wenige. Ich selbst schätze für andere auch keine Tiere ein, ich benutze dieses Wissen lediglich für mich allein.

        Mit lieben Grüßen
        Pfotentraining Kimm

  3. Claudia Landgrafe meint:

    Das völlige Ignorieren des Hundes beim Zurückkommen wurde lange propagiert.
    Mittlerweise ließ sich wissenschaftlich feststellen, dass Hunde sich schneller wieder beruhigen und ihren Stress abbauen, wenn man sie RUHIG begrüßt, sobald man zurück ist, und sie RUHIG berührt – also keine heftische oder laute Begrüßungsorgie, sondern gelassen, aber freundlich ansprechen, kurz streicheln und sich dann den alltäglichen Dingen zuwenden.
    Auch das verbale Verabschieden muss nicht schlecht sein, sondern kann ein notwendiges Ritual für den Hund darstellen, um den Stress („Darf ich mit oder nicht?!?“) zu vermeiden – da muss man immer im Einzelfall schauen, was der jeweilige Hund genötigt. Es gibt keine Pauschallösungen für das Problem.

  4. Maria meint:

    Hallo Finja,
    wenn Du damit Erfolg hast , hast Du alles richtig gemacht. Leider klappt das nicht beim nächsten Tier.
    Ich habe 2 Möpse und einen Mischling. Der Mischling will auch nicht ohne uns sein. Er heult dann nur rum und findet keine Ruhe. Wenn wir dann wieder kommen maßregelt er uns, was wir nicht beachten. Er meint aber Recht zu haben und schaut uns nicht mehr, Leckerlis nimmt er auch nicht.Wir können damit leben, aber wie lange hält er aus? Das ist hier die Frage. 2Jahre macht er es nun schon so.
    Gruß Maria

    • Pfotentraining Kimm meint:

      Hallo Maria,
      eine Ferndiagnose abzugeben, ohne den Hund selbst kennen gelernt zu haben, ist kaum möglich. Es klingt aber so, als hätte Dein Hund viel Stress. Falls meine Vermutung, woran das liegt, zutrifft, lässt sich das aber binnen eines Tages beheben. Falls nicht, kommt Plan B, der dauert ein paar Tage länger. Ich bin hier im Hochsauerlandkreis tätig, Paderborn ist eine der Städte, in der ich Hausbesuche mache, falls Du im Umkreis wohnst, sollten wir uns mal kennen lernen.
      Lieben Gruß
      Werner

  5. Schönen guten Tag
    Ich habe das selbe Problem mit meinem
    Chihuahuamäuschen sie ist jetzt ein halbes Jahr alt und kann einfach nicht ohne mich sein. Wir sind nämlich jetzt umgezogen und davor habe ich bei meinen Eltern gewohnt mit dem Familienhund da ging es da konnte man die zwei schon mal paar Stunden alleine lassen aber seitdem wir 2 in der neuen Wohnung wohnen bleibt sie gar nicht mehr ohne mich.
    Wenn ich nur mal schnell den Raum verlasse um die Wäsche im Keller zu holen fängt sie jämmerlich an zu jaulen und das durchs ganze Mietshaus :/
    Wie kann ich das ändern hat jemand ein paar Tips ? Meine überlegen war auch schon ob ich mir nicht noch einen Hund zulegen sollte damit sie nicht alleine ist.
    Würde mich über Antworten freuen

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