Reise-Reportage: Mit Hund unterwegs in Mecklenburg-Vorpommern

Reisereportage: Mit Hund unterwegs

Funktioniert meine Uhr noch? Ich glaube nämlich, hier ist die Zeit stehen geblieben. Samy und Hailey werden erst mal gut durchgeschüttelt: Die Straßen bestehen noch aus Pflastersteinen.

Schnell wird klar – dieser Ort atmet Geschichte. Direkt neben dem Gelände des Gutshauses Stolpe stehen die Reste eines alten Klosters. Genauer gesagt ist es das erste Kloster, das in Vorpommern überhaupt erbaut wurde. Es stammt aus dem 12. Jahrhundert.

Draußen sind es zwei Grad, als wir aus dem Auto steigen und einen Moment der Stille genießen. Weit und breit kein Straßenlärm, nur Wasserrauschen und die Schreie der Wildvögel sind vom nahegelegenen Fluss zu hören.

Im stimmungsvollen Dämmerschlaf der Nachsaison bietet die Urlaubsregion Mecklenburg-Vorpommern ein perfektes Ambiente für Hundereisende, die Ruhe und Entspannung suchen.

Schäferhündin Fee genießt die Ruhe.

Schäferhündin Fee genießt die Ruhe.

Wir sind im Peenetal, das außer uns und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie in Rest-Deutschland keiner kennt (wir sehen es gerade auch zum ersten Mal). Und das obwohl es hier die viel zitierten „blühenden Landschaften“ (gut, vielleicht nicht so sehr im Winter) und jede Menge Natur gibt.

Deshalb wurde das Peenetal von den Ministern auch mit dem EDEN-Award ausgezeichnet und gilt nun als eines der „exzellentesten Reiseziele Europas“.

Es geht um Natur, darum mit ihr eins zu werden. Man sollte Romantik mögen, wenn man hier hin fährt. Und Biber (nicht Justin Bieber, sondern den Nager).

Biber beobachten und Seeadler bestaunen, das geht am besten mit einem Floß.

Die schwimmenden Bungalows mit Vollausstattung kann man beispielsweise bei „Abenteuer Flusslandschaft“ mieten.

Wir buchen uns direkt zwei Landschaftsführer mit dazu, damit´s mit der Natur auch wirklich klappt.

Per Floß über die Peene. Für Hailey vorsichtshalber mit Rettungsweste.

Per Floß über die Peene. Für Hailey vorsichtshalber mit Schwimmweste.

Bei 5 Grad Außentemperatur und Nieselregen steigen wir an der Werft in Anklam auf´s Boot. Zum Glück verfügt das Floß über einen Kamin, und versorgt uns im Inneren mit wohliger Wärme.Auf dem Esstisch steht schon heißer Kaffee bereit. Solche Landschaftsführer sollte man öfter mal mieten können, Carsten und Frank sind wirklich praktisch.

Ein wenig skeptisch war ich allerdings schon, was die Hunde betrifft. Na ja, nicht nur wegen den Vierbeinern, muss ich zugeben. Auch was mich selbst angeht.

Schließlich waren weder ich noch Samy oder Hailey je auf einem Floß!

Mir wird schon übel, wenn ich Schiffe im Fernsehen sehe!

Zum Glück ist das heute nicht so. Kapitän Frank kann mich beruhigen: Zwar ist die Peene kein „Flüsschen“, sondern ein ausgewachsener Fluss. Trotzdem sind keinerlei Wellen zu spüren.

Während meine Kollegin Christina mit ihrer Schäferhündin schon „an Deck“ ist, mache ich es mir mit Samy und Hailey auf dem Sofa vor dem Kamin gemütlich.

Das wird Hailey dann aber schnell zu langweilig. Die Australian Shepherd Hündin möchte herausfinden, welche Tierarten es auf der Peene zu sehen gibt.

Damit kennt sich unser Guide Carsten am besten aus: „Fast das gesamte Peenetal ist europäisches Vogelschutzgebiet. Hier brüten allein drei Adler- und drei Seeschwalbenarten.

Schaut mal dort!“ Als er nach rechts zeigt, durchschneiden im gleichen Moment zwei Seeadler mit ihren majestätischen Schwingen die winterliche Luft. Was für ein Anblick!

Nach drei Stunden Abenteuer Flusslandschaft geht’s zurück zum Hotel. Von Anklam bis in das kleine Dorf Stolpe sind es ungefähr zehn Kilometer.

Rings um das Hauptgebäude von Gutshaus Stolpe herum, befinden sich restaurierte Gebäude wie der Pferdestall (hinten im Bild), der heute für Feierlichkeiten genutzt wird.

Rings um das Hauptgebäude von Gutshaus Stolpe herum, befinden sich restaurierte Gebäude wie der Pferdestall (hinten im Bild), der heute für Feierlichkeiten genutzt wird.

Als wir das Gelände des gleichnamigen Gutshauses erreichen, passieren wir zunächst eine Allee mit Pflastersteinen und alten Bäumen.

Das Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert ist heute wieder Luxus pur, es wurde liebevoll restauriert und mit zahlreichen Antiquitäten ausgestattet.

Auf unseren Zimmern stehen schon Hundedecken bereit. Hailey und Samy denken allerdings gar nicht daran, sich hinzulegen.

Ruhe hatten sie auf dem Floß genug. Schnell die Terrassentür auf und ab in den Garten. Offenbar hatte Fee die gleiche Idee.

Was ist denn jetzt los? Erst heißt es in Udo Lindenberg-Manier „Keine Panik“ und „Alles easy“ und dann rasen wir wie die Wahnsinnigen mit unserem Geländewagen hinter unserem nächsten Landschaftsführer Günther her.

Wie ist der Mann denn drauf?! Brettert mit seinem Familien-Opel quer durch die Landschaft. Ganz schön verrückt, die Ökos.

Günther Hoffmann ist Natur- und Landschaftsführer und am liebsten täglich vier bis fünf Stunden mit Eurasier Diwan in der Natur unterwegs.

Günther Hoffmann ist Natur- und Landschaftsführer und am liebsten täglich vier bis fünf Stunden mit Eurasier Diwan in der Natur unterwegs.

Günther kommt eigentlich aus Bayern, auch wenn man das absolut nicht glauben will. Er wirkt gar nicht so rustikal. Wenn man mal von seinem Fahrstil absieht.

Nach zehn Kilometern hat Günther das Wandergebiet erreicht – und lässt erst mal seinen Eurasier Diwan aus dem Auto.

Oh je, ein anderer Rüde zwischen seinen Mädels? Davon wird Samy nicht begeistert sein! Und dann geht es auch schon los.

Als sich die beiden Rüden wieder beruhigt haben, machen wir uns auf den Weg ins Peenetalmoor.

„Wir machen jetzt eine zehn Kilometer lange Rundtour“, erklärt Günther. Erschrocken schauen Christina und ich uns an. Das kann er doch nicht ernst meinen! Doch Günther läuft schon die Treppen eines Aussichtsturms hinauf.

Eine Sturmflut hat in diesem Gebiet 1995 die alten Deiche zerstört. Seitdem wird aus der einstigen Kulturlandschaft wieder ein Refugium für Tiere und Pflanzen.
Nach einem Blick auf die weite Wasserfläche des Peenestroms starten wir Rundkurs, der uns an den beeindruckenden Spuren zahlreicher Biber vorüber führt.

Fee hat die Spuren der Biber entdeckt, die sich im Winter von Holz ernähren.

Fee hat die Spuren der Biber entdeckt, die sich im Winter von Holz ernähren.

In den abgestorbenen Bäumen nisten zu Tausenden Kormorane. Silberreiher und Seeadler sind in diesem Rückzugsort der Natur zu Hause. „Im Frühjahr und Herbst rasten hier unzählige Zugvögel wie Kraniche, Grau- und Saatgänse sowie Blessgänse“, erzählt Günther stolz, „im Winter geben sich nordische Tauchenten wie zum Beispiel der Gänsesäger ein Stelldichein. Ich kann mich hier stundenlang aufhalten!“

Günther hat den Adler-Blick: In etlichen Metern Entfernung entdeckt er einen Adlerhorst und bringt sofort sein Fernrohr in Position. „Schaut mal durch!“, grinst er und freut sich, uns die Behausung der Tiere präsentieren zu können. Ich bin sicher, Günther könnte ewig weiter philosophieren über die Natur im Allgemeinen und über das Peenetal im Besonderen. Doch dann fallen die ersten Regentropfen.

Nach der anstrengenden Tour gibt´s erst mal Wasser und eine Kleinigkeit zu fressen für Hailey.

Nach der anstrengenden Tour gibt´s erst mal Wasser und eine Kleinigkeit zu fressen für Hailey.

Und jetzt bitte ein Leckerchen!

Und jetzt bitte ein Leckerchen!

Nach der "Regen"-Wanderung trägt Hailey gerne ihren Hunde-Bademantel.

Nach der „Regen“-Wanderung trägt Hailey gerne ihren Hunde-Bademantel.

Das Hotel mit dreckigen Pfoten zu betreten, wäre keine gute Idee...

Das Hotel mit dreckigen Pfoten zu betreten, wäre keine gute Idee…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schade eigentlich. Die Natur hier ist wirklich sehenswert. Trotzdem freuen wir uns jetzt auf eine heiße Tasse Tee im Kaminzimmer des Hotels.

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Kommentare

  1. wauzifreund meint:

    Sehr schön geschrieben, wir waren im Juni in Waren und haben mit unseren beiden Bearded Collie´s
    auch nur positive Erfahrungen gemacht. Wir haben auch Bootstouren, Adlersafari, Kutschfahrt und Wanderungen gemacht und nur nette Leute getroffen.

    • Manuela Lieflaender meint:

      Vielen Dank für das Kompliment! Eine Kutschfahrt mit Hund – das wollten wir auf Darß auch mal machen. War aber leider nicht gestattet. Daher bin ich dankbar für den Hinweis, dass es in anderen Regionen diese Möglichkeit gibt. Gibt es weitere Reiseziele mit Hund, die Sie empfehlen können? Hundenette Grüße Manuela

      • FYLGJA meint:

        Hallo Manuela,

        ich weiss ja nicht, wo auf dem Darss Sie Kutsche fahren wollten? In Prerow ist es jedenfalls kein Problem. Wir hatten unsere Labbihündin schon mit auf einer Kutschtour zum Leuchtturm Darßer Ort vor zwei Jahren, war überhaupt kein Problem! Allerdings ist sie auch sehr ruhig und kennt Kutschefahren von zuhause.

        Gruß, A. Christoph

        • Manuela Lieflaender meint:

          Hallo!

          Stimmt, in Prerow war das! Allerdings hatten wir nur die Info bekommen, dass das nicht gehen würde. Den Kutscher selbst fragten wir nicht. Hätten wir offenbar tun sollen. Vielen Dank! Sicherlich ein tolles Fotomotiv!

  2. Sapere Aude meint:

    Biber fressen kein Holz, schon gar nicht Totholz.
    Für den Winter legt er Vorräte an, die zu Teilen auch aus Rinden von ihm bevorzugter Weichhölzer bestehen.
    Als Autokoprophage frisst er seine eigenen Ausscheidungen zur besseren Nahrungsverwertung.

    Mut zur Recherche, Frau Liefländer. Tut auch gar nicht weh.

    • Peenebiber meint:

      Was ist ein Vorrat, der zu Teilen auch aus Rinden von Weichhölzern besteht?
      Diese Rinde befindet sich meist an Ästen und Zweigen, welche nicht mehr mit dem Baum verbunden sind. Ist dieses Holz nun noch lebendig?
      Auch ohne tiefgründige Recherche würde ich diesen Vorrat als Holz bezeichnen und davon frisst der Biber im Winter…
      So einfach und schön lebt es sich an der Peene.

      Herzlich grüßt der Peenebiber :-=)

  3. Sehr gut geschrieben! Wir sind immer auf der Suche nach tollen Naturschauplätzen 🙂

    Liebe Grüße

    Sarah mit Diego

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