Reisen mit Kind und Hund – und was „Tetris“ damit zu tun hat..

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Der nasse junge Labrador tobt fröhlich mit seinem Wasserspielzeug im Maul am sonnenbeschienenen Strand entlang, das Kleinkind mit süßem Sonnenmützchen auf den blonden Locken zeigt begeistert mit seinen Fingerchen auf den Junghund, während das gertenschlanke Elternpaar verzückt das Szenario beobachtet. So und nicht anders ist er: Der Familienurlaub mit Kind und Hund – jedenfalls im Werbeprospekt.

In der Realität macht eine solche Idylle den kleineren Teil eines Urlaubs in dieser Zusammensetzung aus. Bereits in der Planungsphase ist so einiges anders als bei Familien ohne Hund. Letztere können zwischen zahlreichen kinderfreundlichen Familienressorts, Hotels oder Appartements wählen. Diese Optionen scheiden für Hundefamilien bereits im Vorfeld aus. Schauen die Urlaubswilligen andersherum gezielt nach hundefreundlichen Reisezielen, so sind jene Destinationen oftmals  für Kleinkinder nicht geeignet.

Klein fliegt gut

Was den Reiseradius zusätzlich einschränkt, ist der Wegfall von Flugreisen, wenn dem Hund nicht unnötig große Strapazen zugemutet werden sollen. Kleinkind hingegen ist durchaus Flug-kompatibel; vorausgesetzt es ist noch seeeehr klein. Also ungefähr bis zu dem Zeitpunkt, von dem an es laufen kann und seine „Hallo, Welt, hier kommt Dein Entdecker!“- Phasen immer länger werden. Dann nämlich müssen die Eltern nicht nur den Anforderungen einer 24- Stunden- Security entsprechen, sie müssen auch mindestens ebenso ausdauernde Entertainerqualitäten entwickeln, wenn der Flug nicht zur nervenaufreibenden Belastungsprobe für alle Mitreisenden, inklusive Bordpersonal, werden soll – potenziert um die Sorge, ob der im Frachtraum sitzende Hund weder völlig traumatisiert noch tiefgefroren aus dem Flieger gerollt wird.

Hunde und Katzen, die bis zu sechs oder acht Kilo inklusive Transportbehälter auf die Waage bringen (Airline-abhängig, unbedingt vorher erfragen!), dürfen übrigens mit in die Fluggastkabine. Voraussetzung außerdem: Das Tier muss vorher angemeldet worden und in einer verschließbaren Box untergebracht sein, welche die Maße 55 cm x 40 cm x 23 cm nicht überschreiten darf und zusätzlich flüssigkeitsundurchlässig sowie bissfest ist.

Tipp: Ähnlich wie beim Menschen kann das Kauen von kleinen Snacks den Druckausgleich im Innenohr bei Start und Landung erleichtern – außerdem lenkt es ab.

Wenn´s mal wieder länger dauert…

Reisen mit dem Zug fällt komplett aus: Reisezeiten und Gepäckschlepperei sowie dessen Bewachung gepaart mit Umsteigen, Verspätungen, mangelnder Klimatisierung und mitreisenden Hundephobikern sind sehr wahrscheinliche Begleitumstände, die nicht mal der größte Bahn-Fan seiner kompletten Familie zumuten möchte.

Gut gepackt ist fast schon da

Hund im Kofferraum - c: Gina DoormannDie Reise wird also mit dem Auto angetreten, sobald endlich ein für alle Ansprüche passendes Urlaubsziel gefunden wurde. Und dieser Entschluss stellt die reisefreudige Familie vor die nächsten, nennen wir sie „besonderen“  Herausforderungen: Familien, die keinen Hund haben, stöhnen oftmals über den knappen Stauraum im Auto – Familien mit Hund überlegen, wie sie an den Mannschaftsbus des örtlichen Fussballvereins heran kommen…

Da dies für die wenigsten Urlauber eine reelle Alternative ist, heißt´s, eine ausgeklügelte Einpack- und Weglass-Strategie zu entwickeln. Im Businesssprech nennen sie das „Prioritäten setzen“.

Gehen wir von einem durchschnittlich großen Hund aus, beispielsweise einem Labrador (wir erinnern uns an den Werbeprospekt), beansprucht dieser Hund bereits reichlich Platz im Kofferraum, auch, wenn schweren Herzens die Transportbox zu Hause gelassen wird, um Stauraum zu sparen. Neben dem üblichen Urlaubsgepäck, Buggy, Windelvorrat, Proviant und sperrigem Strandspielzeug müssen Körbchen, Näpfe, Futtervorrat und Hundespielzeug ebenfalls Platz finden. Und der Hund. Wer früher auf dem Gameboy gern „Tetris“ gespielt hat, fühlt sich an Stunden und Nerven kostende Highscore-Knacker-Zeiten erinnert.

Das letzte Gepäckstück ist endlich verstaut, Hund neben dem Kindersitz auf der Rücksitzbank gelandet, da startet das mittlerweile wegen des Mangels an elterlicher Aufmerksamkeit übelst gelaunte Kleinkind einen akustischen Großangriff auf die Lauschlappen seiner Sorgeberechtigten – mit einem ausdrucksstarken Kreischkonzert. Die Reise kann beginnen.

Ach ja: Es bleibt zu hoffen, dass die Familie in der aufwändigen Planungsphase nicht vergessen hat, den Impfausweis des Familien-Labradors zu überprüfen, sonst könnte eine Ferienreise ins benachbarte Ausland spätestens bei der nächsten Grenzkontrolle frühzeitig ihr Ende finden. Auch alle anderen „Kleinigkeiten“ auf der Hundepack-Liste wurden hoffentlich bedacht.

Wer rastet, kann nicht rosten!

Die Reisestrecke beträgt in diesem Beispiel vielleicht vierhundert Kilometer, bis hoch an die Küste. Und da Eltern mit Kind im Auto eher darauf verzichten, auf der Autobahn Gaspedal und linke Spur auszureizen, wird es eine lange Fahrt, Raststättenbesuche sind demnach obligatorisch. Wer sich nun vorstellt, dass bei einem Halt alle fröhlich aussteigen, der Familienhund sich die Pfoten vertritt und sein Geschäft verrichtet, jeder etwas isst, um dann gestärkt und gut gelaunt die Reise fortzusetzen, liegt komplett daneben.

Direkt nach dem Ausschalten des Motors ist ein wimmerndes Stimmchen vom Kindersitz zu vernehmen, übergehend in alarmierende Würgegeräusche. Ein unschönes Wiedersehen mit dem kurz zuvor einverleibten Frühstücksbrötchen steht unmittelbar bevor. Der – mangels Platz im Kofferaum – daneben liegende Hund signalisiert deutlich, dass er sich nur zu gern der umgehenden Beseitigung dieser „Delikatesse“ annehmen würde, und muss nun unter Anwendung aller Verrenkungsmöglichkeiten des menschlichen Körpers davon abgehalten werden, seine „pool position“ auszunutzen. Herrchen hat währenddessen die Raststätte zu stürmen, um einen großen Stapel Papiertücher zu organisieren, während Frauchen, eine Hand sichernd am Hundehalsband und eine tröstend auf dem Kinderkopf, in dem sich aufwärmenden Auto die Stellung hält – immer noch seltsam verrenkt, halb knieend in Richtung Rücksitzbank vornüber gebeugt zwischen den Vordersitzen eingeklemmt. Gedreht und gewendet; irgendwie muss es ja passen.. wie bei „Tetris“. Mit dem Fehlen einer wichtigen Funktion: „Restart“ is nich.

Nach Kind- und Fahrzeugreinigung freuen sich alle Familienmitglieder umso mehr auf eine gemeinsame Erholungspause im klimatisierten Autobahnrestaurant. Doch daraus wird nichts: „Für Hunde verboten“ signalisiert das Schild am Eingang. Die Außentemperaturen aber lassen es nicht zu, den Hund wieder ins Auto zu verfrachten. Also gibt es ein Parkplatz-Picknick zwischen geöffneten Autotüren und Bordsteinkante. Balanceakt mit Leine- umwickelter Hand, an der ein Hund hängt, und der anderen Hand, die wahlweise das Kleinkind füttert und festhält, beziehungsweise ein Getränk jongliert, während der andere Zweibeiner vor der WC-Tür Schlange steht. Anschließend übernimmt der dann den Part des Hund- und Kinddompteurs, während nun Mama zum „Örtchen“ spurtet. Irgendwie ist das alles nicht annähernd so idyllisch und erholsam, wie noch bei Anfahrt auf die Raststätte erhofft…

Angekommen, alles gut

Doch dann, endlich am Urlaubsziel angelangt, sind die Erlebnisse der Fahrt eben genau das: erheiternde Begebenheiten, die von nun an zum Erinnerungsschatz der Familie gehören werden. Der nahe Strand ist für Hunde erlaubt und die folgenden Tage ähneln – von klebrigen Sandfingern, Sonnenbrand und mehreren Zecken im Fellkleid des Vierbeiners  einmal abgesehen – doch sehr dem Bild der Familie aus dem Werbeprospekt.

Und es bliebe sogar Zeit für eine Runde „Tetris“, wenn das Smartphone nicht wohlweislich ausgeschaltet wäre.

 (gd)

 

Kommentare

  1. Ines Gaa meint:

    Reisen mit Kind und Hund – welch ein genialer Bericht! Herrlich auf den Punkt gebracht. Selten so gelacht!! Da für uns Süddeutsche die Nordsee etwas weiter entfernt ist, ist mein Urlaubstipp übrigens Frankreich: die Rastplätze dort sind in der überwiegenden Mehrheit kein Vergleich zu den Betonpisten in Deutschland und sogar für Hunde ein Vergnügen!
    Liebe Grüße

  2. Wir sind früher auch oft mit Hund und Kind gereist und haben dabei ganz Deutschland gesehen. Sehr empfehlenswert!

  3. Hihi. Ja als Familie kennt man das, dass Auto kann noch so groß sein will man mal verreisen fragt man sich wo der ganze Platz hin ist.

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