Sommerschur – mehr Schaden als Nutzen!

sommerschur-fellschäden.jpg

Kaum steigen die Temperaturen an, sieht man sie wieder zunehmend im Straßenbild: Geschorene Hunde – teilweise kahl bis auf die Haut. „Weil er sonst so schwitzt“ oder „Damit Luft an seine Haut kommt“ lauten die häufigsten Erklärungen der ahnungslosen Halter. Dass sie mit dem Radikalschnitt ihrem Hund mehr schaden als helfen, ist ihnen nämlich nicht bekannt.

Was für Unterfell-lose Rassen wie Yorkshire-Terrier, Malteser oder Pudel noch kein gravierendes gesundheitliches Problem darstellen mag, ist für die Fellschnauzen mit Deck- und Unterhaar oft der Beginn einer elendigen Tragödie. Alle Jahre wieder werden immer mehr Vierbeiner zur „Sommerschur“ in den Frisörsalon expediert. „Einmal alles ab!“ lautet die Ansage der Besitzer.
alopezie-supplinger.jpgBestärkt in ihrer Entscheidung durch ebenfalls unwissende oder konfliktscheue Hundefrisöre, ist die alljährlich zunehmende Prozedur des Kurz- oder sogar Kahlscherens mittlerweile Hauptursache für die sogenannte „Clipper Alopezie“: Haarausfall und dauerhafte Schädigung des Deckhaares. alopezie-vanessa-padron.jpgUnzählige haarlose „Flecken“ oder nur mit vereinzelten Deckhaarbüscheln durchsetzte Unterwolle-Areale überziehen dann den Hundekörper. Verursacht durch die von Sonnenbrand verletzten Kapillaren (kleinste Blutgefäße, die die Hautschichten durchziehen), die unter der Hitzebestrahlung wie bei einer Verödung regelrecht zusammen „schmelzen“ und somit die Versorgung der Haarwurzeln in den oberen Hautschichten des Hundes nicht mehr leisten können. Die Folge: Das Fell wächst nur noch stellenweise oder gar nicht mehr nach. Der Hund ist seines natürlichen Witterungsschutzes beraubt – sommers wie winters!

alopezie-karen-blakeley.jpgAuch häufiges extremes Haarkürzen bei Rassen mit sehr langsam wachsendem Deckhaar hat zur Folge, dass die Unterwolle sehr viel schneller nachwächst und den Wuchs des Deckhaars zusätzlich behindert. Unabhängig davon, dass der einzelne Hund dadurch sein rassetypisches Aussehen verliert und stumpfes, wie Wollfilz anmutendes und Flüssigkeit aufnehmendes statt abweisendes Haar seinen Körper bedeckt, kann es zum Beispiel für Neufundländer und Landseer bedeuten, dass ihnen außerdem der natürliche Hautschutz für ihre rassetypischen Wasseraktivitäten fehlt. Das gilt auch für die Wasser liebenden Hunderassen wie Golden Retriever, Labrador und Spaniel.

So sieht´s aus:

fellpflege-sommerschur3.jpg

Warum der Trend zur Sommerschur?

Da Hunde nicht über die Haut schwitzen wie ihre besorgten Halter, müssen sie den Hitzeausgleich über Hecheln, Flüssigkeitsaufnahme und das Aufsuchen schattiger Flächen erreichen.
Viele Hundehalter reagieren nervös und beunruhigt auf das vermeintlich übermäßige Hecheln ihrer geliebten Vierbeiner, sobald das Thermometer sommerliches Wetter verheißt. Dass ihre Hunde auch in der kühleren Jahreszeit vergleichsweise viel und intensiv hecheln, wenn sie über den Agilityplatz sprinten, am Rad laufen, Trailen, Apportieren oder einfach nur mit Artgenossen toben, wird von den Zweibeinern nicht annähernd mit der selben Besorgnis zur Kenntnis genommen. Das Abscheren des Fells – wie vielleicht auch parallel zum eigenen Sommerschnitt – scheint ihnen eine sinnvolle Maßnahme, um ihrem Hund die gewünschte Linderung zu verschaffen. Dass sie ihrer Fellschnauze damit mehr schaden als helfen, ist den wenigsten Haltern bewusst.

Ausziehen- JA, nackig machen- NEIN!

Fellpflege-Sommer-richtig.jpgIm Prinzip hat die Natur schon für die richtige Fellbeschaffenheit zu den einzelnen Jahreszeiten gesorgt. Die Fellwechsel zum Frühjahr und zum Spätherbst müssen nur noch durch die richtigen Maßnahmen unterstützt werden:

Auflockern und Ausdünnen der Unterwolle zum Frühjahr; Anregung des neuerlichen Unterwollewuchses durch regelmäßiges, durchblutungsförderndes Striegeln und Kämmen zur kälteren Jahreszeit.

Die regelmäßige, der natürlichen Fellbeschaffenheit entsprechende Pflege ist ebenfalls eine wichtige Voraussetzung, den saisonal bedingten Fellwechsel zu unterstützen.

Sommermatte? Kein Problem!

Bieten Sie Ihrem Fellkumpel einen Hundepool (das Kühlen der Pfoten reicht manchem Vierbeiner schon aus), schattige Plätzchen in Haus und Garten, keine Aktivitäten in der Mittagshitze, Gassirunden in den frühen Morgenstunden und in den kühleren Abendstunden, mögliche Badeeinheiten in See oder Bach inklusive. Nichtschwimmern verschafft man auch willkommene Abkühlung durch das zeitlich begrenzte Auflegen nasser Tücher (maximal 10 Minuten). Dazu bitte kein eiskaltes, sondern lauwarmes Wasser verwenden! Die Bereitstellung reichlich frischen, aber ebenfalls nicht sehr kalten Trinkwassers ist selbstverständlich, ab und zu ein Hundeeis erlaubt.

.. und der Sommer kann kommen!

(Fotos: E. Suppinger, V. Padron, K. Blakeley, Stock / Grafik: hund-unterwegs)

Artikel bewerten:
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
(166 Bewertungen, Durchschnitt: 4,08 von 5 Sternen)

Loading...

Kommentare

  1. Markus meint:

    Ich denke man sollte Hunde nicht bis auf die Haut scheren, so etwas habe ich aber auch noch nie wirklich gesehen.

    Früher hatten wir einen Wolfspitz. Der hat sich im Sommer bei 25 Grad kaum bewegt. Als wir den im Folgejahr zum Haarschnitt brachten tollte der Hund mit den anderen Hunden bei noch höheren Temparaturen auf der Hundewiese herum. Im Jahr darauf mit vollem Fell wieder nicht.

    Das gleiche Phänomen hatten wir dann bei unserem Eurasier. Da fand sich dann aber nach dem Friseur Besuch auch schnell eine Soziopathin, ebenfalls Eurasier Besitzerin, die Land und Leute verrückt gemacht hat, weil wir diesen wundervollen Hund um sein schönes Aussehen gebracht haben.
    Es sei nicht Artgerecht den Hund zu scheren. Es sei eine elitäre Rasse, die man nicht scheren dürfe.
    Dass da auch andere Rassen und Mischlinge geschoren auf der Wiese liefen hatte sie nicht interessiert, und spätestens da wird auch schnell klar um was es fanatisch motivierten Zuchtgemeinschaften in Wirklichkeit geht.

    Und wer hier Artgerecht als Motivation sieht einen Hund mit dickem Fell und Centimeter dicker Unterwolle nicht zu scheren sollte sich erst einmal fragen ob man überhaupt Hunde für Gegenden züchten sollte für die ihr Fell eigentlich nicht gemacht ist.
    Wir stehen natürlich selbst in der Verantwortung weil wir solche Hunde kaufen aber da ich den Hund nun mal habe will ich natürlich auch das Richtige machen. leider fehlt es an einer vernünftigen Studie. was ich oben im Artikel lese ist keine!

    Aber es ist ja auch sehr schwierig an der VDH unterstützten Lobby vorbei zu kommen, der es aus meiner Sicht schon längst um alles andere geht als um Tier- oder Artenschutz. Das ist genau so ein unglaubwürdiges Häufchen geworden wie der ADAC, nur murrt da keiner. Den Deutschen ist das Auto bislang heiliger als der Hund.
    Hoffentlich ändert sich das mal.

    .

  2. Monika meint:

    Ein sehr guter Artikel- ich habe 2 Elos, also Hunde mit Oberfell und Unterwolle und ich habe mir ernsthaft schon überlegt ob ich mir nicht ein Schild umhängen auf dem draufsteht:

    Nein die Hunde werden nicht geschoren-
    Sie Brauchen ihr Fell zum Schutz
    Ja sie Schwitzen, aber nur über Zuge ect…. und ein bischen über die Pfoten und ansonsten dürfen meine 2 im kühlen chillen ……..

    ich bin leben lang mit Hunde groß geworden und noch vor 15 Jahren wäre niemand auf die Idee gekommen Hunde zu scheren.
    Aber auch das sagt aus das viele Hunde heute Sozialparten oder Statussymbol sind und nicht mehr Hund sein dürfen.

  3. Andreas Nitschke meint:

    Eigentlich hat ein HUND in der Natur auch keinen Hundefrisör… Ich möchte eine Frage zu meinem Tibet Terrier stellen. Was kann ich macher; Sein Fell gerade im Bauchbereicht ist sehr verfilzt. Ob da ein Hundefrisör abhilfe schaffen kann. Desweiteren will ich Fragen ob eine Rasur um die Augen herum Sinn macht; Ich glaube manchesmal er läuft blind durch die Natur weil alles zugewachsen ist. Vielen dank im vorraus

    • Anonymous meint:

      Bauchbereich ist OK, um die Augen mit der Schere beischneiden,auf keinen fall mit der Maschiene..Ich habe einen Hundesalon!

  4. Ich meine: Das regelmäßige Stutzen des Fells bzw. der Haare des Hundes erleichtert die weitere Fellpflege enorm. Auch wenn sich der Hund zunächst ein wenig wehrt, kommt ihm die Schur letztlich zugute. Sollte sich der Hund im Sommer was einfangen, kleine Stiche etc., kann das bei kurzem Fell leichter entdeckt werden.

  5. Monika meint:

    Wer kann mir bitte Profibürsten für das Grooming empfehlen? Ich habe zwei Hunde mit längerem Fell und zwei Podencas mit kurzem Fell ohne Unterwolle.

  6. ich schere meine hunde und dadurch sind sie viel besser drauf, das merkt man sofort. verbrennen tut sich auch keiner, gelaufen wird im schattigen wald und im garten hat es auch schatten. das werde ich auch so beibehalten.

  7. Anonymous meint:

    Ich habe seit 30 Jahre einen Hundesalon und keiner meiner Kunden hatte jemahls einen Hund mit Sonnenbrand. Kein guter Hundefrisör würde einem Hund im Sommer das Haar bis auf die Haut kürzen. Es sei denn es ist notwendig,. Wenn der Filz bis auf der Haut ist , giebt es keine andere möglichkeit..

  8. Corinna meint:

    Beim Lesen des Artikels möchte man den Eindruck gewinnen, dass es scheren ODER bürsten heißt.
    Das Scheren ersetzt nicht das Bürsten. Die alte (und jetzt kurze) Unterwolle muss raus,- keine Frage.
    Vielleicht muss ich den Geschworenen sogar etwas häufiger bürsten, damiut sich nicht direkt wieder ne Filzmatte bildet, doch das ist ja nicht schwer.
    Und glaubt hier wirklich wer, dass die Schäfer, die einen langhaarigen Hund führen, ihre Zeit mit bürsten vertüddeln? Da kommen die Wauwis zusammen mit den Schafen zum Scheren und fertig.

Ihre Meinung ist uns wichtig