Phänomen Überbeschäftigung – Wie viel Entertainment braucht ein Hund?

hund-überbeschäftigung.jpgIn Foren und Leserbriefen einschlägiger Hundemedien häufen sich mittlerweile die Meldungen und Bitten um Rat und Hilfe von Hundehaltern, deren Vierbeiner „komplett überdrehen“, völlig hibbelig seien und auch schon mal ganze Wohnungseinrichtungen zerlegen. Woran liegt´s?

Schnell ist von „nicht ausreichender körperlicher und geistiger Beschäftigung“ die Rede. Und es hagelt gut gemeinte Trainings- und Übungskursempfehlungen. Statt der Ursache für das hektische Verhalten des keineswegs vernachlässigten Vierbeiners auf den Grund zu gehen, werden also von den Ratsuchenden immer neue Beschäftigungstipps wahllos und immer wieder wechselnd ausprobiert. Die Outdoor-Runden verlängert, die Schlagzahl beim Dummytraining erhöht, das heimische Hundespielzeugangebot aufgerüstet. Mit mäßigem bis gar keinem Erfolg. Hund bleibt unruhig und wird immer fordernder. Und die wachsende Verzweiflung der bemühten Halter ist in jedem neuen Posting, jedem weiteren Leserkommentar deutlich erkennbar.

Vermehrt wird neuerdings auch auf „Beobachtungen in den USA“ hingewiesen, wonach die hyperaktiven und manisch wirkenden Abrissbirnen auf vier Beinen „vermutlich“ an ADHS leiden, was man aber „vergleichbar wie beim Menschen“ medikamentös sehr gut behandeln könne. Ritalin für Hunde? Chemischer Plattmacher für Frust-Labi und Anarcho-Aussie? Spätestens an dieser Stelle beginnen bei den meisten Lesern die inneren Alarmanlagen zu schrillen. Zu Recht.

Zeit zum Innehalten und Überlegen

Wann und wie hat es angefangen? Bei uns Menschen läuft es nicht selten folgender Maßen ab: Bevor der neue Zweibeiner das Licht der Welt erblickt, ist der Baby-Schwimmkurs schon gebucht und die Kindergartenanmeldung bereits abgegeben. Der Kugelbauch wird mit Klassik beschallt, obwohl Mama eigentlich auf Heavy Metal steht und bei Brahms oder Chopin ein starkes Unwohlsein entwickelt (was wiederum das im Wortsinne mitfühlende Ungeborene auf die Verknüpfung „Klassik = Erbrechen“ konditioniert). Eine vergleichbare „Intelligenzförderung“ bleibt dem Hundebaby, Züchter sei Dank, erspart. Doch ähnlicher wird es bei der nachgeburtlichen „Frühförderung“: Während Minimenschlein schon Englischunterricht erhält, bevor es in seiner Muttersprache „dada“ sagen kann, ist auch für den noch gar nicht eingetroffenen Fellzwerg jeder Wochentag perfekt durchgetaktet – von den Terminen in der Welpenspielgruppe über das Leinentraining bis hin zum eigenen Agility-Parcours im Garten und dem angelesenen „Clickern von Anfang an“ sowie dem zweimal wöchentlich stattfindenden „Trailen für Early Beginners“.
Und nicht nur Jungjagdhunde wie Weimaraner, Labrador Retriever oder Magyar Vizsla sitzen damit von Tag 1 an, gemeinsam mit ihren übermotivierten Haltern, in der Turbo- Beschäftigungsfalle. Auch sehr aktive Hütehundminis mit eher niedriger Frustrationsschwelle hetzen vermehrt von einem „Schneller, Höher, Weiter“- Welpentermin zum nächsten. Australian Shepherd, Border Collie und Co. werden geclickert, klettern, hüpfen, springen, fangen – immer mehr, mehr, mehr. Bewegungsreize im Übermaß. Sitz, Fuß, Platz. Platzen? Höchstens vor ständig steigender Aktivität. Platz zum Großwerden, hündisches Rumdösen, neugierig durch die größer werdende Hundewelt tapsen, Spontannickerchen? Keine Zeit, keine Zeit.

Es ist zum Verrücktwerden

Angestachelt von den rasant zunehmenden Heerscharen selbst ernannter Hundefachleute und in dem Bestreben, „existenzielle“ Bedürfnisse ihres Hundes in Form von allen möglichen Aktivitätsangeboten zu erfüllen, übersehen Frauchen und Herrchen, dass der Umgang mit normalen Situationen des üblichen Familienalltags zunächst völlig ausreichende Herausforderungen für die kleine Fellnase bietet. Doch gedrängt vom eigenen Anspruch, ein vorbildlicher Hundehalter zu sein, sorgt der Zweibeiner für einen regelrechten Beschäftigungsmarathon, der sowohl Mensch wie auch Tier ständig volle Aufmerksamkeit und höchste Konzentration abfordert. Natürlich werden noch fix die aktuellen Kombi-Hundesportkreationen in das „dringend empfohlene“ Welpen- Förderprogramm aufgenommen. Die Folge: Verzweifelte Hundehalter, die von befellten Nervenbündeln berichten, deren kaum noch oder gar nicht mehr vorhandene Frustrationstoleranz auch ihre bemühten Menschen zunehmend in den Wahnsinn treibt.

„Mein Hund kommt überhaupt nicht zur Ruhe!“ lautet eine der am häufigsten verwendeten Formulierungen. Was Wunder – er hat ja auch nie Zeit dazu. Obwohl er es könnte, wenn man ihn erst einmal gelassen hätte. In Ruhe gelassen hätte! Denn Fressen, Saufen, Verdauen, Toben und ausgiebiges Abhängen gehören eigentlich zum gut ausgewogenen Starterprogramm, mit dem Minihund seinen Weg ins Leben antritt. Herausgerissen aus diesem entspannten Laisser- faire- Modus und mit immer neuen Bewegungsreizen konfrontiert, werden die vierbeinigen Neuankömmlinge zu schnell überdrehenden und stressanfälligen Hektikern, die teilweise sogar verstärkt aggressiv nach permanenter Beschäftigung verlangen.

Abschalten und aushalten

Hat der Zweibeiner erst einmal akzeptiert, dass seine gut gemeinten Aktivitäten ursächlich für das beklagte Verhalten seines notorischen „Hans Dampf“ sind, ist schon ein großer Schritt in Richtung Besserung getan. Ab sofort wird das Programm auf maximal einen festen Kurstermin pro Woche eingekürzt. Zuhause gibt es keine hektischen Dauerzerr- und Wurfspiele mehr, sondern gemütliches Beisammensein. Auch Leckerchen-befülltes Kullerspielzeug ist tabu. (Abgesehen von der wieder mit Hektik verbundenen Futtersuche, will man ja grundsätzlich vermeiden, dass Hund ständig den Boden – drinnen wie draußen – nach Fressbarem absucht und womöglich auch weniger Bekömmliches aufnimmt.)

Die eigentliche Herausforderung besteht darin, dem schnell hochjazzenden Vierbeiner nicht nur zusätzlich tägliche Ruheeinheiten „ohne alles“ zu verordnen, sondern dafür Sorge zu tragen, dass diese auch konsequent eingehalten werden: Morgenspaziergang und Fütterung absolviert? Dann ab ins Körbchen, hinter das Welpengitter oder in den Softkennel und mindestens eine Stunde Nichtstun. Gejieper und Gejaule konsequent ignorieren. Nötigenfalls mit Ohrenstöpseln aussitzen, aber den Hund nicht im Raum allein lassen, schließlich soll dieser in Gegenwart seines Menschen zur Ruhe kommen und dessen Nichtreaktion annehmen lernen. „Ich, dein Mensch, bin da, aber ich spring nicht gleich auf, nur, weil du das jetzt so willst.“

(Eigenheimbesitzer sind bei diesen Übungseinheiten natürlich klar im Vorteil, während der mietende Hundehalter schon mal um das bis dato gute Verhältnis zu seinen Mitmietern oder gar seinen Vertrag bangen muss, wenn Minihauswolf lautstark protestierend gegen die ungewohnte Nichtbeachtung aufbegehrt. Tipp: Entspannungstraining in eine Ferienwohnung im ländlichen Nirgendwo verlegen.)

Der Mensch muss noch weitere Ruhezeiten pro Tag festlegen, die dem Aktivitätsrhythmus der Familie entsprechen – und nicht umgekehrt das Zweibeinerleben auf jede noch so kleine Gefühlsregung des Fellterroristen ausrichten. Denn dieser muss kapieren: „Wenn ich penne, verpasse ich nichts. Man wird mir schon sagen, wenn´s für mich ist.“
So erstaunlich schnell es bei konsequenter Einhaltung der neuen Ruhezeiten zu einer positiven Verhaltensänderung kommen kann, so ein langer und ausdauernder Kampf kann es bei dem einen oder anderen besonders dickköpfigen Kandidaten werden. Es gibt nur eine Regel: Wer nachgibt, hat verloren! Hol den heulenden, jaulenden oder jämmerlich fiependen Fellzwerg aus seiner Ruheecke (Körbchen, Welpengehege, Kennel oder Softbox) und Du kannst gleich wieder von vorn anfangen. Wer hingegen tapfer durchhält, wird belohnt.

Wir drücken die Daumen all jenen, die jetzt ein paar Gänge runter schalten müssen, damit sie endlich ein rundum entspanntes Mensch-Hund-Team werden.

Hundeglück

Allen Neu-Welpenbesitzern sei gesagt: Lasst es ruhig angehen. Viele Hunderassen sind erst mit drei Jahren in Fell und vor allem im Knochengebäude vollständig entwickelt. Stundenlange Gebirgsmärsche oder Am-Rad-Laufen von Junghunden führen nicht selten zu Gelenk- und Wirbelbelastungen und damit verbundenen Fehlentwicklungen, die dem ausgewachsenen Hund erhebliche Probleme bereiten können.
Gebt Euch und dem Fellzwerg gut ein Jahr, um Euch und Euer Leben kennen zu lernen. Findet in Ruhe heraus, woran Minihund Spaß hat, und hört Euch dann um, welches Sportangebot passend sein könnte. Beobachtet Euren Vierbeiner, wie er seiner Umwelt begegnet und seine Sozialkontakte knüpft und festigt. Natürlich soll er nicht seine Ausrüstung zerkauen und mit sechs Monaten kann er schon Grundkommandos wie „Sitz“, „Fuß“ und „Komm“ ausführen. Spielzeug darf selbstverständlich auch sein.
Tipp: Kiste mit Hundespielzeug einrichten. Nicht alles auf einmal anbieten, sondern immer mal wieder durchtauschen. So gibt es kein Stress auslösendes Überangebot.

Vor allem: Lasst Euch nicht verrückt machen! Weder vom Hund noch von wohlmeinenden Mitbürgern, die der Meinung sind, „nur Spazierengehen“ käme einer Vernachlässigung gleich. Nur keinen Stress! Der Pfotenzwerg hat nämlich schon genug zu tun: Er wächst. In seine Felljacke hinein und in Euer gemeinsames Leben. Alles braucht seine Zeit. Zeit für Euch und einen Hund im Glück.

——————-

..und so gelingt der Start für das neue Mensch-Hund-Team: „Willkommen, Fellzwerg! – Ein Welpe kommt ins Haus“

Artikel bewerten:
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
(93 Bewertungen, Durchschnitt: 4,42 von 5 Sternen)

Loading...

Kommentare

  1. Stefan meint:

    Toller Artikel,
    aber ein Phänomen ist Überbeschäftigung nicht sondern ein von diversen Medien sprich Hunde(online)-Zeitschriften forciertes Ergebnis, vor dem ich seit Jahren warne. Selbst „anerkannte“ Hundetrainer kennen nicht den Unterschied zwischen „zur Ruhe kommen“ und „zur Ruhe konditionieren“. Züchter tun ihr übriges mit pauschalen Aussagen zum Thema „Auslastung“ und Beschäftigung.
    Wen wundert es also ? Mich jedenfalls nicht.
    LG Stefan

  2. nonindian meint:

    guter Artikel…
    der Primärgrund überdrehter Hunde beruht meiner Erfahrung nach darin, das „Hundebesitzer“ sich Arbeitshunde wie Hüte- und Jagdhunde „kaufen“ und dann, nach 8 Stunden Nachtruhe, für weitere 10 Stunden in der Wohnung in regelrechter Isolationshaft wegsperren u sich selbst überlassen.

    „Hundehalter“ bieten ihrem Hund ein „rassespezifisches, annähernd artgerechtes Leben !!!

  3. Anja Grub-Krieger meint:

    Genialer Bericht!!!
    Ich selbst bin Besitzerin von 4 Australian Shepherd und hatte in diesem Jahr meinen 1. eigenen Wurf! Leider kenne ich das Phänomän „Hunde mit ADHS“ aus meinem Bekanntenkreis. Schrecklich, wenn man miterlebt, welchen Terminkalender die Welpen/ Junghunde haben….
    Klar gehe ich mit meinem Zwerg auch in die Junghundestunde, damit sie auch mal mit gleichaltrigen toben kann, aber ansonsten ist viel Ruhe angesagt!
    Mit meinen Junghunden mache im 1. Lebensjahr „nur“ Unterordnung und „Kenneltraining“.
    Möchte doch auch nach 1 Jahr mit meinem Partner Hund Neues entdecken können!
    Für einen Zwerg bis 12 Monate reicht es vollkommen aus, korrekt an der Leine zu laufen und die Kommandos: Sitz, Platz, Bleib & Komm zu beherrschen!
    Den Kennel (ob im Auto, im Zelt oder im Vereinsheim) nehme ich für die Auszeit. Meine Hunde lernen sich im Kennel zu entspannen. Es ist ihr persönlicher Ruhepol – ihre Insel.
    Denn, wenn ich sie aus diesem hole, brauche ich sie (zum Training oder auf dem Turnier) zu mind. 100%!!!
    Es ist keine Kunst einen Aussie in 3 Milli-Sekunden auf 300 zu bekommen und zu überdrehen – ihn aber in 1 Sekunde zur Ruhe zu bekommen – dass ist die Kunst!!!!

  4. Manfred Wolff meint:

    Ich finde den Artikel sehr gut. Vielleicht 3 knappe Ergänzungen (Näheres auf Anfrage)
    1. Auch während noch so „aufregendem“ Spiel muss immer wieder Ruhe einkehren. Herrchen oder Frauchen machen einfach erst dann weiter, wenn der Hund sich wieder beruhigt hat.
    2. Impulskontrollübungen sind sehr wichtig
    3. Rechtzeitig das Futter vom Welpenfutter auf Erwachsenenfutter mit Zwischenstufe „Junghundfutter“ umstellen.Das Welpenfutter enthält bis zu 27% Eiweiß, viel zu viel für einen normalen erwachsenen Hund, da genügen 21%, es sei denn, der Hund wird als Wettkampfhund für Agility gehalten. Zuviel Eiweiß ist „Doping“! (s. a. „Handbook of Applied Dog Behavior and Training, Vol 1“ von Steven R. Lindsay, IOWA State Univ. Press 2000)

    • Max Cremer meint:

      Impulskontrollübungen braucht kein Hund! Schon gar nicht um zur Ruhe zu kommen. Er braucht nur einen Platz, an den er sich zurückziehen kann wann ER will und nicht einen Menschen, der ihn ständig zu irgendetwas „konditioniert“. Lasst eure Hunde doch einfach mal in Ruhe. Macht doch mal NICHTS. Von Anfang an und ohne Stundenplan. Es geht auch ohne das ganze Trainergedröhne und Wichtigtuerei. Das ist was für Leute die ohne Navi nicht mehr mitkriegen wo sie gerade sind. Kauft euch einen Robotdog. Den könnt ihr dann ganz nach euren Wünschen programmieren. Einen Hund nicht.

      • Tanja M. meint:

        Doch, Impulskontrolltraining braucht mein ex-futteraggressiver Hund bei Fressbaren unbedingt, allerdings verlange ich nichts, was er nicht schrittweise erlernt hat. Und wenn ich merke, die Impulskontrolle reicht nicht aus, dann lass ich es ganz.

        Um einen überdrehten Hund wieder runterzukriegen, braucht man es allerdings nicht. Im Gegenteil, die Gefahr besteht, dass ich das Problem damit verschlimmere.

        Ich habe weder einen unter- noch üb erforderten Hund.

      • M.Senf meint:

        Genau so sehe ich das auch!
        Unser BorderCollie unterscheidet sich in fast jeder Hinsicht vom einem übertrainierten, vom Trainingszwang Ihrer Halter überfordertem Hund.
        Beschäftigung ist ganz klar ein wichtiger Bestandteil im Leben eines Hundes, aber Impulskontrolltraining ist etwas für Halter, die sonst nichts im Leben zu melden haben und sich am Respekt Ihrer Hunde ergötzen, sich damit das Gefühl geben, irgendwo, bei irgendwem etwas zu melden zu haben.

        Es ist haarsträubend was manche Halter Ihren Tieren an Trainings zumuten, eben weil es gewiefte Hundeschulen gibt, die einem genau ihre Trainingsmaßnahmen als das A & O des Hundelebens vormachen.

      • Anonymous meint:

        Sehr gute Antwort!????????????????????????

      • Anonymous meint:

        Hallo Max, also mein Lob galt zu 100% Deinen Worten!
        Der Artikrl insgesamt hat sehr viel Gutes aber das mit diesen Robodogs sehe ich genauso !

      • Super Kommentar, der mir aus dem Herzen spricht. Wir werden immer wieder darauf angesprochen, dass unsere Labbis so ruhig und ausgeglichen sind. Und sie kommen jeden Tag raus in Feld, Wald und Flur wie ein Einzelhund und das bei einem Züchter!!!!!!

  5. Susanne R. meint:

    Mein Hund muss nicht, kann aber alles — wenn er es denn möchte.
    Der Hype um Hundeschulen und -Trainer hat aus den meisten Hunden nervöse Fellbündel gemacht, weil den Leuten eingeredet wird, sie müssen etwas mit dem Hund machen, weil der Hund sonst unter Langeweile und Unterbeschäftigung leidet.
    Bei uns gab es keinerlei HS, keinen Zwang – nur ein Miteinander und klare Regeln. Ich habe einen der glücklichsten Hund im ganzen Wald ohne Terminplan, der Dank eines verständigen Menschen am anderen Ende der Leinen total ausgeglichen durch die Hundewelt tappst.

    • Anonymous meint:

      Susanne, bin ganz Deiner Meinung (obwohl ich Nebenberuflich als Trainerin arbeite)
      Je mehr HuSchu- umso schlimmer wirds‘
      Das gute Bauchgefühl und Herz am rechten Fleck geht oftmals verloren

  6. Da fällt mir doch der Hundetrainer ein, der mich bat, die Welpen in den ersten zwei Wochen jeweils beim Trinken schonmal anzuklickern – wer jetzt nicht schallend lacht 😉 die Ohren sind doch noch geschlossen !
    Aber wahrscheinlich erzeugt das doch Vibrationen ……. 😉

  7. SAGICHNICHT meint:

    LUXUSPROBLEME!! von Menschen, die anscheinend keinerlei berufliche Verpflichtungen haben und sich voll und ganz zu Lasten der Hunde ausleben: welche Prüfung hat dein Hund wie und in welchem Alter bestanden?? Waaaaaaaas,ist ja super was er jetzt schon kann… Wie schön, wenn bei der Konkurrenz weniger der Wettbewerb sondern das ZUSAMMEN LAUFEN im Vordergrund stünde…

    ABER: ganz frei machen kann ich mich davon auch nicht – meine Normalo ausgelasteten Hunde (beide Retriever aus Arbeitslinie) sind zuhause ruhig, aber mich plagt hin und wieder mein Gewissen, daß ich MEHR mit den beiden machen müßte…Insofern, trotzdem danke für den Artikel 🙂

  8. ChrisS meint:

    Naja, ich seh‘ das Thema ganz entspannt. Habe den ganzen Hype ja bereits vor über 20 Jahren mitgemacht.
    Damals ging es allerdings um die lieben Kinderlein. Mein Gott, was für ein Theater wurde da gemacht.
    Während man selbst als Kind einfach nach der Schule „nur“ spielen, schwimmen oder irgendwo rum klettern und toben gegangen ist, ohne dass wir dabei völlig geistig auf der Strecke geblieben sind, hieß es für unseren Nachwuchs:
    Babyschwimmen, Krabbelgruppe, musikalische Frühforderung, Kinderturnen, Sprachförderung, usw….
    In hunderten von Elternratgebern und Stammtischen wurde erklärt was man alles mit seinem Nachwuchs noch machen könne oder müsse, damit er sich gut eentwicket.
    Nachdem bei den Kindern nun wirklich alles ausgeschöpft wurde, setzt sich diese Geld-Mach- Maschinerie nun bei unseren Tieren nahtlos fort. Hunde -Psychotherapie, Barfen, Agility, Physiotherapeuten, Tierkommunikatoren….eine endlose Liste bei der meine Eltern und Großeltern sich vor Lachen auf dem Boden gerollt hätten. Und deren Hunde sind (ohne all diese Dinge) alt und glücklich geworden in ihren Familien. Manche Sachen mögen sicher sinnvoll sein, aber man muss sich nicht jeder noch so kuriosen Idee anschließen, weil sie gerade in Mode ist, oder????

    • Ich hab mich schon bei meinen Kindern geweigert ausgeglichene Beschäftigungstherapien für die linke und rechte Gehirnhälfte zu organisieren. Kinder sollen Kinder sein und Hunde eben Hunde.
      Ich versuche den Leitspruch“ein gut erzogener Hund hat mehr Freiheiten“ (klappt nicht immer;-)) umzusetzen, denke aber auch immer daran mein Hund ist ein Hund! Ein Hund ist ein „Raubtier“ und Raubtiere schlafen viel, sitzen einfach nur da und beobachten, dösen, schmusen und suchen zeitweilig soziale Kontakte und wollen wenigstens in Sichtweite dabei sein.
      Ich habe einen Toller, der zugegebenermaßen innerhalb von Zehntelsekunden voll aufdrehen kann. Dank einer lieben Freundin, die mir in seiner Welpenzeit immer mit gutem Rat zur Seite stand, haben wir wunderbar die Kurve bekommen. Allerdings hatte sie nur einen Rat: Mach aus Deinem Hund keinen Workoholic! Daran hab ich mich gehalten. Nicht mehr als zwei Trainingstage in der Woche, ansonsten gepflegtes Abhängen mit Hundespaziergängen ( darf rüsseln und Hundesachen machen).
      Hunde wollen arbeiten, aber nicht vergessen….. manchmal wollen Hunde einfach nur sein!
      In diesem Sinne viel Erfolg für alle ADHS-Hundesitzer. Durchhalten!

  9. Guter Artikel, auch die Hundetrainer (und da gibt es natürlich auch seriöse und das ist auch gut so) müssen sich einen Markt schaffen, sonst bricht ihnen die Kundschaft weg. Manchmal wundere ich mich aber mehr über die Menschen die nicht mehr ihren gesunden Menschenverstand einsetzen sondern alles was ihnen erzählt wird vorbehaltlos glauben und zum Mantra erklären.. Es sollte halt ein gesundes Mittelmaß geben und der Hund sollte die richtige Wahl für den Besitzer und umgekehrt sein, der Sinn ist ja, sein Leben mit dem Hund zu bereichern und sich nicht ausschließlich Stress zu verschaffen – für Hund und Mensch. Ich gehe auch gerne mit anderen Hundebesitzern spazieren, genauso wie auf den Hundeplatz. Allerdings möchte ich da auch mit meinem Hund zusammen sein und ihn nicht in einen Käfig sperren.

  10. Vielen dank für diesen Artikel und die Antworten.

    Wir haben eine 2 -jährige Dackel – Mix – Dame, die wir vor einem Jahr aus dem Tierheim geholt haben.
    Nachdem sie sich gut eingelebt und an uns gewöhnt hat, ist sie ganz schön aufgetaut.

    Nika tobt gerne durch den Garten, versteht sich mit anderen Hunden sehr gut. Spielzeug mag sie nicht so gerne. Apportieren ist super, machen wir jeden Tag.

    Manchmal hatte ich den Eindruck, dass unsere Nika unterfordert ist.
    Nachdem ich diesen Artikel und die Antworten gelesen habe, bin ich mir sicher, wir machen´s richtig.

  11. Mairamaus meint:

    Danke!!!!! Wir haben eine 13 Wochen alte Aussie Hündin und ich bin schon ganz fertig, weil ich viel zu viel lese und Angst kriege, den falschen Hund ausgesucht zu haben. VOR Auswahl unserer Maira habe ich jeden, der mir über den Weg lief, zu seinen Erfahrungen mit seinem Aussie befragt. Und KEINER konnte mir die einschlägige Literatur bestätigen, was „man alles mit dem Aussie machen muss“. Darauf haben wir uns verlassen. Und nun, wo wir einen im Haus haben, bin ich unsicher geworden. Ich lese nach und lese im Grunde nur negatives über Aussies. Das versetzt mich so sehr in Unruhe. Auf der anderen Seite handeln wir jetzt instinktiv und machen eigentlich GAR nichts mit unserem Welpen außer 1x die Woche Welpenschule (wir sind Hundeanfänger). Sie bekommt 3 kurze Spaziergänge draußen und natürlich ihre Pinkelpausen und Grundgehorsam lernen. Den REst schläft sie. Hoffentlich ist das der richtige Weg. Laut Foren und Literatur nicht, laut unseres „Instinkts“ ja.

  12. Emmanelly meint:

    Ich bekomme ein ganz schlechtes Gewissen wenn Menschen erzählen was ihre Hund alles tun…
    Fährtensuche, Mantrailing, Dummytraining, Obidience, Agility.. Dogdancing.
    Ich habe einen Labrador… er bringt den Dummy, weil Futter drin ist. Er sucht das Spiely im Wald und auch die Leckerchen in der Astgabel…. Er bringt seine Kuscheltiere die alle einen Namen haben, wir gehen morgens und abends eine Stunde auf die Gass… wir zerren mit dem Zergel und spielen mit dem Ball, aber Hundeschule laaaangweilig. Unser zweiter, ein Strassenköder aus Rumänien lernt inzwischen Unterordnung in der Hundeschule ( nach anfänglicher Angst vor allen und enormen Jagdtrieb). Beide sind tolle Begleiter und genießen die Wochenenden mit der Familie. Beide sind sehr relaxed, nicht fordernd und einfach nur zufrieden. Ich glaube ich mache da was falsch, weil Bekannte ständig mit ihren Hunden irgendwo am trainieren sind.

  13. Hanni meint:

    Wieviel „Auszeit“ braucht ein Welpe, d.h. wie häufig am Tag kann ich ihm die halbe Stunde Ruhe im Korb „verordnen“?
    Er ist 16 wochen, dreht schnell auf, schläft aber sobald sich was oder wer bewegt wars das. Da er ja auch noch nicht ganz stubenrein ist halte ich die Auszeit für wichtig, dachte nur wenn er dann zu viel bellt da er womöglich raus muß….hatte sich aber als Irrtum raus gestellt.
    Also wie oft am Tag?
    Zweite Frage, nachdem er nachts wach wird und wir raus gehen…ca. zwischen 3 und 4Uhr, schläft er höchstens 30-60 Min und ist dann wieder topfit, nehme ich ihn mit ins Bett pennt er bis 9.00….. ich weiß war ne sch… Idee das zu machen. Er schläft im Korb neben dem Bett.
    Hoffe auf hilfreiche Tipps

    • Die Faustregel lautet pro Lebensmonat 5 Minuten Bewegung an der Leine. Im Haus den Hund einfach lassen. Wenn er müde ist legt er sich von alleine hin. Wichtig ist ,dass man selber ruhig und ausgeglichen ist. Ein nervöser Mensch wird auch einen nervösen Hund haben – bei Kindern ist es ähnlich! In der Ruhe liegt die Kraft und bei einem Welpen im ersten halben Jahr gilt egal bei welcher Rasse, weniger ist mehr!!! Auch wenn das Hundeschulen ganz sicher nicht gerne lesen. Besser ist ein Einzeltrainer im persönlichen Bereich und zwei bis drei Mal die Woche mit dem Welpen dort hin fahren wo viele Hunde sind, damit Sozialkontakte mit Artgenossen aufgebaut werden können. Das auch nicht bevor der Welpen nicht vollständig geimpft ist!!!

  14. Ich habe Hunde, weil ich mit meinen beiden Pfoten Spaß habe! Ich habe Spaß daran, wenn sie mich unterstützen, wenn sie mir etwas lernen und wenn wir neue Tricks machen. Meine Zaubermaus übertrifft alles, was ich an möglichem Lernpotential beim Hund gekannt habe, also lernen wir immer wieder neues. Und mein Rüde, der wirklich schlecht zu motivieren war, dreht sich vor Freude über sich im Kreis, er lernt nämlich mit!
    Hunde sind eine Bereicherung, die ich mir durch „funktionieren müssen“ und „Befehl empfangen“ nicht verderben lasse. In der HS nehme ich meine Hunde sogar aus der Situation, wenn ich merke, sie haben keinen Spaß daran. Das hat sich durchaus bewährt.
    Als mein Mädel mit 8 Wochen zu uns kam, war sie vollständig überdreht. Aber total. Ich dann irgendwann auch. Bis ich anfing, super Ruhe auszustrahlen und ihre Hippeleien mit Lachen quittierte, dem dann mein Ignorieren folgte. Das Gute daran: ihr Schlafbedürfnis war gedeckt. Das zeigen Hunde häufig nämlich nicht. Als das so insgesamt und nachhaltig Wirkung gezeigt hat, begann ich mit ihr dosierte Unternehmungen und Übungen. Heute, nach der ersten Läufigkeit, „lacht“ sie sogar über sich selbst. Jeder Hund ist individuell. Daher muss man versuchen, instinktiv zu (re-)agieren. Und manchmal muss man einfach nur genau das Gegenteil von dem tun, was man eigentlich will. Und dann loben – loben – loben. *Lach*

  15. Diese These ist ja gerade sehr in Mode und sicherlich auch nicht falsch. Allerdings massiv übertrieben. Der Vergleich mit den angeblichen Turbo-Eltern nervt… (vielzitiert, aber gibt es sie tatsächlich so häufig? Oder sind das nicht doch eher absolute Ausnahmen? Genau, wie Hundebesitzer, die jeden Tag einen anderen Kurs besuchen. Ich kenne jede Menge Eltern und viele Hundebesitzer, aber sowas? Nein.)

    Überhaupt nicht unterschreiben würde ich die Tipps, wie man zu einem entspannten Hund kommt. Einfach einsperren und abwarten? Und dann auch noch in einer fremden Umgebung – in der Ferienwohnung? Das kann doch nicht ernst gemeint sein!

    Ein junger Hund sollte nicht mit Ballspielen und zu viel gut gemeinter „Sozialisierung“ hochgepuscht werden – aber er muss seinen Bewegungsdrang befriedigen dürfen, genau wie sein Kaubedürfnis, er muss Sozialkontakte pflegen dürfen und Ansprache vom Menschen bekommen. Er muss auch mal hochdrehen dürfen, um zu lernen, wie man wieder runterkommt.

    Einen Welpen einfach mal einsperren und ignorieren halte ich nicht für einen guten Tipp. Bitte nicht!

Trackbacks/ Pingbacks

  1. und haben große Freude am Sport. Es ist deine Verantwortung, ihnen Grenzen zu setzen und deinen Hund vor Überlastung zu schützen, denn ein Hund hat kein Vernunftsdenken! Gerade zu Beginn ist das Training ungewohnt

Ihre Meinung ist uns wichtig