Willkommen, Fellzwerg! – Ein Welpe kommt ins Haus

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Ein Tag, dem auch erfahrene Hundehalter mit großer Neugierde und Aufregung entgegen sehen; schließlich ist ja, trotz sorgfältiger Auswahl, nicht ganz klar, wer da nun einzieht, was für eine Persönlichkeit der neue Mitbewohner sein wird. (Okay, ja, die Gedanken an den voraussichtlichen „Flurschaden“ sollen nicht unerwähnt bleiben..)

Welpengitter, Körbchen, Kennel und Stapel von Zeitungspapier liegen seit Wochen parat. Die Welpenausstattung in passender Größe und Farbe ist längst angeschafft, Leine, Halsband und Geschirr hängen an der „Hundegarderobe“, ebenso wie der für die kühlen Tage gedachte Hundemantel, der den bodennahen Babyhundebauch vor Nässe und Kälte schützt und somit vor Blasen- und Nierenerkältungen bewahrt. Der teure Wohnzimmerteppich wurde vorübergehend in den Keller ausgelagert, die Kamera-Akkus sind aufgeladen und der erste Tierarzttermin für den neuen Mitbewohner ist auch schon vereinbart. Es ist so weit: Das Hundebaby zieht ein!

Eine Frage der Zeit

Kommt der Welpe im Alter von acht Wochen ins Haus, ist er erst kurz zuvor von der Muttermilch entwöhnt worden und deswegen sowieso ein bisschen „verloren“. Im Alter von zehn Wochen schaut er schon ein Stück weit „gesetzter“ in die große, aufregende Welt. Mit zwölf Wochen hat er bereits Sozialisierungsschritte in Form von kleinen Rangordnungskämpfen mit seinen Wurfgeschwistern absolviert. Diese Balgereien haben keine negativen Wesensveränderungen zur Folge, im Gegenteil, er erlernt dadurch ein Sicherheitsgefühl im Umgang mit Artgenossen und erfährt, dass er auch im lautesten stürmischen Geraufe keinen ernsthaften Schaden nimmt – dank der naturgegebenen Beißhemmung, die allen gesunden Caniden eigen ist.

Welpenspielgruppe – Sinn oder Unsinn?

Rangeleien unter Wurfgeschwistern sind eine Form der Sozialisierung wie sie heutzutage in so genannten Welpenspielgruppen oder –treffen angeboten wird. Bei der Zusammenstellung dieser Gruppen bleibt allerdings häufig unberücksichtigt, dass dort Welpen sowohl verschiedener Abgabewochen wie auch teilweise sehr unterschiedlichen Alters und entsprechender Sozialisierung durch Muttertiere und andere Artgenossen aufeinander treffen. Die vermeintliche „Bangbüx“ ist also weniger ein grundsätzlich ängstlicher Vertreter seiner Art, sondern schlicht unerfahren und deshalb zunächst zurückhaltend und beobachtend. Entsprechend ist der als solcher identifizierte „Raufbold“ gleichen Alters meist einfach nur der schon sozial-erfahrenere und deshalb in seinem Auftreten sicherere und selbstbewusstere Hund. Da macht es Sinn, ebenbürtig sozialisierte Welpen in einer Gruppe miteinander spielen zu lassen oder gleich den Kontakt mit einer altersoffenen Hundegruppe zu wählen, in der auch erwachsene Tiere mit den Minis interagieren und schon mal die eine oder andere „Ansage“ machen.

Leider gibt es viel zu wenige erfahrene, exzellent beobachtende und korrekt analysierende Hundetrainer, die solche Gruppen passgenau zusammen stellen und führen können. Da bleibt manchem Neu-Hundebesitzer nur die eigeninitiativ zusammen getrommelte Wurfgeschwistertruppe oder die neue, altersübergreifende „Gassi-Gang“ aus der Nachbarschaft – was nicht zwingend die schlechtere Alternative sein muss, wenn der Zweibeiner über ausreichend Hundesachverstand und ein „gutes Bauchgefühl“ verfügt.
Voraussetzung für alle Treffen dieser Art: Mini-Fellschnauze ist komplett durchgeimpft und hat (was häufig vergessen oder auch gern mal ignoriert wird) die erforderliche Karenzzeit von etwa zwei Wochen seit der abschließenden Impfung hinter sich und damit den erforderlichen Gesamt-Impfschutz!

Ach, Du Sch….

Wer auch immer da jetzt sein neues Zuhause erkundet und freundlich und sanft bestimmend vom Zweibeiner auf „seine“ Plätzchen aufmerksam gemacht wird, er hat die Kontrolle über seine Schließmuskel noch nicht erlangt. Das weiß der Mensch natürlich und hat entsprechend vorgesorgt. Die einen mahnen: „Bloß kein Zeitungspapier, dann macht er nur noch da drauf!“, die anderen empfehlen spezielle Welpenunterlagen oder gleich das vorher umgebaute und komplett verflieste Eigenheim. Kann man alles machen. So oder so.
Aufmerksam beobachtet und seinem Alter entsprechend angeleitet, wird jeder gesunde Welpe stubenrein! Ob das eine oder andere Malheur zuvor auf Zeitungspapier oder auf Fliesen landete, ist dabei völlig egal. Hauptsache, es wird umgehend und gründlich entsorgt. Nicht zu empfehlen sind hierfür Essigreiniger oder solche, die Ammoniak enthalten – die intensiven Gerüche dieser Reiniger können nämlich die kleine Zauberpfote dazu anregen, noch einmal auf die selbe Stelle  zu urinieren oder zu koten. (Tipp: Neutralreiniger aus dem Fachhandel.)

Dass der menschliche Schlafrhythmus in den ersten Wochen nach Welpeneinzug vermutlich ordentlich durcheinander gerät, ist hinlänglich bekannt. Schließlich hält so eine kleine Hundeblase, bedingt auch durch die noch vergleichsweise häufigen Fütterungen (3- 5 mal pro Tag) eben noch keine acht Stunden dicht. Also: Gassi-Nachtschicht!
Ziemlich sicheres Anzeichen, dass ein dringender Spurt ins Freie angesagt ist, ist intensives Schnüffeln in Verbindung mit auffälligem „Auf-der-Stelle-kreiseln“: Achtung, Fellzwerg bereitet Entleerung vor! Keine Sorge, schon nach kurzer Zeit erkennt der aufmerksam beobachtende Hundehalter dieses untrügliche Signal und kann es gut von dem „Ich-leg-mich-gleich-hin“- Drehen unterscheiden.
Natürlich wartet der Zweibeiner nicht immer mit dem Rausgehen, bis Fellschnäuzlein dieses unmissverständliche Verhalten an den Tag legt, sondern marschiert tagsüber alle zwei bis drei Stunden mit dem Welpen unter dem Arm nach draußen (keine Treppen laufen lassen, bis der Tierarzt das „Go“ gibt!). Manche gerade aufgewachten Minis klettern nämlich aus dem Körbchen und… lassen laufen. Bedeutet: Alles eine Frage des Timings! Die kleine chillende Fellnase immer gut im Auge behalten. Kommt zunehmend Bewegung in das Knäuel: schnappen und raus.

Naturgemäß ist der Druck auf Blase und Darm am größten nach der Nahrungsaufnahme.
Allerdings darf dann beim direkt anschließenden Gassigang nicht wild herum getobt werden, weil es sonst zu einer Magenverdrehung kommen kann. Ein äußerst schmerzhaftes und schwerwiegendes Geschehnis, das auch dem erwachsenen Hund droht – deshalb hält der informierte Hundehalter beim adulten Tier immer ein Verdauungspäuschen von mindestens 30 Minuten ein, bevor er mit seinem Vierbeiner zum Lösen los marschiert. Idealer Weise bekommt nur ein „frisch entleerter“ Hund sein Futter vorgesetzt. Logisch: Wer kann schon mit Darmzwicken und Blasendruck sein Essen genießen?! Während die „Großen“ nach dem Fressen in den beschriebenen Verdauungsmodus umschalten, muss Mini-Canide meist sofort Flüssigkeit loswerden. Also: nix wie raus.

Kleine und große „Outdoor-Geschäfte“ werden ausgiebig gelobt und mit Streicheln und Knuddeln belohnt, während die Inhouse-Schweinereien kommentarlos entsorgt werden – bis zum Zeitpunkt x, wo Alter, nächtliche Stubenreinheit und veterinärmedizinische Untersuchung darauf schließen lassen, dass nun die Kontrolle der Schließmuskeln vom Vierbeiner bewusst vorgenommen werden kann. Dann darf das „Indoor-Geschäft“ unmittelbar mit einem scharfen „Pfui“ und Platzverweis kommentiert werden. Einige Hundeleute schwören darauf, anschließend dann so lange draußen herum zu traben, bis der Hund sich erneut löst und dafür gelobt werden kann = positive Verknüpfung: Piesel ich draußen, gibt´s Bespaßung mit Festbeleuchtung – lasse ich drinnen laufen: öde Nullnummer mit Mecker.
Viele Hunde entwickeln außerdem zunehmend ein Bewusstsein für „mein Terrain“, das sie schon aus eigenem Antrieb heraus nicht verunreinigen wollen. Zu beobachten ist dieses Verhalten auch bei Gassi-gewöhnten Vierbeinern im Außenbereich, wenn sie selbst im „eigenen“ Garten nicht koten, beziehungsweise nur in der hintersten Ecke ihre Notdurft verrichten.

Ich bin klein und so allein

Und, ja, verdammt nochmal: Babyhund darf im Bett schlafen! Schließlich hat er doch nur wenige Stunden zuvor noch mit Mama und Geschwistern im warmen Kuschelhaufen geschlummert – und nun soll er, ganz allein, fern von allen bekannten Lieben, bei fremden Wesen in fremder Umgebung irgendwo isoliert in einer Kiste oder gar in einem menschenleeren Zimmer hinter verschlossenen Türen schlafen? Das ist doch zum Heulen! Und genau das wird der kleine verlassene Zwerg ziemlich sicher tun: jammernd heulen. Also geben Sie ihm Trost, Schutz und Wärme. Und weil Sie sich ja kaum ins Hundekörbchen zwängen wollen, nehmen Sie den Knirps halt mit in Ihr Bett.
Wenn es noch mit hinein passt, kann zusätzlich ein kuscheliges Hundekissen oder eine flauschige Hundedecke als Welpen-Schlafunterlage eingerichtet werden, um dann einige Zeit später, wenn der neue Mitbewohner größer und in seinem neuen Zuhause mental angekommen ist, samt Hund auf dessen eigenen Schlafplatz umzuziehen.
Wer nun gar keinen Vierbeiner im eigenen Bett haben mag, der bleibe in den ersten Nächten dennoch in seiner unmittelbaren Nähe. Also: Körbchen ans Bett oder Umzug auf Wohnzimmersofa oder Gästematratze neben dem Hundeplatz. Hauptsache, nahe dran. So kriegt der Zweibeiner auch schneller mit, wenn der Fellzwerg unruhig wird, weil die Blase drückt.
Übrigens: Nur ganz selten passiert ein feuchtes Unglück in Bett oder Körbchen, denn das ist ja das „Hunde-Zuhause“. Um aber auch für derartige Missgeschicke gerüstet zu sein, kann der zweibeinige Bett-Erlauber vorsorglich ein Inkontinenzlaken aus der Apotheke erstehen und in den ersten Nächten in oder unter Hundebaby´s Bettplätzchen legen. Handtuch drüber, fertig. Da geht nichts durch. (Tipp: In Stücke zerschnitten, kann das gummierte Laken gleich für mehrere Liegeplätze als Durchnässungsschutz dienen.)

Sicher- und gut!

Ach ja, neue und deshalb verlockend riechende Lederschuhe und Handtaschen sind zunächst sicherer in „höheren Lagen“. Auch heißgeliebtes Kinderspielzeug und Bodenvasen sind außer Reichweite kleiner spitzer Hundezähnchen und stürmischer Tobeattacken zu verbringen. Mit wenigem, gut ausgewähltem Welpenspielzeug, regelmäßiger Gabe von Kauprodukten (vor allem während des Zahnwechsels – das schont auch Kabel, Schuhe, Möbel und Geldbeutel!) und ganz viel menschlicher Zuwendung, altersgemäß konsequenter Erziehung sowie artgerechter Haltung und Auslastung wird aus dem noch verunsicherten Welpen schon bald ein selbstsicherer und fröhlicher Junghund und ein verträglicher Familienhund, der Sie hoffentlich ein ganz langes und gesundes Hundeleben hindurch begleiten darf.

Willkommen, Zwerg Fellnase!

 

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Kommentare

  1. Manuela meint:

    1000 Sternchen von mir. Ganz toller Artikel!!!

  2. Ingra meint:

    Endlich mal ein kompetenter Artikel über den Einzug eines
    Hunde-Welpen! Danke!

  3. Sascha meint:

    Ein toller Artikel und ein Super süßes Bild

  4. Klasse!!!!

  5. Hallo,

    ein toller und informativer Artikel zum Thema „Welpeneinzug“!

    LG

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