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ABFAAAAAAAHN! – Wenn Zugbegleiter FIETE eine Reise tut…

Ich leiste mir ja den Luxus eines Chauffeurs – auch „Frauchen“ oder „Olle-Taxi“ genannt. Nur einen Autowagen, den habe ich nicht. Also sind wir leidenschaftliche Bahnfahrer. In meinem ersten Lebensjahr habe ich schon an die zehn Fernreisen mitgemacht. Da kann ich was erzählen:

Ich reise bequem unter dem Sitz mit, denn für Hunde, die in einem Transportbehälter als Handgepäck transportiert werden und nicht größer als eine Hauskatze sind, gilt, dass sie umsonst mitfahren. Zugegeben, ich verstecke mich unter dem Sitz nicht im Transportbehälter, aber sollte sich jemand beschweren, hat mein Chauffeur den Transportbehälter – oder auch einfach „Hundetasche“ genannt – sofort griffbereit. Vielleicht ist eine Hauskatze auch kleiner als ich, aber eine Maine Coon ist ja auch eine Hauskatze und die kann bis zu 40 Zentimeter Schulterhöhe erreichen.

Dass Hunde, die in einem Transportbehälter transportiert werden, umsonst Bahn fahren, war übrigens ein Auswahlkriterium für die Hunderasse, die meine Chefin haben wollte. Und deshalb hat sie nun also mich – einen Sheltie.

Hunde, die nicht in eine Transportbox in Handgepäckformat passen, die zahlen nämlich den halben Fahrpreis (Kinderpreis). Dit jilt für Normalpreis als auch für den Sparpreis im Fernverkehr. Für die Länder-Tickets und das „Schönes-Wochenende“-Ticket müssen große Hunde als voll zahlende Personen eingetragen werden. Wenn „Rex“ oder „Bella“ international reisen, zahlen sie den Kinderfahrpreis 2. Klasse.

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Eigener Sitz? Fehlanzeige!

Jaja, zahlen dürfen die Großen, aber eine Sitzplatzreservierung für uns Pfotentiere ist nicht möglich. Also muss der Hund unter dem eigenen Sitz liegen.  An dieser Stelle frage ich mich, wie das möglich sein soll. Bei den normalen Zweiersitzen passe ich mit meinen bonsaigroßen 33 Zentimetern schon kaum unter Frauchens Sitz. Aber da ich ja „so süß“ bin, hatte bisher auch niemand was dagegen, wenn die Beinfreiheit von Madames Sitznachbarn durch meine Wenigkeit etwas eingeschränkt wurde.

 

Ticket online

Frauchen bucht ihre Tickets gern online. Sie hasst es, auf den letzten Drücker zum Bahnhof zu kommen, und deshalb sind wir auch immer eine halbe Stunde zu früh da. Aber lieber zu früh als zu spät, denn in Berlin ist Verlass auf die S-Bahn: Wenn man es eilig hat, kommt sie nicht.
Also wird to huus am Computer ein Ticket gebucht und ausgedruckt oder via Smartphone eines mit einem QR-Code geladen.
Aber, Vorsicht: Das gilt nicht für „Hundetickets“, da diese Tickets ja eigentlich Tickets für (allein reisende) Kinder sind. Diese können zwar online gebucht, aber nicht ausgedruckt werden. Dies hat den Grund, dass selbst ausgedruckte Tickets nur mit amtlichen Ausweis gültig sind, um Missbrauch auszuschließen. Und da Wuffi ja selten einen amtlichen Ausweis dabei hat, und ein EU-Heimtierausweis leider von der Bahn nicht akzeptiert wird, muss man sich die Fahrkarte halt zusenden lassen. Der Postversand ist zum Preis von unglaublichen 3,50 € zu haben. Das sind 3,5 Dosen Hundefutter, mit denen ich 3,5 Tage überleben könnte! (Äh, plus Lecker und das Rohfleisch und … naja, also fast 3,5 Tage. Bin ja genügsam.)

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Dies gilt bei der Bahn aber nur für die zweibeinigen Fahrgäste. Hunde, die nicht in einer Transportbox oder Sonstigem verstaut werden (wollen / können), müssen Maulkorb und Leine tragen.
Fellkumpane, die „ohne alles“ reisen, und sich auch nach Aufforderung des Zugbegleiters nichts daran ändert, werden des Zuges verwiesen. Jahaha, es wird hart durchgegriffen bei der Bahn! Da herrschen noch Disziplin und Ordnung.  Das gilt sowohl für Hunde wie auch für schwarzfahrende Minderjährige, von denen in letzter Zeit ja des Öfteren berichtet wurde. Also lieber Leine und Maulkorb anlegen, als mitten im brandenburgischen Nirgendwo rausgeschmissen zu werden.

„Kein Problem!“

Die zehn Male, die ich mich für die Deutsche Bahn entschieden habe, gab es nie Probleme. Mal abgesehen von „kleineren“ Verspätungen. Ich musste nur einmal in die Tasche, als ein niederländischer Zugbegleiter mein Frauchen mit den Worten „Der Hund kommt in die Tasche, sonst muss er zahlen!“ freundlich darauf hinwies, dass ich nicht in einem Transportbehälter war. „Kein Problem!“  Schon saß ich in der Reisetasche. Ich wäre natürlich gern auf dem Zugboden liegen geblieben, nur leider hatte mir meine Regierung kurz zuvor das Taschengeld gestrichen, weil ich das Ladekabel für ihr Notebook zerkaut hatte. (Ja, wat denn?! Ick übe. Wenn icke groß bin *chrchrchr*, werd ick Produkttester. Obwohl: Meene Olle sacht, manche Hundeleute nehmen wirklich allet mit, was et umsonste jibt, sogar Futter, nur, weil´s nüscht kostet. Een Mal is ja schick, aber alle acht Wochen „Futtertester“ für ´n anderes Jepansche sein?? Nee, lass ma.. dit macht man nich! Hat die Große mal Recht.)
So konnte ich also den Fahrpreis nicht aus eigener Pfote zahlen, und mir blieb nichts anderes übrig, als mich für den Rest der Fahrt in die Tasche zu verziehen. Blöd jelaufen. Aber sowat von! Produkttesting muss man sich also leisten können…

Ein anderes Mal verließ eine Allergikerin fluchtartig das kleine Abteil, in dem meine Vorsitzende und icke es uns gemütlich gemacht hatten. (Gemütlich – nicht breit, wohl gemerkt!). „Kein Problem!“ Als ob ich ihr was Böses wollte… Außerdem war ich doch erst vier Monate alt, da hatte ich noch gar nicht vor, spontan mein Fell zu verlieren, das brauchte ich doch noch! (Jaja, ick weeß schon: „Es ist nicht das Fell, es sind die Allergene, die ihm anhaften!“.. tststs… Froooiiiiinde, icke bin vielleicht frech, aber sauber! Meistens…)

Die tollste Begegnung hatte ich auf einer Fahrt von Freilassing nach Berchtesgaden in der Berchtesgadener Land Bahn (BLB). Die Zugbegleiterin war soooo nett, obwohl Frauchen schon der Schweiß auf der Stirn stand, weil sie mich unter ihrem Sitz versteckt hatte (wie immer), und ich da unten drunter gerade aus Langeweile anfing, vor mich hin zu singen: „Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiich armer Hundiiiiiii muss hiiiiiiiiiiiier im Dunkeln siiiiiiiiiiiiiiiiiiiitzen, während diiiiiiiiiiiiiie da oben im Liiiiiiiiiiiiiiiiicht diiiiiiiiiiiiiiie schöne Aussiiiiiiiiiiiiiiiiiicht geniiiiiiiiiiiiiiiiiiießen. Wiiiiiiie gemeiiiiiiiin!“ Da kam die Zugbegleiterin an und hat mich gekrault. Sooooooooo toll. Mir blieben die Töne im Halse stecken. Sogar ein Lecker hab ich bekommen. Was ´ne Gage! Und dann hat meine Neu-Fanin mein Frauchen darauf hingewiesen, dass ich bei der Deutschen Bahn in die Tasche müsse, in der BLB aber nicht (Holldrijooo, Brüder, zur Sonne, zur Freiheit!), dafür aber „eigentlich“ einen Maulkorb tragen muss. (Och, nö, nä!) Aber – „Kein Problem!“ – sie würde „heute ausnahmsweise“ mal ein Auge zudrücken, ich sähe ja nicht gerade aus wie eine um sich beißende Bestie. (Wat denn, wat denn – ick kann auch gefährlich! Hier, kiek ma: ZÄHNE.. jahaaha. Nur, weil ich manchmal rosa Halsbänder trage…  dit hatten wa doch schon.)

Es gelten also für private Beförderer nicht unbedingt die gleichen Bedingungen wie bei der DB. Dit bedeutet, liebe Jemeinde, Hundechauffeure und sonstiges Personal: Vor Fahrtantritt immer schön schlau machen, wa?! Denne bleibt Ihr auch schön inne Spur…. *chrchrchr*

Jute Reise, Ihr Lieb-chens! Man sieht sich.
Euer Fiete

Ach, fast hätte ich´s vergessen: Willste mehr (von mir), kriegste mehr. Besuch mich doch auf Fratzebuch: https://www.facebook.com/HauptstadtrockerFiete

 

One thought on “ABFAAAAAAAHN! – Wenn Zugbegleiter FIETE eine Reise tut…”

  1. Sehr süß aus Sicht eines Hundes geschrieben. Ich mag diese Transportboxen für meinen „Rambo“ nicht. Beschwert hat sich glücklicherweise auf Kurzstrecken auch noch niemand. Auch bei ein- bis zweistündigen Fahrten klappte bisher alles. Länger fahre ich meist mit dem Auto, weil ich dem Hund den Theater des Ein- und Aussteigens nicht zumuten mag, aber bin ich da übertrieben? Wer weiß das schon! Wenn der Hund gut erzogen ist, wird sich sowieso niemand beschweren und ansonsten ist sicher, dass es irgendwie auch ein Erlebnis mit dem Vierbeiner ist.

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