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Alaaf und Hellau – Hund im Kostüm

Ist das lustig oder geschmacklos und Tierquälerei? Darüber sind sich Befürworter und Gegner in etwa so einig wie Kölner und Düsseldorfer Karnevalisten in der Frage, wer den schönsten Zug, die prunkvollste Sitzung oder die gelenkigsten Funkenmariechen hat.

Die verkleideten Fellnasen selbst können kaum kundtun, ob oder wie ihnen gefällt, was man ihnen an Frohsinns-Klamotte überstülpt. Der Verweis auf gefärbte Hunde mit Lockenwicklern und lackierten Pfotennägeln ist dann meist das Ablenkungsargument der genervt zurück zickenden Halter, wenn sie von anderen Menschen angegangen werden. Schließlich solle doch „jeder nach seiner Façon selig werden“.

Und schon werden die übelsten Beleidigungen ausgetauscht.

Von diesen hitzigen Debatten völlig unberührt, stocken Händler ihre Hundekostüm-Sortimente schnell noch einmal auf und ordern bereits Halloween-, Weihnachts- und Sylvesterroben für das kommende Herbst- und Winterhalbjahr. Befragt nach Umsatzzuwächsen, lächeln die meisten von ihnen nur entrückt und hüllen sich in vielsagende Wortwolken. Schließlich partizipieren auch sie von dem Bestreben vieler Halterinnen, es Paris Hilton und anderen Fashionistas gleich zu tun, die ihre Minihunde nicht nur in extra dafür entworfenen Design- Umhängetaschen mit sich tragen, sondern sie auch gleich noch, abgestimmt auf Frauchens Tagesgarderobe, in aktuellen Stoffen und den dazugehörigen Trend-Accessoires präsentieren.

Hundemode ist Big Business

Seit Jahren schon schießen online und offline Hundeboutiquen wie Pilze aus dem Boden, die halbjährlich wechselnde Kollektionen für den „modebewussten Hund von Welt“ anbieten. Neben Halstüchern und den dazu passenden Schals für das Trend-Frauchen, führen sie Jeans- und Schottenröckchen, Kapuzenshirts, Sonnenbrillen und strass- oder nietenbesetzte Halsbänder und Leinen, die sich an den Looks der jeweiligen Saisonkollektionen auf den Pariser und Mailänder Modenschauen orientieren. Bis hin zum kahl geschorenen Langhaarhund, der Pelzimitatmäntelchen mit Leopardendruck vorführt. Vorführen muss. So will es schließlich das Fashionvictim am anderen Leinenende. Glitzerbling- Kamelle für Modenarren und -narhalesen. Keine Frage – ein Millionengeschäft.

Sinn und Unsinn

Als „Vermenschlichung, die dem Wohl des Hundes entgegen steht“ lehnt nicht nur der Deutsche Tierschutzbund diesen Kostümierungstrend ab. Funktionelle Hundebekleidung hingegen, wie Kälte- und Regenschutzmäntel, Booties und Leuchtwesten, setzt sich zunehmend als durchaus sinnvolle Ausstattung für Hunde in den verschiedenen Aktivitäts- und Altersstadien durch. Da darf dann auch schon mal ein Halsband im urigen Alpendesign oder eine sportive Schleppleine mit pinkfarbenem Totenkopfmuster dabei sein.

Geschichte der Hundemode

Wer glaubt, „der ganze Blödsinn“ sei mal wieder den Bewohnern des nordamerikanischen Kontinents zu verdanken, der liegt falsch: Schon die alten Griechinnen setzten sich Hohn und Spott aus, wenn sie ihre Schoßhunde in teure Stoffe hüllten.
Die Jagdhunde an den Fürstenhöfen des Mittelalters trugen edelsteinbesetzte Halsbänder und Decken aus feinsten Materialien als Ausdruck von Wohlstand, aber auch als Zeichen der Anerkennung und Zuneigung ihrer adeligen Besitzer.
Im frühen 18. Jahrhundert, als Opulenz und Dekadenz das Leben der französischen Aristokraten und ihrer verwöhnten Entourage bestimmten, begleiteten deren „Amüsierhunde“, meist Möpse, ausstaffiert mit gepuderten Perücken und bunten Seidenbändern, ihre vergnügungssüchtigen Herrschaften in die Pariser Opernhäuser und Theater.

Nachdem die Revolution der Monarchie und ihren menschenverachtenden Auswüchsen ein Ende bereitet hatte, dauerte es doch nur wenige Jahrzehnte, bis in Paris gegen Ende des 19. Jahrhunderts geschäftstüchtige „Hundecouturiers“ ihre Ateliers eröffneten. Pelzverbrämte Mäntelchen, perlenbestickte Jabots aus feinster Brüsseler Spitze und Schühchen aus Samt und Seide wurden dem eleganten Gesellschaftshund aufs Fell geschneidert. Nach Maß, wohl gemerkt.

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Während 1911 im ewigen Eis eine Handvoll Abenteurer um Roald Amundsen und, einige Monate später, der Schweizer Alfred de Quervain mit ihren Schlittenhundmeuten zu Expeditionen an die beiden Pole aufbrachen, eröffnete in europäischen Metropolen ein „Tailleur pour chiens“ nach dem anderen sein exclusives Modegeschäft. Lederstiefelchen aus London und „chaussures de pluie pour chiens“ (Regen-Gummischühchen) aus Dresden standen hoch im Kurs bei der exaltierten Hundehalterschaft. Ganz zu schweigen von speziellen Duftwässerchen, die findige Parfümeure ihren verwöhnten Kundinnen für deren Modehündchen offerierten. Auch Hutmacher und Patisseure fanden mit ihren „Spezial-Offerten für den mondänen Hund“ großen Anklang im noblen Kundenkreis.

Andere Zeiten, gleiche (Un-)Sitten

So muss wohl das Fazit lauten, folgt man den aktuellen Diskussionen zum Thema „Hundemode“. Auch die eher ablehnend formulierenden Puristen unter den heutigen Hundehaltern gönnen ihrem Weimaraner, Vizsla oder Rhodesian Ridgeback (und damit auch sich!) eine edle samtweiche Elchlederhalsung und zur Einrichtung passendes hochwertiges Hundemobiliar.
Doch ihres Felles durch Schur beraubte Hunde dann mit Fellmäntelchen gegen die Kälte und mit T-Shirt gegen Sonnenbrand zu bekleiden – das hat nachwievor nichts mit artgerechter Haltung zu tun. Und Hundeparfüm? Nicht nur sinnlos, sondern auch eine Qual für das feine Riechorgan unserer Fellnasen! Es sei denn, der Duft ist selbst gewählt und heißt „Frischer Kuhfladen“ oder „Ekliger Stinkefisch“.. – das versaut außerdem die närrischste Exklusiv- Klamotte…

Wolle mer se drauße lasse?

 

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