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Der Aufreger: „Mantrailer – dem Verbrechen auf der Spur“

RTL brachte einen Pilotfilm – und versierte Mantrailer bereits im Vorfeld in Rage. Der so genannte Backdoor-Pilot (Hintertürchen zur Serie) zeigt einen ungeprüften Mantrailer, der von einer Pathologin geführt wird, und die Berliner Polizei bei der Verbrecherjagd unterstützt.

Die Sendung mit dem reißerischen Titel „Mantrailer – Spuren des Verbrechens“ wurde am 25.04.2013 zur Primetime gesendet und soll bei Erfolg zur Serie ausgebaut werden.

Die Story: Auf Berliner SEK-Beamte wird eine Serie von Bombenanschlägen verübt. (Aha. Das ist übel. Vielleicht sollten sie doch besser identitätsschützende Sturmhauben tragen?) Der Hauptverdächtige ist aber nicht der Täter, sondern ein ganz anderer Fiesling, den der Hund „in der Nase“ hat.
Eine krachende Hetzjagd beginnt: Es gehen viele Bomben hoch bei „Mantrailer – Spuren des Verbrechens“. Regisseur Alexander Dierbach, erfahrener Spezialist für´s laute Grobe, bindet auch sonst quotenbewusst in Serien wie „Alarm für Cobra 11“ , „Polizeiruf 110“ oder „Countdown – die Jagd beginnt“ gern die eine oder andere Detonation ein. Das ist erprobter Maßen dann besonders hilfreich, wenn die Story dünn und der Zuschauer schläfrig wird.

Langhaar-Weimaraner „Finn“ ist der Mantrailer „auf Sendung“

Als Leiter der Mordkommission führt Henning Kracht, gespielt von Armin Rohde, die Ermittlungen. Um ihn gruppiert sich das typische TV-Krimi-Team nach amerikanischem Vorbild: der attraktive Hauptkommissar Cem Deniz (Matthias Weidenhöfer), der Nerd Bernhard Klar (Daniel Aichinger) und die schöne Pathologin Dr. Nicole Rebenbeck (Liane Forestieri). An deren Seite bewegt sich, stets treu ergeben und mit den Gaben eines Kommissar Rex gesegnet, der Langhaar-Weimaraner „Finn“.
Dieser sollte ursprünglich Sprengstoff-Spürhund der Polizei werden. Doch eine Detonation während der Ausbildung (*hüstel*) verunsicherte ihn derart, dass aus dem Job nichts wurde. Also nahm sich die Gerichtsmedizinerin seiner an und bildete den Hund zum Mantrailer aus. Das kommt dem Leiter der Mordkommission gerade recht, denn so ein Personenspürhund kann – auch ohne einer Polizeihundestaffel anzugehören und Prüfungen absolviert zu haben – ja bestens und gerichtsverwertbar zu Ermittlungszwecken eingesetzt werden. (Sagt das Drehbuch. Das ebenso komplett die Wahrscheinlichkeit ignoriert, dass das Gehör eines Hundes in unmittelbarer Nähe einer Bombendetonation ein erhebliches Knalltrauma erleidet – bis hin zu hochgradiger Taubheit…)

RTL-Mantrailer arbeiten kilometerweit ohne Leine

Bereits früh im Film wird auffällig oft betont, dass auch mehrere Wochen alte Spuren (Trails) kein Problem für einen Mantrailer darstellen.
Dies ist ein Punkt, der unter den fachlich versierten und sehr erfahrenen Mantrailer-Experten von Hilfsorganisationen extrem polarisiert. Das Gros der Fachleute tendiert allerdings zunehmend zu einer rigorosen Verneinung einer solchen Leistung. Kann schon eine frische Spur „verwirbelt“ sein und bis zu 30 Meter neben dem eigentlichen Weg der gesuchten Person liegen, ist eine Wochen alte Spur in von Wetter und Lebewesen beeinflusster Umgebung auch für das best ausgebildetste Nasentier Hund nicht mehr wahrnehmbar.

mantrailer-spuren-des-verbrechens-RTL-trail2.jpgInsgesamt zeichnet „Mantrailer – Spuren des Verbrechens“ also ein eher unrealistisches Bild der Arbeit eines Mantrailers. Beispielsweise wird erst in der zweiten Filmhälfte gezeigt, dass so etwas wie ein Startritual erfolgt, beziehungsweise der Hund überhaupt einen Geruchsträger (Scent) präsentiert bekommt.

Dass er dann eine weite Strecke ohne Schleppleine und Hundeführerin dem Trail (quer durch Berlin!) folgt, vermittelt dann dem geneigten, vielleicht sogar interessierten Zuschauer ein gänzlich falsches Bild von der Arbeit eines Personenspürhundes. Da hilft auch das GPS-Gerät am Halsband nichts.
Ebenfalls dem Ruf der Mantrailer wenig zuträglich, die generell noch immer mit Akzeptanz-Problemen zu kämpfen haben, ist die Art und Weise, wie „Finn“ seine Zielpersonen anzeigt: In Schutzhund-Manier reißt er diese regelmäßig zu Boden. Hat er diesen Stunt erledigt und drehbuchgemäß also erfolgreich gefunden, muss „Finn“ sich mit einem schlappen Kopftätscheln als Belohnung begnügen – was er mehr als einmal mit vermeidender Körpersprache kommentiert, wie jeder Hundemensch vor dem Bildschirm leicht erkennen kann. (Aber wenn zwei- und vierbeinige Darsteller im „echten“ Leben nunmal nicht miteinander können…)

Mantrailer als Bombenleger

Am Mantrailer-Image wird in dem Streifen noch weiter gesägt, sobald der Tschechoslowakische Wolfshund (Sternstunde der TV-Forensik: „Dieses Haar stammt von einem Jagdhund!“) des bösen Gegenspielers ins Bild kommt. Dieser Vierbeiner ist nämlich offenbar ebenfalls dazu ausgebildet worden, menschlichem Individualgeruch zu folgen. Allerdings wird dessen Fähigkeit vom Bösewicht dazu genutzt, Bomben gezielt zu SEK-Beamten zu tragen. Öhm, jaa…

Am Ende rettet „Finn“ die schöne Pathologin und deren attraktiven Kollegen, in dem er – guter Vierbeiner versus böser Vierbeiner – eine dieser Bomben von den Guten wegträgt und – Bumm – alles wieder gut.

Auch in einschlägigen Facebook-Gruppen für Mantrailer wird der Film bereits heiß diskutiert. Das friedliche Fazit der dortigen Diskussionen ist jedoch, dass man sich als realer Mantrailer dieses falsche Bild nicht zu sehr zu Herzen nehmen sollte. Ärzte tun dies bei „Grey’s Anatomy“ nicht und Polizisten leben mit Serien wie „Alarm für Cobra 11“. Im Zweifel hilft ein Patentrezept: einfach umschalten. Hintertürchen fällt ins Schloss.  (gd)

Oder wie seht Ihr das? Kann das noch was werden? Und wenn ja, was müsste dringend verändert werden?  Was ist Euch aufgefallen? Welcher Hund – Rasse oder Mix – wäre als Hauptdarsteller besser geeignet? 

Sagt Eure Meinung! Schreibt uns Euren Kommentar (s. unten).

Nicht Dein Hunde-Thema, aber Dir brennt ein anderes auf der Seele? Dann her damit: redaktion@hund-unterwegs.de schaut genau hin und macht die „Schnauze auf!“

10 thoughts on “Der Aufreger: „Mantrailer – dem Verbrechen auf der Spur“”

  1. Also, ich finde das ganze Theater total übertrieben *schmunzel*
    Als ich den Trailer zu der „Serie“ – die wohl keine mehr werden wird – gesehen habe, da wusste ich gleich : Das sorgt wieder für Gesprächsstoff in allen Hundeforen.
    Ich finde die Serie nett gemacht und, dass sie nicht Fehlerfrei sein wird, das war ja wohl jedem im Vorhinein klar. Aber das hat das Fernsehen so an sich. In jedem Film, selbst Dokumentationen findet man Fehler, wenn man sich ein bisschen auskennt.
    Langwierig und teilweise zu verstrickt und gleichzeitig langweilig, das war die Sendung meiner Meinung nach schon, aber auch das haben deutsche Produktionen, vor allem in Serienformat so an sich.
    Wer damit nicht zurecht kommt soll auf Hollywood Produktionen zurückgreifen. Aber selbst da lassen sich wohl Fehler finden.
    Somit : Ab ins Real Life, wer da noch Fehler findet, dem kann ich auch nicht helfen.

    Liebe Grüße, Lara

  2. haha! Genau meiner Meinung! Böse könnte werden, wenn jetzt mal zur Abwechslung Weimis in Mode kommen und dann in Kürze die Tierheime überschwemmen…
    Hab beim „Suchentraining“ immer drauf gewartet, dass die Perle hinfällt bei der kurzen Leine… Bin zwar kein Mantrailer-Kenner, aber leint man die Hunde wirklich in der Suche ab???????? Denke nicht, das die Sendung langfristig in Serie geht. So schlimm Kobra 11 auch ist, den Humor erreicht kein „Ersatz“ 😀 😀

    1. 😉 Nein, ein Mantrailer wird NICHT in der Suche abgeleint.. denn dann isser weg. Und das wäre insofern blöd (und da hilft auch kein GPS-Halsband), wenn der Hund die Fährte verliert, denn dann ist kein Mensch da, der das erkennt und ihn an die Fährte zurückführen kann. Das Wichtigste beim Trailen ist die Zusammenarbeit zwischen Hund und Mensch – der eine schnüffelt die Spur, der andere „liest“ den Hund. Also: Trailen ohne Leine = großer Quatsch! Zusätzlich zum Hundeführer ist oft auch noch ein so genannter „Flanker“ dabei, also ein weiterer Zweibeiner, der das Team komplettiert, um bspw. andere Verkehrsteilnehmer wie Fahrradfahrer vor der langen Leine zu warnen, Tore zu öffnen etc.
      Redaktion hund-unterwegs

  3. Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. War Kebab 11, ääääh Cobra 11 jemals realistisch?

    Das Prinzip ist immer das Gleiche:
    Billige produzierte Action mit flach verlaufender Story, damit das Anspruchslose Publikum nicht „überfordert“ wird.

    Negativer Nebeneffekt:
    Nun wird es wieder endlos viele Menschen geben, die sich eine bestimmte Hunderasse kaufen und meinen, nach ein paar Übungen seien Sie die geborenen Mantrailer. Möge die Realtät die Menschen (und die nichtsdafürkönnenden Hunde) wieder auf den Boden der Tatsachen zurück holen.

    FAZIT:
    ALLES FÜR DIE QUOTE !!!

  4. Merkt denn hier niemand auch nur irgendetwas? Leute ihr schaut RTL !!! Was erwartet ihr denn? Wer den Sender schaut, hat selber Schuld.

  5. Geruchsprobe von einer Leiche???? Was sollte das denn werden? Neue Folgen?

    „Trailway to hell – Spuren ins Jenseits“
    „Zombie-Hunde, wollt Ihr ewig leben?“
    „Der Trail war sein Schicksal“
    „Trail hard“
    „Leichen kreuzten seinen Trail“…

    Himmel, hilf, wer denkt sich so eine Sch… aus?!? Wenn selbst eine „Britt“ aus dem Programm fliegt, kann es ja eigentlich irgendwann nur besser werden bei den Privaten – dachte ich.
    Ich glotz TV – selber Schuld.

  6. also wenn es danach geht, dann müsste „Cobra 11“ und dieser ganze Kram auch abgesetzt werden. Und abgesehen davon, war da genau genommen noch einiges mehr als „wenig realistisch“ einzustufen.
    Aber nur weil da wieder ein Tier, bzw. Hund auftaucht, kommen hier wieder diverse Pseudohundefachleute, die meinen sich hier erstmal mit „Fachwissen“ profilieren zu können.
    Äh..sorry, aber da fehlen mir echt die Worte…alles Fiktion wenig Realität fast durch den ganzen Film durch, und es regen sich welche über die Fähigkeiten des Hundes auf… Herr lass Hirn vom Himmel regen!

    1. Was ist daran nicht zu verstehen, wenn Hundehalter auf einer Hundeseite einen Film mit einem Hundethema als Titel aus Hundehaltersicht besprechen? Besser sollte Hirnregen auf DICH niedergehen.
      Übrigens finde ich den Artikel ziemlich gelungen. Humor ist eben wirklich, „wenn man trotzdem lacht.“ Mehr davon.
      Lisann Böker

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