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Die Schleppleine – meterweise eine gute Verbindung

Ich bin dann mal eben weg. Ob Junghund, Middle Ager oder Hundeopa – alle Hunde gehen gern mal ihrer eigenen Wege. Schwer hörend oder schwerhörig, doch immer „schön der Nase nach“. Da wird der rufende und pfeifende Zweibeiner als lärmender Standortmelder komplett ausgeblendet.


Kein erfahrener und souveräner Hundehalter lässt sich die Aussage abringen, dass er seinen Hund „zu hundert Prozent“ im Griff hat und ihn jederzeit und überall mit sofortigem Erfolg abrufen kann. Das setzte nämlich voraus, dass er immer genau weiß, wo sich die Fellschnauze gerade befindet, und dass diese auch Willens ist, sich von verlockenden Angeboten wie einer läufigen Hündin, einem Jagderfolg oder einem herrlich stinkenden Wälzhaufen umgehend abzuwenden und der weniger Spaß versprechenden Aufforderung seines Zweibeiners zu folgen. Der gewitzte Fellbagalut nämlich kennt seinen Menschen gut genug, um zu wissen, dass die raschelnde Leckerchentüte oder der Futterdummy auch später noch gefüllt ist, und dass ihm sein Ungehorsam ja doch verziehen wird. Bis demnächst dann also.

Wehret den Anfängen

Damit die Extratouren besonders freiheitsliebender Abgänger nicht unter den Reifen von todbringenden Blechkisten oder vor der Flinte eines übereifrigen Jägers enden, ist es für den Zweibeiner unumgänglich, immer und überall seinen Hund unter Abrufkontrolle zu haben. Und da gibt es nur ein zuverlässiges Hilfsmittel, das diese Kontrolle garantiert: die Leine.
Unterschiedlicher Ansicht, ob eine klassische Führleine für den Jagd-uninteressierten Vierbeiner nicht völlig ausreichend ist, um ihn anzuleiten und zu sichern, setzen Hundetrainer und –sportler zunehmend die Schleppleine als Mittel der Wahl ein. Für Mantrailer, Flächensucher, Jagd- und Rettungshunde ist sie unerlässlich, für den „Otto Normalhund“ und seinen Menschen eine hervorragende Unterstützung beim Erlernen und Vertiefen der Grundkommandos „Komm!“ und „Hier!“.

Die richtige Wahl

Ob 10 oder 20 Meter – die zu wählende Länge der Schleppleine hängt natürlich auch von der Größe und der Kraft des Hundes ab. Zwar ist dank moderner und unglaublich leichter Materialien wie Biothane das Gewicht der Leine vernachlässigbar, doch ein Chihuahua an 15- Meter- Strippe ist unverhältnismäßig, eine Verhaltenskorrektur aufgrund der physikalischen Gegebenheiten kaum ausführbar. Vereinfacht ausgedrückt: Ein nur wenig zu heftiger Ruck an der Leine.. und der Zwerg kugelt zeitverzögert durch die Luft. In dem Fall ist weniger also eindeutig mehr.
Für jeden Hund gilt grundsätzlich: Die Schleppleine gehört an ein Geschirr, nicht ans Halsband (und schon gar nicht an ein Kopfführband wie etwa einem Halti!), um den Hund vor möglichen Halswirbelverletzungen oder Luftröhrenquetschungen zu bewahren, wenn er mit Vollgas in die gestoppte Leine knallt. Nur die erfahrensten Hundeleute sind aufgrund jahrelangen und täglichen Trainings in der Lage, Druck und Freigabe der Schleppleine so zu kontrollieren, dass am Halsband angeleinte Hunde nicht in ihrer Gesundheit beeinträchtigt werden.

Auf das Material kommt es an

Wie der Name schon vermittelt, wird die Leine geschleppt, also hinterher geschleift. Nur zur Kommandounterstützung und Verhaltenskorrektur gibt der Halter Spannung drauf. Dabei kann es schon mal vorkommen, dass ein vorpreschender Hund die Leine mit ordentlich Schmackes durch die Hände seines Zweibeiners flutschen lässt. Um sich vor unvermeidlichen Brandblasen oder fiesen Stürzen zu schützen, trägt der informierte Leinenhalter entsprechende Handschuhe und festes Schuhwerk, und kann so die Leine schnell und verletzungsfrei entweder mit den Händen oder mit einem festen, beherzten Tritt sichern und den Hund stoppen.
Damit weder Mensch noch Canide darin hängen bleiben, haben Schleppleinen keine Handschlaufen und bestehen idealerweise aus einem sehr gleitfähigen Material, das ein Verhaken der Leine in dornigem Gestrüpp und auf unebenem Grund verhindern soll.

Kommst Du jetzt her oder nicht – eine Frage der Technik

Grundsätzlich ist das Training mit der Schleppleine genau nur das: Training. Mit dem Ziel, die Abrufkommandos für den Freilauf zu erlernen und zu „verinnerlichen“. Dabei werden 3 verschiedene Methoden angewandt:

  • Training mit der Schleppleine in der Hand
  • Training mit schleifender Schleppleine
  • Training mit gekürzter Schleppleine

Auf keinen Fall soll die Schleppleine die „normale“ Leine ersetzen. Das „Bei Fuß“- Kommando muss sitzen, Leinenterror unerwünscht – egal, ob auf 2 oder 20 Metern.

Merke: Wer die Erziehung schleifen lässt, wird hinterher geschleift!

Auch während der jährlichen Brut- und Setzzeit (üblicher Zeitraum: 1. April bis 15. Juli) dient die Schleppleine optimaler Weise nur der Absicherung des frei laufenden Hetzjägers Hund zur Erfüllung der gesetzlich vorgeschriebenen Leinenpflicht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Zum Schutz aller Tiere.

Schleppleinen im praktischen Einsatz zeigt unser Schleppleinen -Video:

2 thoughts on “Die Schleppleine – meterweise eine gute Verbindung”

  1. Schleppleinen sind zum Training sehr gut geeignet, aber nur für das Training. Viele Hundebesitzer benutzen die Schleppleine aus Bequemlichkeit: der Hund hat längeren Auslauf als an der normalen Leine und benötigt keine Komantos. Da müssen eben Jogger, Fahrradfahrer, etc. über die Schleppleine drüber.
    Ich selbst habe einen Hund der einen Jagdtrieb besitzt und ich kann meinen Hund trotz Wild abrufen. Ich jogge und fahre auch Mountainbike. Es wäre schön wenn sich die Besitzer von Hunden mehr der Erziehung ihrer Hunde widmen würden, als die Schleppleine ihren eigentlichen Zweck zu verfremden.

    1. Also,aus bequemlichkeit finde ich einen unwarscheinlichen Grund.
      Ist ja sehr schön,wenn sie ihren Hund abrufen können. Zwei meiner drei ,sehr gut erzogenen ,Hunde sind in wildreichem Gebiet immer an der Schlep,weil dem Training und der Abrufbarkeit leider oft Grenzen gesetzt sind.
      Bequem sind Schleppleinen nun echt nicht,die meisten wären sie am liebsten sofort los,aber ein hilfreiches,nützliches Übel eben.

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