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Fiete, der Bergfex – Wandern mit Hund im Berchtesgadener Land

Hab´ ich Euch eigentlich schon erzählt, dass ich voll der Outdoor-Hund bin? Also, klar, jeder Hund ist ja Outdoor, weil Outdoor bedeutet ja „vorer Tür“. Und für det kleene und große Jeschäfte muss ja irgendwie jeder Hund vore Tür.  Aber Outdoor ist nicht gleich Outdoor. 

Denn Outdoor meint: Draußen unterwegs. Große Abenteuer bestreiten. Zusammen mit Herrchen. Und Frauchen. Manchmal sogar mit „Kampfkind“. Gemeinsam im Team „vore Tür“.
Also meene Olle und icke, wir sind gern zu Fuß unterwegs. Am liebsten aufm Berg. Zumindest meine Große, mir is dit ja egal, wo wir unterwegs sind. Hauptsache unterwegs. Wandern lautet eine unserer persönlichen Outdoor-Glücksformeln.

Zum Beispiel unsere Tour 2012 inne Berg‘. Genauer: In den Berchtesgadener Alpen. Da arbeitet meene Olle nämlich und verdient sich ihr, äh, unser Futter. Und wenn sie dann mal ein bisschen Zeit oder sogar frei hat, dann gehen wir wandern.

Tourplanung

Die Planung der Tour erfolgt meist je nach Wetter, meiner Kondition und der Kondition von Frauchen sowie des zur Verfügung stehenden Zeitrahmens.
Es gilt: Wenn das Wetter droht schlecht zu werden oder bereits schlecht ist (böses Wetter), dann wird keine Tour ausgewählt, bei der man sich auf Grund des Niederschlags in Gefahr bringt. Dies wären zum Beispiel Wandersteige, in denen sich Holzbohlen befinden und diese aufgrund der Feuchtigkeit schnell glitschig und gefährlich rutschig werden (böse Steige), oder Steige, auf denen wegen des Niederschlags erhöhte Steinschlaggefahr besteht (böse böse Steige). Natürlich werden auch keine Wege gegangen, auf denen man sich bei Nebel verirren kann (Gespensterwetter – oberböse). Und bei Gewitter wird sowieso zuhaus geblieben. Dahoam is scho grachad – wenn´s aussi krachad.

Auf, auf – marsch, marsch

Wenn meene Olle und icke ´nen ganzen Wandertag machen, dann sieht dit so aus:
Früh morgens um sieben Uhr höre ich den Hüttenwirt. Der ist eigentlich eher unspannend, weil, naja, hat halt zwei Beine zu wenig..

fiete-und-sindy-hundunterwegs.jpgViel spannender ist sowieso „Sindy“, die Hüttenhündin. „Sindy von´n Berg“- die is a so a feschs Madl. Das ist meine allercoolste Bergfex-Freundin, mei Zuggaschneggal – und jede Sekunde mit ihr auf der Hütte ist kostbar.
Also den lässigen Hauptstadtrocker raushängen lassen und einen auf obercoole Frühaufsteher-Pfote machen. Damit der Plan aufgeht, muss ich erstmal ins Freie: Ich springe wild im Zimmer herum und fiepe, öhm, singe (Ihr wisst schon..) und Frauchen murmelt dann genervt im Halbschlaf: „Boaaah, Fiete…“ und lässt mich nach draußen. Funktioniert IMMER!

Ich gehe dann spielen, und wenn meine verpennte Olle Glück hat, lege ich mal keine braunen Geschenke genau vor ´s Hoftor, was ihr nämlich sonst ordentlich Mecker vom Hüttenwirt einbringen würde. Denn, merke: Haufen vom Hund vor die Hütte gibt ´n Haufen Ärger frei Haus!

Meine Leinenhalterin, die mittlerweile hellwach ist (*chrchrchr* – Häufchenpsychose), packt dann schon mal ihren Rucksack. Da ist dann allet drin, was wir für den Tag brauchen: Regenjacke und Regenhose (wenn das Wetter mal wieder unberechenbar ist), Karte, eventuell ein Wanderführer, Stirnlampe, Brotzeit und Wasser für sie. Für mich: faltbarer Wassernapf, Hundejoggingleine (sie hat da so ein hochmodernes Gestrippe, das sie sich um den Oberkörper binden kann und dann die Hände für ihre Trekkingstöcke frei hat), Wasser für mich, aber das nur, wenn die Wasserversorgung auf der geplanten Tour unklar ist.

Nachdem ich mit „Berg-Sindy“ alle caniden Morgenangelegenheiten geregelt habe, die es morgens so zu erledigen gibt, gehen die zweibeinige Madame und ich frühstücken. Sie schiebt sich schnell eine Ladung Körner rein, ich mir Dosenfutter. Man will ja nicht mit leerem Magen starten.

Alles im Griff

Dann zieht sie mir mein Geschirr mit dem Tragegriff an – der Tragegriff kommt dann zum Einsatz, wenn auf Steigen Felsstufen drin sein sollten, die ich aus eigener Kraft nicht bewältigen kann – und legt die Schleppleine an.

fiete-schlepp-mystique-hundunterwegs.jpg„An die Schlepp? Irgendwo im Nirgendwo?“ werdet Ihr Euch jetzt fragen. Ja, an die Schlepp. Denn unsere Hütte liegt mitten im Nationalpark Berchtesgaden und dort gilt „Ein Hund darf nicht frei herumlaufen“. Also: Leine. (Geht ja auch in „schick“ – federleicht und trendy bunt.. – dit ziert ooch ´ne coole Großstadtpfote wie meinereiner, sag ick Euch!)

2012 hat meene Olle in den Rucksack sogar noch meine Hundetasche gepackt, um mich zwischendurch mal tragen zu können, denn ich war ja erst acht Monate alt. Ich erwähnte doch schon, dass Touren je nach Kondition von Mensch und Tier ausgewählt werden sollen?!

Gut zufuß

Endlich schlüpft die Große dann noch in  ihre Wanderstiefel, die von ihr  je nach Tourdauer und -beschaffenheit ausgewählt werden. Wenn es sich um eine Tour mit dem Schwierigkeitsgrad „Ach, das ist doch nichts“ handelt, kommen Halbschuhe an die Füße (natürlich keene Nullachtfuffzehn-Treter, sondern richtig feste Halbschuhe mit fester Sohle), bei leichteren Wandertouren sind leichte Wanderstiefel der Kategorie A angesagt, und bei Touren, auf denen man sich schon mal eher die Haxn brechen könnte, weil es über Geröll geht, sind Wanderstiefel der Kategorie B die richtige Wahl.

Und ich zieh mir ooch meene Wanderstiefel an, äh, ick lasse anziehen. Ick bin nämlich anne Füße total – naja, wie soll ick sagen… so richtige Rockerpfoten sind eben empfindlich. Deshalb bekomm ick anne Füße auch Wanderstiefel, richtige Hunde-Booties. Sogar mit Socken, damit ich mir meine Wunderpfoten nicht wund wandere. (Selbst die Fellkollegen von der Polizei tragen die Dinger manchmal – im Kiez! Ick kann dit vastehn, wa. Wer will schon Glasscherben oder Nägel inne Pfoten stecken haben, weil wieder so bekloppte Humanoiden allet kaputt jedeppert haben. Gott sei´s jetrommelt und jepfiffen, marschieren die ja nicht in den Bergen auf, aber fiese spitze Geröllsteinchen und scharfe Gratkanten machen Gelegenheitsfexen wie mir ooch schon janz schön aua an die Belege. Und ich bin ja nur so´n Leichtgewicht – die großen Fellkumpels der gehobenen und höheren Gewichtsklassen treten sich dann mal gleich ´ne ordentliche Spur doller was in die Pfote: Tourabbruch mit Humpelheimgang. Denne also lieber die Schutztreter! Muss hund nur vorher ein bisschen das Laufen mit üben… dit sieht sowat von voll bescheuert aus!)

Hund unterwegs

Wir sind dann so von A nach B und von C nach D jewandert. Kühe ha´ ick jesehen. Steinadler ha´ ick jesehen. Murmeltiere haben uns nachjepfiffen (ey, ja, die erkennen ´ne Promität – sogar von Weitem ..) und Gämsen sind vor uns geflüchtet, ähm, waren die eilige Vorhut-Eskorte. Nur icke, ick durfte mir den Fäns nicht nähern, ick war ja anner Schlepp, damit „die Fauna ihre Ruhe“ vor mir hat… pffff. Ran durfte nur der Zoom von Frauchens Fotoapparat. Wie wild rumschnüffeln konnte ich aber trotzdem.

Dann sind wir über den Trischübl-Pass zum Königssee gewandert, oben auf ´m Pass längs. Meine Olle war wie auf Droge. „Ach, Fietelein, ist das nicht schööööööön hier?!“ Ja. Schön. So, und nu?! Wäre mein Kopf so weit oben wie Deiner, könnte ich auch mehr sehen.
Nach fast zwei Stunden und unzähligen Begeisterungsausbrüchen von meiner delirierenden Wanderführerin haben wir unsere erste Pause gemacht. Aaaah, dann endlich auch mal „großartige Landschaft“ für den Vierbeiner. Dufte Sache. Wie gesagt, ich war zu dieser Zeit erst acht Monate alt.

Wir sind dann weiter über die Sigeretplatte. Da kam zum ersten Mal der Tragegriff zum Einsatz, denn Frauchen musste mich beim Abstieg von einer Stufe herunter heben. Sie ist die Stahlleiter zuerst herunter geklettert, und hat mich dann aus 120cm Höhe nach „herunten“ gehoben. Ungefähr drei Stunden haben wir bis St. Bartholomä am Königssee gebraucht. Frauchen ist nämlich immer ganz schön schnell unterwegs, deswegen wurden wir auch von einem anderen Wanderer gefragt, ob der Teufel hinter uns her sei. Nee, war er nicht, aber meene Olle hatte ja ihre Trekkingstöcke dabei. Mit denen ist sie schneller als ohne, deshalb nennt sie sie auch ihre „Sieben-Meilen-Stöcke“.

In Bartholomä hat Landschaftsfänin, meinige, die üblichen Touri-Fotos gemacht. Anschließend sind wir mit dem Schiff nach Dorf Königssee geschippert. Ich bin sogar für lau gefahren. Von Königssee ging es dann mit dem Bus nach Berchtesgaden und von dort aus weiter zur Wimbachbrücke, wo wir ausgestiegen sind. Frauchen konnte sich auf der Busfahrt noch nett auf Plattdütsch mit ein paar Fischköppen unterhalten. Die waren ganz verdutzt, was so ein Fischkopf, wie sie einer ist, so weit unten im Süden macht. Wat für Blitzbrägen – waren sie doch selber da..

Akku alle

Von der Wimbachbrücke sind wir dann wieder zur Hütte gelaufen, nachdem Frauchen in einem Restaurant noch genüsslich einen Kaiserschmarrn verputzt hat. Und hier nun zum Thema „Tourplanung, die auf die Kondition von Mensch und Tier abgestimmt sein sollte“: Frauchen hatte so ´ne Ahnung, dass ick kleener Pups wohl schon ganz schön ausgepowert war, und sie wollte mich in die Tasche stecken, aber sie konnte mich nicht mehr tragen, denn sie war selbst kaputt. Ohoh, sag´ ick Euch. Denn von nun an ging´s… naa? jenau!.. BERGAUF. Die ganze Strecke zurück zur Hütte – immer nur bergauf. JAWOHL! Musste ich selbst laufen. Sie, trotz ihrer Sieben-Meilen-Stöcke, langsam wie ´ne Schnecke, und ich bin nur noch total teilnahmslos hinter ihr her getrottet. Die Strecke, die Madame normalerweise in zweieinhalb Stunden schafft, für die haben wir dreieinhalb Stunden gebraucht.

Mitten in der Nacht sind wir angekommen. Na gut, das ist übertrieben, aber dunkel war´s schon. Fast. Also einigen wir uns auf „dämmerig“. Zumindest für meine Olle. Das habe ich daran gemerkt, dass die plötzlich ein Licht zwischen den Augen hatte. Wat habt Ihr Zweibeinigen nur für ´ne geile Ausstattung von Mutter Natur mitjekriegt. Wie? Künstlich? Achso, ja, dit ha ick denne och bemerkt, als ick wieder klar im Koppe war – Tage später… War ´ne Lampe. Ichsemichse konnte natürlich noch vorzüglich sehen. Wieder auf der Hütte angekommen– der Hüttenwirt war kurz davor, die Bergwacht zu rufen – gab’s noch schnell Fressi für meene Olle und mich und dann sind wir in die Federn geplumpst.

Kaputt, kaputter, Fiete

Am nächsten Morgen um sieben Uhr konnte ich den Hüttenwirt hören. Und meine allerliebste Bergfex- „Schnuckel- Sindy“. Ich wollte aufspringen und meener Ollen das übliche „Iiiiich muss hiiiiier raus“- Morgenständchen säuseln, doch wat war´n ditte? Bei mir ging nur noch Schnarchgang. Systemimmanente Mobilitätseinschränkung – und die Große orakelte über andere Tiere. Ob ich wohl einen „Muskelkater“ hätte? Häää – wann sollte ich den denn abgeschleppt haben? War ick doch froh, dass „Kotzkatze“ in Berlin zu bleiben hatte, da will ick aufm Berg nicht noch so´n Göbelvieh anner Hacke haben. Ich begriff nur langsam, dass Frau Dr. Ohnesorge mit ihrem Gemurmel gar kein Miezentier gemeint hatte. Sowieso ging alles an diesem Tag viel langsamer. Offensichtlich sogar das Denken.

Glai schäbad´s

fiete-heli-hundunterwegs.jpgDann landete ein Rettungshubschrauber im „Vorgarten“ (neenee, nicht für den kleenen lädierten Großstadtsheltie — sooo schlimm war´s nu auch wieder nich!) Doch Frauchen, die ja so Heli-geil ist, wollte unbedingt ein Foto von mir vor dem Heli machen. Ihr glaubt gar nicht, wie langsam ich zu dem Blechkäfer gewackelt bin. Alles tat mir weh. Als das blöde Foto endlich gemacht war, kam just in dem Moment der Pilot zurück zu seinem Hubschrauber und sah mich gerade langsam wieder hüttenwärts schleichen. Und er sagte  – ich kann´s immer noch gar nicht fassen -: „Ist der aber alt, der hat wohl die Hüfte kaputt?!“  Na, holla, hod der an Schnaid g´habt! Wohl zu nah an der Sonne geflogen, mein Froind? ICH HAB NE A2-HÜFTE! Vonwegen „alt und Hüfte kaputt“; jung und übersportelte Muskeln, so schaut´s aus. MIT Katze, Du Lufthorst! Nächstes Mal macht Dir Flitzefiete Löcher in Deine fliegende Kiste, so schnell kannst Du gar nicht gucken, und dann piesel ich Dir an die Kufen – so hoch hat noch keiner sein Revier markiert.*chrchrchr* 

Obacht gem, länger lem, Breznsoiza!

Besser is!

Ich weiß nicht mehr, was schlimmer war – der blinde Pilot oder der ätzende Kater in meinen Muskeln. Auf alle Fälle hat Frauchen mir hoch und heilig versprochen, dass sie nie nie NIE wieder solche Touren mit mir macht, zumindest nicht, solange ich noch so ein junger Hund bin. (Ich glaube, sie hat sich ordentlich Vorwürfe gemacht, dass sie mir das zugemutet hatte und sich so wenig Gedanken darum gemacht hat, dass junge Hunde ja noch gar nicht so lange und so weit laufen dürfen.. )
Des Weiteren gilt: Wir üben erst einmal, wieder ein paar Berge zu machen, bevor wir eine große Tour wandern und kraxeln. Denn Berge sind viel anstrengender als der Berliner Teer und die deutsche Tiefebene im Allgemeinen. So viel is ma kla, wa! Dit hätten wa jeklärt… und icke g´frai mi schon wieder auf meine „Gold-Sindy“!

Bis denne dann,

Euer Fiete
Hauptstadtrocker

P.S.: Wollt Ihr ooch meine Froinde kennen lernen oder mit dabei sein? Denne freu ick mir auf Euern Besuch in mein´ Fratzebuch!

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