Hund verpennt

Sich pudelwohl fühlen: Gute-Laune-Tricks für graue Tage

Erst kürzlich erwachte man noch vor dem Weckerklingeln. In einem von Morgensonne durchfluteten Zimmer. Den beschwingten Hüpfer aus dem Bett begleitete ein heiteres Vogelkonzert vor dem geöffneten Fenster, und selbst die üblichen Langschläfer und Morgenmuffel überraschten mit zeitigem Aufstehen und fröhlichem Geplauder am Frühstückstisch. Dahin die schöne Zeit?

Müdigkeit macht wirr

Die Tage werden kürzer, die langen Nächte frostig. Und irgendwie geht „da oben“ die Lampe nicht mehr richtig an. „Tunnelleben!“, nannte es jüngst ein genervter Zeitgenosse. „Man geht im Dunkeln aus dem Haus und kommt im Dunkeln zurück.“

Am liebsten möchte man den Tag damit beginnen, einen unschuldigen Zeitmesser zu meucheln. Das unerbittlich ins Morgengrau lärmende Ding laut fluchend und mit voller Wucht gegen die Wand schleudern. Billigend in Kauf nehmend, dass man im trüben Halbdunkel stattdessen Bett- und Zimmergenossen trifft. Mit den passenden Bildern dazu vor Augen und den im Kopf durchgespielten Motzereien mit den Trefferopfern lassen sich gut nochmal fünf Minuten unter der kuschelig-warmen Bettdecke rausschinden. NLP nennt ein Teil der zerstrittenen Fachwelt diese Fantasien. Neurolinguistisches Programmieren. Man tut´s nicht, aber sich intensiv auszumalen, dass man´s tut, soll etwas bewirken. Oder so ähnlich. Also: Klingelt der Wecker, kriegen andere Stress, und dadurch wird der eigene Frust abgebaut.
Kann man drüber nachdenken… und mit einem breiten Grinsen aus den Federn klettern. Dabei reift die Erkenntnis, soeben Geld für einen neuen Wecker gespart zu haben. Das Gute-Laune-Barometer zeigt ansteigende Werte.

Glückstraining

Gleich die erste Zeile der Frühstückslektüre sorgt für noch mehr Heiterkeit: „Tipps für Ihre Gesundheit:  Ausreichender Schlaf.“ Geniale Idee. Könnte von mir sein. „Trinken Sie viel.“ Hallo?! „Tägliche Spaziergänge an der frischen Luft.“ Lässt sich kaum vermeiden, ich habe einen Hund. „Stärken Sie Ihr Immunsystem mit Wechselduschen und Saunagängen.“ Der Gedanke an kaltes Wasser erzeugt Stehhaare, aber Sauna klingt gut. Nur, wann? Die Stimmung droht zu kippen, also schnell weiterblättern. „Glücklichsein kann man trainieren.“ Da simma dabei. Nach einer beeindruckend langen Aufzählung prominenter Menschen mit Depressionen folgt ein Bericht über einen Therapeuten, der seinen Patienten mit Essstäbchen die Mundwinkel zum Lächeln hochzieht.

Ein prustendes Schnauben vom Hundekissen in der Ecke lässt mich darüber spekulieren, ob Hunde wohl Gedanken lesen können… und was eigentlich gegen üble Laune bei unseren Vierbeinern hilft. Leckerchen? Na klar, die gehen immer. Spaziergang und Spielzeug? Klassiker. Abgehakt. Online-Shopping? Schuhe? Wunschdenken.

Vor mein inneres Auge schiebt sich das Bild eines Hundehalters, der seiner Bordeauxdogge die Leffzen mit Essstäbchen nach oben schiebt: „Lach´ doch mal, Goliath.“ Ich spüre ein Kribbeln im Zwerchfell. Und dann das Theater mit den Holzspänen im hochflorigen Wohnzimmerteppich. Ein drucksendes Gluckern steigt in mir auf. Und jetzt: Finale. Während Frauchen die Späne aus dem Teppich pult, thront der vierbeinige Koloss mit kritisch-überlegenem Blick auf dem Sofa. Zwischen seinen Zähnen lugt noch ein winziger Rest Holzstäbchen hervor, den er – à la John Wayne – einem Zahnstocher gleich im Maul hin- und herflutschen lässt. „Hey, Baby, da links unter dem Couchtisch is´ noch was..“

Die eintrudelnde Restfamilie findet mich lachend am Küchentisch. In der einen Hand die Kaffeetasse, in der anderen das chinesische Essbesteck. Warum der Hund so verstört guckt? Keine Ahnung.

Erfolgsrezept Richtungswechsel

Nein, ich habe keine verbotenen Rauschmittel zu mir genommen. Ich habe lediglich festgestellt, dass mein Kopf nur deshalb rund ist, damit die Gedanken darin auch mal die Richtung wechseln können. Das macht Laune, gute Laune.
Außerdem kündigt der Wetterbericht „milde Temperaturen“ an.

Mal schauen, ob ich heute auf dem Markt die reizende kleine Oma wieder belauschen kann. Letztens befragte sie den Obstverkäufer: „Haben Sie vielleicht ´ne weiche Birne?“

3 thoughts on “Sich pudelwohl fühlen: Gute-Laune-Tricks für graue Tage”

  1. Jawoll, den Wecker meucheln und kreativ mit Essstäbchen werden – danke, hab wieder ein breites Grinsen im Gesicht trotz vorangegangener, heftiger Morgendusche beim Hundespaziergang…

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