Hilfe mein Hund jagt

Hilfe! Mein Hund jagt! – 8 Trainingstipps für Hunde mit Jagdleidenschaft!

Mal eben entspannt im Wald spazieren gehen und den Hund dabei frei laufen lassen? Schön wär´s! Sobald er ein Reh riecht oder ein Hase über die Wiese hoppelt, ist es vorbei. Wie in einer anderen Welt ist er dann. Da hilft kein Rufen, kein Leckerchen, kein gar nix. Nur warten, bis er wieder da ist. Aber ihn deshalb nicht mehr frei laufen lassen? Das ist doch gar nicht artgerecht! Doch welche Trainingsmethoden eignen sich, wenn mein Hund ein Jäger ist?

Die gute Nachricht: Unerwünschtes Jagen hat mit mangelnder Bindung an den Besitzer nichts zu tun. Die genetische Disposition des Hundes entscheidet darüber, ob er Interesse am flüchtenden Wild hat.
Das ursprüngliche Aufgabengebiet einer Rasse zu kennen, ist wichtig, um den richtigen Trainingsansatz wählen zu können. Orten, fixieren, anpirschen, hetzen, packen, töten, fressen – diese natürliche Verhaltenskette hat der Mensch durch Zucht verändert. Bestimmte Sequenzen wurden bei manchen Rassen hervor gezüchtet, andere wurden überlagert oder sind nur noch schwach vorhanden. So wurde etwa bei Windhunden das Hetzen, bei Border Collies das Anschleichen und Fixieren und bei Terriern das Packen und Töten besonders hervorgehoben.

Insbesondere die Jagdhunderassen sind, neben der Spezialisierung, darauf selektiert worden, zu apportieren, nachzusuchen, vorzustehen oder auch selbstständig Wild aufzuspüren.

 

Das Wesen dieser Hunde hängt von ihrer Bestimmung ab:

Auf Kooperation gezüchtete Rassen wie Retriever, Münsterländer oder Setter haben meist ein weicheres, nachgiebigeres Wesen und sind einfacher zu erziehen als „toughe“ Hunde, die für den Einsatz an wehrhaftem Wild gezüchtet wurden. Hierzu zählen insbesondere Terrier und Dachshunde, aber auch Weimaraner, Deutsch Drahthaar oder Deutsch Kurzhaar.
Doch auch Mischlinge können passionierte Jäger sein: Durch die Vermischung des Erbguts werden Komponenten zusammengebracht, die zu einem Hundetypus führen können, der sowohl territorial, als auch jagdlich motiviert ist. Die Erziehung macht das nicht gerade leichter.

 

Warum Jagdhunde und deren Mischlinge jagen, liegt auf der Hand, aber warum tun es auch andere mit genau der gleichen Begeisterung? Hunger ist dafür nur selten ein Grund, vielmehr steht hierbei die Ausschüttung von Glückshormonen im Vordergrund. Jagen ist selbstbelohnendes Verhalten. Es versetzt die Hunde in einen ähnlichen (Ausnahme-)Zustand, wie uns, wenn wir verliebt sind.
Umso schwieriger ist es deshalb manchmal auch, sie davon abzuhalten.

Doch wer bereit ist, daran zu arbeiten, dass sein Hund besser zu kontrollieren ist, kann einiges tun.

Hund auf der Jagd

8 Tipps, die helfen können, das Jagdverhalten beim Hund besser in den Griff zu bekommen

  1. Früh übt sich
    Wer mit seinem Welpen schon wilde Jagdspiele veranstaltet, Bälle oder Stöckchen wirft, der braucht sich nicht wundern, wenn dieser nicht nur keine Geduld hat, sondern später auch Wildtiere verfolgt. Hunde, die sich für bewegliche Objekte interessieren, unterscheiden nicht zwischen Spielzeug und lebenden Tieren. Für sie geht es um den Reiz.
  2. Warten lernen
    Ein Hund, der früh gelernt hat, auch mal warten zu können, bevor er seinen Willen bekommt, hat seine Emotionen besser im Griff. Das ist gerade für impulsiv-agierende Rassen wie Border Collies oder Australian Shepherds besonders wichtig.
  3. Aufmerksamkeit schulen
    Nicht nur im Haus, auch im Freilauf sollte der Hund immer wieder durch Lob oder Leckerchen dafür bestätigt werden, wenn er sich in Ihrer Nähe aufhält. Niemals sollte der Radius, in dem sich der Hund bewegt, zu groß werden.
  4. Der Hund muss während des Freilaufs ansprechbar bleiben
    Erzielt werden kann dies durch Futtersuchspiele, „Agility“ im Freien (auf Baumstämme springen lassen, etc), plötzliche Richtungswechsel, sich verstecken, wenn der Hund unaufmerksam ist, und Spaziergänge an der langen Leine, die sich dabei nie straffen sollte.
  5. Abbruch-Signal einüben
    Nur ein Hund, der sich hemmen lässt, wenn er einer Wildspur folgen will, lässt sich anschließend auch auf ein Alternativverhalten ein. Die wichtigste Lektion, die ein Hund mit Jagdpassion lernen sollte, ist ein zuverlässiges Stopp- oder Abbruchsignal. Dazu bedarf es einer einfachen Konditionierung. Verwendet werden kann hierzu beispielsweise eine Hundepfeife. Orientiert sich der Hund auf den Pfiff hin in Richtung seines Menschen, bekommt er ein sogenanntes Super-Leckerli. Wichtig: Damit das Abbruch-Signal auch zuverlässig in der Notsituation funktioniert, sollte es nicht inflationär oft gebraucht werden, sondern wirklich nur in wichtigen Situationen. Das Super-Leckerli sollte bei richtigem Verhalten grundsätzlich IMMER gegeben werden.
  6. Erregungsniveau im Auge behalten
    Jeder Hund kann lernen, dass er bekommt, was er möchte, wenn er kontrolliert mit seinem Menschen zusammenarbeitet. Dann darf er zum Beispiel auch mal ein Spielzeug apportieren, wenn er verknüpt hat, dass er die Beute erst bekommt, wenn er vorher wartet und Blickkontakt zu seinem Menschen aufnimmt.
  7. Rassedisposition nicht vergessen
    Wie weit ein Hund mit Jagdpassion im Freilauf kontrollierbar ist, hängt vor allem von seinem Erbgut ab. Je nach Fähigkeit des Halters bleibt unter Umständen nichts anderes übrig, als das Tier im Wald konsequent anzuleinen, und das womöglich ein Leben lang. Jagdliche Passion lässt sich nicht weg erziehen, sondern höchstens kanalisieren. Dabei helfen konsequentes Training und viel Geduld.
  8. Passenden Trainer finden
    Hundetraining kann zur Glaubenssache werden. Wichtig ist, dass die gewählten Trainingsmethoden zu Ihren Wertvorstellungen und Handlungsmöglichkeiten passen.

 

Hund beobachtet Ente

 

Warum kann Jagdverhalten gefährlich sein?

Wird ein Wildtier gehetzt, kann der Energieverlust, abgesehen von der Angst, seinen Tod zur Folge haben. Vor allem tragende oder geschwächte Rehe können verletzt, getötet oder in Zäunen hängen bleiben und verenden. Besonders leichte Opfer sind bodenbrütende Vögel. Auch ein jagender Hund ist Risiken ausgesetzt: Er kann sich mit dem Halsband oder Geschirr im Geäst verfangen, von Wildschweinen angegriffen oder beim Überqueren einer Straße überfahren werden. Kleine Hunde können sich verletzen, wenn sie in den Bau eines Wildtieres eindringen oder sogar verenden, weil sie in den engen Röhren stecken bleiben.
Nach wie vor gilt außerdem: In bestimmten Fällen dürfen wildernde Hunde abgeschossen werden.

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