Hund und Kind – Wenn Frauchen ein Baby bekommt..

Meist hat es der Vierbeiner schon längst in der Nase, bevor es durch den „Pipitest“, die ersten Ultraschallaufnahmen und das Aushändigen des Mutterschaftspasses amtlich ist: Frauchen ist schwanger. Und nun? Vertreibung aus dem Hundeparadies? Keineswegs.

Die hormonell bedingte Veränderung des Körpergeruchs hat hund schon früh wahr genommen, und viele Fellschnauzen scheinen sogar zu wissen, was diese Veränderung bedeutet. Es gibt Hündinnen, die für die Dauer der Schwangerschaft ihrer Leinenhalterin und die ersten Monate darüber hinaus nicht läufig werden. Das ist vor allem bei Hund- Mensch- Konstellationen zu beobachten, in denen die Führungsrolle durch den Zweibeiner klar und gefestigt ist.

Erst Mamas Bodyguard, dann Babysitter?

Wie in vielen anderen Lebenssituationen auch, spiegelt der Hund die Gefühlslage seiner Menschen wider. Ob verunsichert, besorgt, fröhlich entspannt oder aufgeregt – der Hund passt sich mit seinem Verhalten den erfassten Emotionen an. Je nach bisheriger Verbindung zu seinen Menschen und seinem caniden Charakter wird er noch anhänglicher oder fürsorglicher. Fellnasen, die schon zuvor gern gekuschelt haben, rücken noch näher heran. Hunde, die von Typ und Veranlagung her eher wachsam sind und Hütehundinstinkt haben, beginnen damit, ihr runder werdendes Frauchen auf mehr oder weniger intensive Weise „abzuschirmen“.

Je entspannter der Mensch, desto relaxter der Hund. Sogar Schritttempo und Entfernungsdistanz passt so mancher, vormals ungestümer Vierbeiner dem zunehmend langsamer werdenden und wankenden Mutterschiff auf den täglichen Gassirunden und Spaziergängen an. Viele schwangere Hundehalterinnen haben außerdem beobachtet, dass einstmals wohl gelittene Fellkumpel aus der Nachbarschaft nun nicht mehr so freudig begrüßt, ja, sogar deutlich knurrend aufgefordert werden, gefälligst Abstand zu wahren. Ein Verhalten, das der Hund nicht selten dann auch beim „Hüten“ und „Bewachen“ des Kinderwagens an den Tag legt. So lange er sich dabei nicht in eine tobende Furie verwandelt, die in ihrer Raserei womöglich noch den Kinderwagen umreißt, ist dieses Verhalten tolerierbar. Durch das souveräne Auftreten seiner Zweibeiner, die der Fellschnauze signalisieren „ICH bin der Chef-Aufpasser, alles gut!“, sowie mit zunehmendem Alter des Menschenkinds wird sich der Hund in seinem Security-Job stetig zurücknehmen und zu dem tollen Spielkameraden für den Nachwuchs werden, den die Eltern sich wünschen.

Nicht von jetzt auf gleich

Neun (eigentlich zehn) Schwangerschafts-Monate sind eine ausreichend lange Zeit, um alle Familienmitglieder auf die Ankunft des neuen Erdenbürgers vorzubereiten, eventuelle Kommunikationsdefizite zwischen Hund und Mensch zu klären (gegebenenfalls unter Zuhilfenahme eines Hundetrainers) und – soweit erforderlich – neue Regeln aufzustellen und einzuüben. Das kann das Nichtbetreten des zukünftigen Kinderzimmers sein genauso wie das Nicht-mehr-auf-das-Sofa-springen- Dürfen oder ein intensives Nicht-aufnehmen- Training. Letzteres soll später sicher stellen, dass der Vierbeiner nicht das Spielzeug des Babies als seines betrachtet.
Die Sorge vieler Hundehalter, dass der vierbeinige Familienkamerad sich zurückgesetzt fühlen könnte und eifersüchtig, vielleicht sogar aggressiv auf den Neuankömmling reagiert, kann bei sehr verwöhnten Einzelhunden schon mal begründet sein. Auch hier hilft das „Distanztraining“ (s. wie vor), den Hund auf seine neue Position in der Familie vorzubereiten. Erst der Mensch, dann das Tier – das ist die Grundregel. Haushalte, in denen zwei oder mehr Hunde leben, müssen sich grundsätzlich weniger Gedanken machen. Man hat sich arrangiert. Keiner spielt ständig die erste Geige, niemand kommt zu kurz.

Never change a winning team

Wer sowieso schon eine klare Mensch-Hund- Führungsstruktur eingerichtet hat, muss sich vermutlich auch mit Einzelhund nicht groß den Kopf zerbrechen. In diesen Konstellationen kann der Hund in der Regel getrost ins Kinderzimmer gehen oder weiter auf seinem Sofaplätzchen liegen, ohne dass dem Baby etwas geschieht. Im Gegenteil: Die meisten Hunde beweisen einmal mehr ihre Instinktsicherheit, indem sie sogar Frauchen und Herrchen „alarmieren“, wenn Baby in seinem Bettchen unruhig wird oder – es ist zum Mitquietschen – beginnt zu weinen. Kann der Hund in die Nähe des Babies, ist oftmals zu beobachten, dass er sich neben Bettchen oder Wiege oder direkt daneben legt, um das Kind durch seine Nähe zu beruhigen. Vorwurfsvolle Blicke treffen dann nicht selten das herbeieilende, natürlich nur wenige Meter entfernte Elternteil, wo es denn so lange bleibt.
Doch eines ist bei allem berechtigten Vertrauen in den gut sozialisierten Hund zu beachten: NIE einen Hund mit einem Baby oder einem Kleinkind allein lassen! Auch beim dringend erforderlichen Hüpfer unter die Dusche muss sicher gestellt sein, dass der Hund nicht an das Kind herankommt: Baby-Wippe mit ins Bad, Tür zu, Hund in sein Körbchen oder aufs Sofa. Vielleicht mit einem Kauknochen als Zeichen: „So, Du hast jetzt auch mal eine Pause verdient. Mach´s Dir gemütlich.“

Ich kann Dich gut riechen

Bevor jedoch Frauchen mit dem Baby aus dem Krankenhaus heimkommt, kann dem vielleicht etwas verwirrten Vierbeiner eine Geruchsbotschaft zur bevorstehenden Ankunft des neuen Menschlings übermittelt werden: Sowohl das T-Shirt oder Hemd, das bei der Entbindung von Frauchen getragen wurde, wie auch ein Tuch, in welches das Baby eingewickelt war, wird dem Hund zum ausgiebigen Beschnuppern überlassen. Manche Halter schwören auf volle Babywindeln…  kann man machen.

Wenn bald darauf die vermisste Zweibeinerin mit dem neuen, winzigen Zweibeiner nach Haus kommt, ist eigentlich schon alles klar: Die Gerüche sind bekannt – vor allem in Verbindung der beiden Menschen miteinander.
Die Babyschale wird vor dem artig wartenden Hund abgestellt und auf Kommando darf er sich dem kleinen Wesen, das so bekannt riecht, nun auch vorsichtig nähern und es beschnuppern. Durch dieses kontrollierte Begrüßungsritual wird dem Hund signalisiert „Das ist meins! Ich bestimme, ob und wie weit Du heran darfst! Geh respektvoll und behutsam damit um!“ Meist ist es sehr anrührend zu beobachten, wie zurückhaltend und doch neugierig sich die Hundenase dem neuen Familienmitglied nähert – während die Rute im Propellermodus wackelt. Und natürlich muss der Hund, der sich in seiner wirklich unbändigen Neugier und Freude extrem kontrolliert, durch Lob und Streicheln aus seiner Anspannung gelöst werden. „Jetzt sind wir alle wieder zusammen. Und sogar noch einer mehr. Ist das nicht toll?! Wir alle. Wie schön! Du machst das so fein. Du bist klasse!“ Und dann gibt es herzliche Knuddler, vielleicht sogar ein paar Freude-Leckerchen. Die Familie ist komplett und die Hundewelt wieder in Ordnung. Nur eben noch einer mehr zum Liebhaben.
Passt schon.

Selbstverständlich ist der Hund vor Ankunft des Babies zum großen Gesundheits-Rundum-Check beim Tierarzt vorgestellt worden, schleppt keine ungebetenen Gäste mit sich herum und ist nötigenfalls frisch entwurmt.

Wird das Kind zuhaus geboren, ist es sinnvoll, die befellten Familienmitglieder für die Dauer der Hausgeburt in die Obhut vertrauter Menschen zu übergeben – außer Hör- und Riechweite des Ereignisses.

 

One thought on “Hund und Kind – Wenn Frauchen ein Baby bekommt..”

  1. Haben unsere Mia zuerst einmal zu meinen Schwiegereltern gebracht und sie dann nach und nach an das Baby gewöhnt. Jetzt sind die Beiden unzertrennlich 🙂

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