hunde-strand-urlaub.jpg

Hunde-Strand-Urlaub

Der Abstand zwischen dem Hundeparadies und dem Vorhof zur Hölle für Hundehalter beträgt in etwa eine Hundehälfte. Heißt: Ungefähr bis zur Mitte seines Bauches hat hund die Grenze in die falsche Richtung übertreten und schon tönt es dem hinterher sprintenden Halter entrüstet bis deutlich aggressiv entgegen:

„Hier ist für Hunde verboten! Haben Sie das Schild nicht gesehen?!“ hunde-strand-urlaub-4.jpg
Äh, ja, ich schon. Aber mein Hund kann leider nicht lesen. „Das ist ja wohl..“ Was auch immer. Das Meeresrauschen übertönt die kakophonen Wortfetzen, und Frauchen, die weder Lust noch die Zeit für ein unerquickliches Pläuschchen hat, folgt weiter dem fröhlich dahinstürmenden ignoranten Analphabeten. Im Joggingmodus über den heißen, schwergängigen Sand. Von bitterbösen Blicken verfolgt. Endlich bleibt das blöde Viech stehen. Fehler bemerkt? Mitnichten! Ball entdeckt. Kinderball. Nein, nein, neiiiiiiiin. Zu spät. Das bunte runde Etwas ist nicht mehr rund. Ich bin tot. Wütende Kleinkindeltern mit drohend geschwungenen Babyschaufeln verfolgen mich, während ihre krakeelende Brut mich mit Sand und Steinen bewirft, bis ich schließlich wild um mich schlagend…. aufwache.

Der Blick aus dem Fenster fällt auf das im hellen Morgenlicht gleißende Meer. Der zweite Blick gilt einem braunen Augenpaar, dessen Besitzer schon darauf wartet, dass der Zweibeiner sich nun aber mal schnell in den Sweater wirft, in die Flip-Flops schlüpft, den Spiegel ignoriert, die Leine schnappt und noch im Halbschlaf den Bestand an Poobags in Jacken- und Hosentasche checkt. Nimm zwei. Besser is das. Halb sechs. Auf geht´s zur Morgenrunde an den Strand. Und da trifft man sie wieder. Die, mit denen man den herrlichen Hundestrand und in stummer Eintracht die Erkenntnis teilt, dass die auf der anderen Seite der Grenze ganz schön bekloppt eng an eng da herumliegen. Und alles nur, weil sie den Strand „für die Gäste mit Hund“ nicht betreten möchten. Das darf auch gern so bleiben.

hunde-strand-urlaub-6.jpgWährend nämlich das schönste Sommerwetter seit Langem und die Ferien in mittlerweile allen Bundesländern zur massiven Belagerung der Strände an Nord- und Ostsee einladen, sind ausgerechnet jene Strandabschnitte die erträglich belegten, die als Hundestrände ausgewiesen sind. Ärgern sich Hundebesitzer sonst über die vielen Vorurteile, mit denen sie konfrontiert werden, haben sie hier nun gar kein Interesse daran, darüber aufzuklären, dass der Hundehalter selbst sehr genau darauf achtet, dass eben KEINE Hundehaufen „seinen“ Strand verunzieren. Das gilt auch für den Strandnachbarn, dem umgehend aus mehreren Strandkörben und Strandmuscheln zahlreiche Hände mit Kotbeuteln entgegen winken, sollte die Fellschnauze von seiner zweibeinigen Regierung unbeobachtet ein Geschenk abgelegt haben. Wenig subtil zwar, aber höchst wirksam.

Der Territorialanspruch vieler Hunde gewährleistet Abstand zwischen den einzelnen Strandplätzchen und – auch hier funktioniert das Korrektiv der Gruppe – veranlasst Halter von Raufbolden und ständigen Pöblern diese an die Leine zu legen. Was bis dahin geflissentlich ignoriert wird: Grundsätzlich besteht auch an den Hundestränden der meisten Urlaubsgemeinden Leinenpflicht, deren Einhaltung besonders in der Hauptsaison gern mal von Vertretern der Kurverwaltungen überwacht wird. Allerdings wurde bis dato noch nicht von Ordnungshütern berichtet, die vierbeinigen Regelbrechern ins Wasser nachsprangen… Und mal ehrlich: Ist es nicht ein herrlicher Anblick, wenn sich Hunde voller Begeisterung in die Fluten stürzen, um Bälle oder anderes Schwimmspielzeug zu „retten“?! Von den Ausdauerschwimmern aus der Gruppe der Retriever bis hin zu den ein bisschen zögerlichen Niederläufern, die eher das Flachwasser bevorzugen. Und immer wieder das Erstaunen darüber, wie verträglich die vielen Hunde miteinander sind. Nur äußerst selten sind wirklich ernsthafte Beißereien zu beobachten.

Wer keinen Strandkorb ergattern konnte, an dem er den eigenen Fellkumpel fixieren kann, trägt praktischer Weise einen Bodenanker oder eine Sonnenschirmstange mit an den Strand. Überhaupt ein bisschen autarker in Sachen Platzwahl ist der Hundehalter, der eine Strandmuschel sein eigen nennt.

Ein faltbarer Wassernapf ist schnell in der Strandtasche verstaut, das dazugehörige Trinkwasser lässt sich allerdings nicht gewichtreduzieren. Der eine oder andere Hund transportiert seinen Vorrat in seinem Wandergeschirr schon selber. Letzteres eignet sich übrigens bestens für die Hundewandertouren, die bereits viele Urlaubsorte für ihre Gäste mit Hund organisieren. Ein Nachfragen bei den Touristinformationen lohnt sich. Auch Hundesportangebote und Trainingskurse finden sich schon in zahlreichen Veranstaltungsplänen. Hundeauslauf bis zum Horizont garantieren die frühen Morgenstunden und die Nebensaison allemal.

Auf Campingplätzen und Strandwegen gilt die Leinenpflicht. Selbstredend sorgt jeder Hundehalter für die Beseitigung der Hinterlassenschaften seiner Fellnase. Mit den Beiträgen, die für die vierbeinigen Gäste erhoben werden, stellen Urlaubsgemeinden und Campingplatzbetreiber sicher, dass in passablen Abständen regelmäßig gewartete Kotbeutelspender und Mülleimer stehen. Wem also die eigenen Beutel ausgehen, kann sich nicht mehr damit herausreden, dass er „gerade den letzten benutzt“ hat. Sowieso sind alle Kleidungsstücke schon vor Urlaubsantritt entsprechend munitioniert. Besonders schicke Kotbeutelbehältnisse machen es dem Halter noch leichter, seinen „Beseitigungswillen“ gut sichtbar zu dokumentieren.

Mit abgearbeiteter Packliste und Hunde-Reiseapotheke für alle Eventualitäten gerüstet, steht einem tollen Strandurlaub mit Hund nichts mehr entgegen. Selbst ein paar Schlechtwettertage verderben Halter und Hund nicht die Urlaubslaune, denn sie sind ja nicht nur Gutwetter-Teams!

.. und fallen abends glücklich und erschöpft in Körbchen und Bett mit Eindrücken von einem traumhaft schönen Sommerurlaub mit Hund… 

🙂

hunde-strand-urlaub3.jpg

(Fotos: Stock, privat)

12 thoughts on “Hunde-Strand-Urlaub”

  1. Wirklich schön geschrieben 🙂 Wir sind mit unseren Hunden leider noch nicht bis ans Meer gekommen, jedoch erkunden wir vor allem im Sommer viele Seen in der Region. Hundestrände gibt es da leider nur recht selten, aber mit ein wenig Wanderfreude entdeckt man doch immer mal wieder ein paar Seen, an denen Hunde erlaubt sind und sich „Nicht-Hundebesitzer“ selten hin verirren 🙂 …und damit ist es dann fast wie im Urlaub 🙂

    LG
    Jasmina

  2. waren jetzt mit unserem hund eine woche an der ostsee ,an unserem strand gab es doch sage und schreibe 20m hundestrand ,der bevölkert wurde von zweibeinern ohne hund mit kindern und wenn unserer dann auf dem weg vom wasser zur decke mal ein fremdes handtuch streifte dann gab es gleich alarm,aber am besten war immer der satz“ ich hab angst vor hunden“ na dann leg ich mich ja auch an den hundestrand.gott sei dank haben wir dann noch einen strand gefunden wo hunde,kinder,rentner und fkkler in friedlicher koexistenz leben.lg ivetta

  3. Also ich kann nur hier von Leipzig aus berichten, aber als Hundebesitzer kann man sich hier nicht beschweren…Strände und Seen ohne Ende, überall ausgeschriebene Hundestrände, die großzügig verteilt sind und selbst mit ängstlichen Hunden die nicht gerade für einen Hundestrand geeignet sind, kann man auch an ,,Nicht-Hundestrände“ gehen ohne Probleme zu haben…
    Bezüglich Ostsee kann ich nur empfehlen, sich im Vorfeld zu informieren wo die besten Hunde-Badestellen sind, wir hatten Glück und hatten einen Hundestrand direkt vorm Hotel, der Abschnitt war groß und wirklich leer, ein paar hundert Meter weiter war es rappelvoll und die Leute die die entspannte Stimmung und Ruhe bei uns ,,Hundeleuten“ genießen wollten waren herzlich willkommen, WENN sie sich entsprechend ,,benahmen“:-) Also was Ivetta schreibt finde ich echt megafrech und ich würde diese Leute sofort des Platzes verweisen- mit ALLEN Mitteln…ist ja noch schöner: betreten eine Hundewiese oder Hundestrand und beschweren sich über Hunde???? Ich würde entweder laut lachen oder bestimmend darauf hinweisen, dass es besser wäre zu gehen:-)
    Urlaub und Baden mit Hunden ist eh das Tollste und das sollte man sich von niemandem kaputt machen lassen:-)

  4. Schöner Artikel. Ich fahre demnächst selber zum ersten Mal in den Strandurlaub mit unseren Welpen. Da waren auch ein paar gute Tipps im Artikel, an so was wie einen Bodenanker für den Strand denkt man ja sonst nicht 🙂 Danke dafür.

  5. Wir fahren mit unseren Hunden seit Jahren auf holländische Inseln- Ameland, Vlieland, Terschelling. Dort gibt es keine Beschränkungen für Hundebesitzer und alle sind entspannt. Jeder macht seinen Dreck weg und achtet darauf, dass die Hunde niemanden belästigen, aber sonst genießen alle an allen Strandabschnitten gemeinsam die See.

  6. Es ist wunderbar, das heute wir alle die Möglichkeit mit dem Hund neben dem Wasser sich zu erholen haben. Neue Erholungszone für Hundelieber werden immer mehr beliebt. Meine Nachbarin hat in die Schweiz mit dem Hund zur Erholung gefahren. Ich habe die Bilder gesehen – sehr eindrucksvoll!!! Ich möchte auch irgendwo mit meine Linda zu fahren! Vielen Dank für Artikel!

  7. Ich liebe es mit meinem Hund Urlaub zu machen und noch mehr wenn die Orte tolle Möglichkeiten geben es einem gemütlich zu machen mit seinem besten Freund! Zum Beispiel gestern haben wir einen kleinen Ausflug zum Gardasee mit unserem „Leo“ gemacht, es war sehr toll zu sehen wie er sich im Wasser amüsiert während wir es uns auf der Sonnenliege bequem gemacht haben!!

    Danke für deinen Beitrag, ich hoffe er hat die Welt noch ein bisschen hundefreundlicher gemacht!

    Franzi

  8. Für uns gibt es ebenfalls nichts schöneres, als mit der gesamten Familie in den Urlaub fahren zu können. Da unsere Hunde definitiv zur Familie gehören, müssen Sie immer dabei sein. Wir können es uns nicht vorstellen, ohne unsere Lieblinge zu verreisen. Die gesetzlichen für Hunde in der Öffentlichkeit sind jedoch in manchen Ländern erheblich härter. Dort müssen Hunde teilweise mit Ganzkörper-Geschirren und Maulkörben versehen sein.

  9. Hallo, gute Stichwort, mit der hunde reiseapotheke. wir sind jedes jahr 2x an der ostsee, einmal frühling und einmal winter. unsere quirlige franz. bulldoge, muffin, flippt total aus für freuede wenn sie das meer sieht. und durch den sand rennen kann. wir haben in einem urlaub das hund notfallset vergessen, und wie es dann immer so ist. unsere süße hatte schlimme magen probleme. daraus haben wir gelernt…

  10. Für einen Urlaub am Strand mit Hund braucht man meiner Meinung nach mehr als einen abgegammelten Ast zum spielen. Ich denke, dass ein vernünftiges Schwimmspielzeug hier das richtige sein könnte!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.