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Mantrailing: Nicht nur Hundesport, sondern eine Passion!

Mit erschrockenen Gesichtern schauen Passanten auf die Frau, die an viel zu langer Leine von einem offensichtlich viel zu starken Hund durch die gut besuchte Fußgängerzone gezerrt wird. Von den Lefzen des großen Rüden trieft der Geifer, während er sich ins Geschirr wirft und die Frau am anderen Leinenende kaum mit ihm Schritt halten kann.

Die Situation wirkt zunehmend unkontrollierbar, und Beobachter schlagen sich bestürzt die Hand vor den Mund, als das kräftige Tier gezielt auf einen unbeteiligt wartenden Mann zustürmt und diesen dann mit einer Wucht anspringt, dass der so Bedrängte beinahe zu Boden geht. Was dann folgt, ist für die meisten Zuschauer überhaupt nicht mehr nachvollziehbar: Mann und Frau loben freudestrahlend und überschwänglich den vierbeinigen Aggressor und bieten ihm Futter und Wasser an.

Solche und ähnliche Szenen sind derzeit immer häufiger in Deutschlands Städten zu beobachten. Mantrailing ist beinahe schon zu einer Art Bewegung geworden: Wer diesem Hund-Mensch-Hund- Zusammenspiel einmal verfallen ist, bleibt dessen Faszination erlegen … und „infiziert“ andere.

Mantrailing –  was ist das eigentlich?

Ein Mantrailer, zu Deutsch: Personensucher, ist ein Hund, der ausgebildet wurde, dem Individualgeruch eines Menschen bis zu dessen aktuellem Aufenthaltsort zu folgen.
Dabei ist das „Trailen“ eine deutlich andere Arbeit als die des hierzulande bisher besser bekannten Fährtensuchhundes. Wer unter Mantrailern von einer „Fährte“ spricht, erntet sofort hoch gezogene Augenbrauen und, bestenfalls, irritierte Blicke. Der unwissende Neuling – entlarvt.

Unterschiede: Fährtensuchhund und Personenspürhund

Die Nasenarbeit des Fährtensuchhundes unterscheidet sich von der des Personenspürhundes darin, dass er gegenständliche Hinweise wie etwa Kleidungsstücke, Kot oder Blut des Vermissten, und Bodenverletzungen, also beispielsweise nieder getretene Gräser und kontaminiertes Laub, und zertretene Kleinstlebewesen wie Schnecken oder Käfer anzeigt. Nicht die Verursacher solcher Fährten sind also sein Suchziel, sondern Hinweise und Gegenstände, die von den „Abgängern“ hinterlassen wurden und damit Aufschluss über deren Verbleib geben und darüber, was ihnen wohl  zwischenzeitlich zugestoßen ist.

Die Aufgabe des Personenspürhundes ist es, ausschließlich den Vermissten als Ziel anzuzeigen.

Der Fährtenhund folgt also einer für den Menschen in Teilen sichtbaren und der Mantrailer einer unsichtbaren Spur. Wobei sich beide ihres ausgezeichneten Geruchssinns bedienen. Wir Menschen mit unseren vergleichsweise kümmerlichen 10 bis 30 Millionen Riechsinneszellen werden wohl niemals, nicht einmal annähernd, nachvollziehen können, was beispielsweise ein Beagle mit seinen rund 300 Millionen Zellen aus der Umgebungsluft erfassen und filtern kann.

So arbeitet ein Mantrailer

Da jeder Mensch einen einzigartigen Individualgeruch hat, ist dieser vom Mantrailer zunächst eindeutig zu identifizieren und dann aus anderen Duftquellen heraus zu filtern, um anschließend nur diesem einen Geruch zu folgen. Dafür wird dem Hund eine Geruchsprobe auf einem so genannten „Scent“, dem Geruchsprobenträger, präsentiert. So „informiert“ erschnüffelt der Mantrailer dann aus der Umgebung die identischen Duftpartikel und folgt ihnen.

Pro Tag gibt jeder Mensch durchschnittlich etwa ein bis eineinhalb Gramm erschnupperbares Hautzellmaterial in seine Umgebung ab. Klingt wenig, entspricht aber ungefähr der Menge von zwei mit Hautschüppchen gefüllten Fingerhüten. Für die Nase des vierbeinigen Personenspürers sind schon wenige Hautschuppen eines gesuchten Menschen ausreichend, um dessen Spur aufnehmen zu können.

Weitere unverwechselbare Spur- Komponenten sind ausgefallene Haare und Körperausdünstungen wie verbrauchte Atemluft und Schweiß, die der Gesuchte wie eine für den Hund gut wahrnehmbare Schleppe hinter sich herzieht. Mit Hautschuppen und Haaren hinterlässt das Suchziel zusätzlich Bakterien, die den menschlichen Körper in individueller Zusammensetzung besiedeln. Sie sind ursächlich für die Zersetzung von Haut- und Haarzellen – ein biochemischer Prozess, anhand dessen erriechbarem Fortschritt der suchende Hund einen frischen Trail von einem alten unterscheiden kann. Idealer und logischer Weise folgt das Nasentier Hund nun der frischen Spur.

Kann mein Hund trailen?

Es gibt nur wenige Hunde, die nicht zum Trailen geeignet sind. Selbst „Plattnasen“ wie Bulldoggen und Möpse können, trotz ihrer verkürzten Nasengänge, hervorragende Personensucher sein. Allerdings hapert es dann mitunter an der Ausdauer, da mit den verkürzten Vorgesichtern dieser Rassen oft eine Kurzatmigkeit einhergeht, die den Einsatz für eine ausdauernd lange Suche verhindern kann.

Wer mit seinem Hund trailen möchte, kommt nicht umhin, sich zumindest Grundlagenwissen über den Geruchssinn des Hundes anzueignen. Immerhin ein Achtel von dessen Gehirn ist mit der Analyse des Erschnüffelten, der Bewertung und der Initiierung der daraus resultierenden motorischen Abläufe befasst.

Die Ausbildung zum Mantrailer beginnt, lange bevor der Hund zum ersten Mal sein Suchgeschirr angelegt bekommt. Da Personenspürhunde überwiegend im urbanen Raum arbeiten, ist zunächst die solide Gewöhnung an die reizstarke städtische Umgebung das A und O jedes Mantrailing- Trainings. Ein trailender Hund darf sich nicht durch Hupen, plötzlich überholende und klingelnde Radfahrer, scheppernde Müllwagen, große Menschenmassen, quietschende Fahrstühle oder Ähnlichem von seiner Arbeit ablenken lassen. Wer trailen will, kann schon den Welpen an diese Reize gewöhnen. Und wenn es dann doch nicht mit dem Mantrailen klappen sollte: Ein von klein auf an Umweltreize gewöhnter Hund ist schließlich auch im „normalen“ Alltag ein ausgeglichenerer Begleiter.

Menschen sind das Größte

Ein Man-trailender Hund muss in jedem Fall eine besonders ausgeprägte Eigenschaft besitzen: Menschen müssen für ihn das erstrebenswerteste Ziel sein, das es gibt.
Keine Sorge, diese Begeisterung kann beinahe jedem Hund durch Spiel mit möglichst vielen verschiedenen Menschen „antrainiert“ werden. Warum Begeisterung für Menschen so wichtig ist? Aus ihr resultiert später der absolute Wille zum Finden. So ist zum Beispiel bei passionierten, triebstarken Rettungshunden zu beobachten, dass sie bis zur Erschöpfung suchen würden, um ihre menschliche „Beute“ zu finden.
Die Aufgabe des Hundeführers wiederum besteht darin, seinen trailenden Hund „zu lesen“. Das setzt eine besonders enge Bindung zwischen Hund und Halter voraus sowie die – erlernbare – Deutung der vielen Signale, die der Vierbeiner durch Verhalten und Körperhaltung aussendet.

Wer nun ebenfalls den Drang verspürt, sich und seine vierbeinige Spürnase zu echten Personensuchern zu machen, kann schon einmal nach einer Hundeschule oder, für noch Engagiertere, einer Rettungshundestaffel Ausschau halten, die Mensch und Hund zu Mantrailern ausbildet.

Tipps für die richtige Auswahl eines Mantrailing-Trainers hier im 2. Teil.

Übrigens: Es gibt auch Pettrailer – Teams aus Mensch und Hund, die nach vermissten Tieren suchen. Ein solches Team werden wir bald vorstellen.

 

8 thoughts on “Mantrailing: Nicht nur Hundesport, sondern eine Passion!”

  1. Toller Artikel, habe mit meinem Hund schon eine suchundeausbildung als auch ein mantrailing Seminar gemacht, es ist einfach toll diese Zusammenarbeit als Team, sehr gute Beschreibung der Arbeit, freu mich schon für den nächsten Artikel.
    Lg Helga Lenotti

  2. Mantrailing macht wirklich sehr viel Spaß und man kann damit auch die jüngeren Familienmitglieder motivieren, entweder als Trailer oder als zu Suchender mit dabei zu sein.

  3. Mantrailing ist ein super Hundesport. Der Hund wird gefordert, lernt dabei noch etwas, bekommt eine super Bestätigung für sein Können und für das Herrchen ist es ein gutes Fitnesssprogramm.

  4. Wir sind auch in Sachen mantrailen (K9) mit unseren beiden Englisch Springer Spaniels aktiv. Den Hunden und auch den HF macht dies extrem viel Spaß. Nur weshalb die Hunde so extrem schnell suchen verstehe ich nicht. Auch unser jazz, welcher als Junghund ca. 1 Jahr Flächen/Trümmersuche beim THW gelernt hat hat relativ schnell Spaß am Trailen gefunden. Nur wenn er vom gefundenen Opfer nicht sofort seine Belohnung bekommt, dann stellt er auf „Verweisen“ um, d.h. er bellt so lange bis er etwas bekommt.
    Nach 2 Trainingstrails sind die Hunde in der Regel zufrieden und glücklich.
    Mantrailen kann ich nur empfehlen, natürlcih hängt auch dabei viel wie immer auch vom Trainer/in ab.

  5. Auch wir sind seit geraumer zeit dem “ Trailfieber“ erlegen
    wobei es egal ist ob es sich um eine Person oder ein Tier handelt
    Leider gibt es noch viele Leute denen es nicht passt wenn mal vor ihrer Wohnung auf dem Gehweg eine Übungseinheit statt findet
    „Der Gehweg ist ja kein Übungsgelände und so etwas wird nicht gebraucht “
    Solche Aussagen sind leider häufig zu hören was ich sehr schade finde

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