Oktoberfest – eine Mordsgaudi! Oder?

„O`zapft is!“ jodelt es bald wieder aus Festzelten und Biergärten von Bayern bis Ostfriesland. Weiß-blaue Bierseligkeit bis in die entlegensten Zipfel Deutschlands. Süßer Senf und Weißwurst schmecken eben auch in steifer Brise an der Nordsee oder in der herbstlichen Luft an der Lausitzer Neiße. Glücklich, wer einen Sitzplatz ergattert. Doch wohin mit „Aiko“ und „Bella“?

Stell´ Dir vor, es ist Kirmes – und jeder geht hin

Da sitzt er nun, der Begleiter. Unterm Tisch oder unter der wackeligen Bierbank. Und um ihn herum nichts als Beine. Stuhlbeine, Tischbeine, bestrumpfte, behoste, scharrende, schlurfende, zappelnde,  ineinander verschränkte, übereinander geschlagene Beine. Am schlimmsten sind die, die sich in seine Richtung ausstrecken. Ihn anschubsen, mal nur ganz leicht, aber manchmal auch recht grob. Ruhiges Plätzchen für´s „Viecherl“? Fehlanzeige. Schließlich passt nicht jeder in eine Handtasche. Und die vielleicht sogar mitgebrachte Hundedecke stellt leider auch keinen Schutz vor weniger rücksichtsvollen Zweibeinern dar. Vom Lärm ganz zu schweigen.

Ein gut sozialisierter Hund ist zwar durchaus gewöhnt an das Auftauchen fremder Menschen und Artgenossen, ebenso wie er vorbildlich Einkaufengehen und Auto-, Bus- und Bahnfahrten begleitet, doch geballte, lärmende Menschenmassen bereiten auch dem best angepasstesten Hund enormen Stress. Der, der platt auf dem Boden liegt, ist nicht etwa taub, geruchsunempfindlich und tiefenentspannt. Er hat schlichtweg resigniert und lässt alles über sich ergehen.

Weniger ist mehr

Dass es auch anders geht, beweisen die feierfreudigen Hundehalter, die sich von vornherein gegen die Mitnahme ihrer vierbeinigen Mitbewohner entscheiden. Und ist der Hund dabei, wenn sich  spontan ein Festplatzbesuch bietet, dann wird dieser entweder vertagt oder ein ruhigeres Fleckchen für geselliges Beisammensein gewählt; der kleine Kreis dem großen Getümmel vorgezogen. Weit weg von Schuhplattler, Blaskapelle und Lautsprecherboxen. Vorher gab es selbstverständlich einen ausgedehnten Spaziergang, und der Wassernapf ist in Hundereichweite. Eine vor Bodenkälte isolierende Decke in einer dunkleren Ecke unter der Bank ist dann ein gern angenommener Rückzugsort.
Auch die neugierigen Vertreter ihrer Art, die lieber direkt am Gang liegen, dürfen ruhig und bestimmt auf diesen Platz verwiesen werden. Allzu oft nämlich wird aus dem „am Gang liegen“ ein geschickt vorbereitetes „im Weg liegen“. Stolperfalle für Servicekräfte und Ärgernis für weniger hundebegeisterte Gäste. Wer außerdem Artgenossen auflauert, um entweder mit ihnen anzubändeln oder sie lautstark zu bepöbeln, gehört erst recht nicht in die „front row“.

Fällt Dir mal die Wurst vom Teller, bück´ Dich nicht, der Hund ist schneller!

Dieser Grundsatz mag in der eigenen Küche, besonders in einem Haushalt mit Kindern, durchaus für Heiterkeit und weniger häufigen Einsatz von Staubsauger und Wischlappen sorgen; in der aushäusigen Gastronomie dagegen findet er nur bedingt bis gar keinen Anklang. Für ein gegenseitig wohlwollendes Mit- und Nebeneinander von Mensch und Hund in Restaurant, Hotel und Biergarten ist die gute Hundeerziehung zweifellos eine unerlässliche Voraussetzung. Und was vom üppigen Mahl übrig bleibt, wandert nicht per diskreter Handreichung ins Hundemaul, sondern in die mittlerweile auch in Deutschland als gesellschaftsfähig akzeptierte „Doggiebag“. Wobei der Inhalt eben nicht als späterer Futtergang für den Hund gedacht ist.

Das größte Kompliment für den erfolgreich angewandten Restaurant-Knigge für Fellschnauzen streichen übrigens jene Mensch-Hund-Gespanne ein, denen beim Aufbruch verdutztes Gemurmel von den Nachbartischen folgt: „Ach, schau mal, da war ja die ganze Zeit ein Hund.. .“

Oktoberfest mit Hund – do it yourself

Wer nun gar nicht auf das besondere Herbst-Highlight Oktoberfest verzichten möchte, wohl aber auf die Herausforderung, die Frage nach „Hund mitnehmen oder zuhause lassen?“ entscheiden zu müssen, ohne dass ihn anschließend so oder so das schlechte Gewissen plagt, der macht sich eben selber ein Oktoberfest. Im Garten. Mit Kürbisschnitzen und Apfelpflücken und viel Bewegung an der frischen Luft für alle und eintrittsfrei. Nach getaner Arbeit gibt es Haxn und Hendl, Radi und Reiberdatschi aus der eigenen Küche, dazu Fassbier und „a zünftige Musi“ – ganz nach dem Geschmack des Gastgebers.

Während dann vielleicht noch gewalzt oder abgerockt wird, zieht sich ein Mitbewohner ausgetobt und entspannt auf sein eigenes gemütliches Ruheplätzchen zurück. Das Rudel in der Nähe wissend. „O´zapft is? Mir wurscht.“

Anmerkung: Sowohl auf der Münchner „Wiesn“ wie auf dem Hamburger „Dom“ und der Cannstatter „Wasen“ ist das Mitführen von Hunden untersagt. Diese Beispiele dürfen gern Schule machen.

2 thoughts on “Oktoberfest – eine Mordsgaudi! Oder?”

  1. zum Glück bin ich kein Oktoberfest-Liebhaber und muss mich mt solchen " Problemen" nicht befassen. Dass das Mitführen von Hunden auf solchen Events verboten ist, sollte sich ja wohl von allein verstehen- denkt man immer, aber Beispiele wie der Heidepark Soltau belehrten mich schon eines Besseren…

  2. Hunde gehören, nicht auf Volksfeste, dass ist Tierquälerei. Mir tun die Hunde bei der Pferd und Jagd schon immer leid. Die Luft in den Hallen ist zu warm und auch dort ist es sehr laut. Es nimmt ja hoffentlich auch keiner sein Baby mit zur Wiesen.

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