Lustig, albern, erstaunlich oder erschreckend: Selfies mit Hund

Ein neuer Trend schwappt über den großen Teich. Mal wieder. Doch diesmal geht es nicht um eine neue Erziehung für Hunde (vom Hundeflüster-Gott persönlich empfohlen), nicht um total verrückte Dogfrisuren und die dazugehörigen Wettbewerbe und auch nicht um die Prämierung des möglichst hässlichsten Hundes.

Es geht um harmlose Fotos, die frisch-fröhlich bei Facebook, Twitter, Tumblr oder Google+ hochgeladen werden, um sie mit der ganzen Welt zu teilen: Selfies. Portraits mit und ohne Hund (aber mit Hundegesicht), vom Hund oder während die Hunde in peinlichen Posen hinter einem irgendwas machen, zum Beispiel ihr Geschäft. Lustig? Das ist Ansichtssache.

Jeder kennt sie, jeder findet sie mehr oder weniger witzig, aber kaum jemand weiß, wo und wie diese Bilder zu finden sind. Geschweige denn, wie man selbst welche knipst. Das Netz ist voll von „guten Fragen“ nach der besten Möglichkeit, sich selbst und seinen Hund mittels Selfie in Szene zu setzen oder lächerlich zu machen. Je nachdem. Bei der Recherche bin ich über zahlreiche Seiten gestolpert, die mit meiner eigentlichen Suche nach den „Human Dog Faces“ und den „Hunde Selfies“ nichts zu tun haben, die ich aber dennoch niemandem vorenthalten möchte. Die Links sind unter dem jeweiligen Selfie-Thema fein säuberlich geordnet – zum Anklicken, Angucken, Nachlesen, Staunen, Wundern und Kopfschütteln. Was bin ich froh, dass mein Dackelmädchen Lucy einfach nur schön aussieht, keine komischen Grimassen zieht und außer Hundegeschirr und bei Kälte mal ein Mäntelchen kein anderes Kleidungsstück auf ihrem wohlproportionierten Hundekörper duldet.

Wieso gibt es eigentlich keine deutschen Suchbegriffe für diesen Selfie-Trend? Weil er, wie die meisten tierisch geilen Trends zuerst in den USA entwickelt wurde und erst später über den großen Teich schwappte. Selbst die aufsehenerregende Unterwasserfotografie von tauchenden Hunden stammt ursprünglich von Seth Casteel aus New York, der nach langer finanzieller Durststrecke nun zur weltweit gefragten Fotografen-Elite gehört. Sind die Deutschen nicht erfinderisch genug? Keineswegs, zumal die alten deutschsprachigen Meister (Rembrandt, Courbet, Rubens, Hogarth) bereits seit 1600 Selbstportraits mit Hund malten, als in Amerika noch die Schwarzfußindianer, Dakota und Cheyenne das Sagen hatten. Aber wir Deutschen übernehmen gern die englischen Begriffe, selbst wenn wir es selbst erfunden hätten.

Der Ursprung so mancher Selfie-Verrücktheit ist im Zeitalter der globalen Vernetzung ohnehin egal und nicht mehr nachvollziehbar. Hauptsache – es macht Spaß! Los geht’s – kommt mit auf eine Reise durchs weltweite Netz:

Langweilig bis gruselig: Selfies mit gefakten Hunde- oder Tierköpfen

Wer unbedingt mal wissen will, wie er mit dem Kopf seines oder irgendeines Hundes aussieht, kann dies ganz einfach bewerkstelligen. Man nehme ein Selfie von sich selbst und ein Hunde-Portrait, schneidet den Hundekopf aus und klebt ihn aufs eigene Gesicht. Fertig. Dafür gibt es sogar Apps, um das ganze Prozedere virtuell zu vereinfachen. Das Ergebnis ist eher bescheiden. Wer sich etwas besser auskennt, kann eine Verfremdungs-App benutzen und mit Photoshop nachhelfen. Heraus kommen Menschengesichter mit tierischen Gesichtszügen. Manche Halter benötigen dafür eigentlich keine App, die sehen ihren geliebten Fellbündeln auch so ähnlich. Gruselig wird es, wenn sich Herrchen oder Frauchen in die Bildbearbeitung eingefunden haben und hemmungslos Augen, Nasen oder Schnauze (respektive Mund) austauschen und auf einem Bild nebeneinander stellen. Dieser Foto-Trend nennt sich Human Animal Face Swaps. Anklicken auf eigene Gefahr!

Hund isst: Damit haben es die Hunde sogar bis ins Theater geschafft

Hierfür benötigen Hundehalter mit Starallüren eine Videokamera oder ein Handy mit Videofunktion, einen Assistenten, einen braven Hund, der alles mit sich machen lässt, einen übergroßen Hoody und einen Tisch mit einem Teller voll Essen. Der Vierbeiner wird auf einen Hocker ohne Lehne gesetzt und bekommt den Pullover über den Kopf gezogen. Dann stecken Herrchen oder Frauchen ihren eigenen Kopf unter den Pulli, pressen ihre Nase ins Fell und stecken ihre Hände in die Ärmel. Jetzt sieht es so aus, als hätte der Hund Hände und würde mit Messer und Gabel essen oder aus einem Glas trinken. Echt lustig. Am besten eignen sich für solche Videos Hunde der Rasse Labrador, Retriver oder Deutsch Kurzhaar, wie die ausgewählten Videos beweisen. Ein Hund namens Marielle begeisterte auf einer Theaterbühne anlässlich eines Sommerfestes 2013 minutenlang die Zuschauer – einfach nur, indem er vom Tisch aß. Schaut selbst!

Lustige bis peinliche Selfies: schlafende, lachende, kackende Hunde

Hier erübrigt sich eigentlich jeder Kommentar oder jede Erklärung. Das vierbeinige Familienmitglied wird einfach in einer lustigen, entspannten oder peinlichen Situation abgelichtet, während Kinder, Frauen oder Männer ihr lachendes Gesicht fix mit ins Bild halten, bevor der Fotograf den Auslöser drückt. Schaffen es Herrchen oder Frauchen nicht rechtzeitig, ihr Konterfei mit ablichten zu lassen und liegt das Augenmerk ausschließlich auf dem Hund, dann handelt es sich um ein Pelfie.

Das hat soooo nen Hunde-Bart, aber als Idee witzig: Dog Beards

Jetzt kommen die Bilder, auf denen Hunde und Halter ganz ohne Fotoshop miteinander vereint sind. Entweder als missglückter Schnappschuss oder als gestelltes Selfie. Dazu braucht der Hund überhaupt nichts machen, nur auf dem Schoß (oder vor den Füßen des Menschen) sitzen und seine Fellnase mal für eine Sekunde still halten. Diese ersetzt dann die untere Partie des menschlichen Gesichts. Solche witzigen Bilder eignen sich fürs Familienalbum, zum Prahlen, Kichern, um langweilige Partys aufzupeppen und zum virtuellen Verbreiten. Hund und Mensch sind aufgrund der Dog-Beard-Symbiose sowieso nicht zu identifizieren, also wird auch niemandem geschadet. Das Gleiche gibt es übrigens auch mit Katzen, dann heißt der Trend: Cat Beard.

Das Beste kommt wie immer zum Schluss: Alles Liebe oder was?

Genau! Wer als Nichthundehalter wissen will, ob Hunde eine Mimik besitzen, also ob sie mit ihrem Gesicht Gefühle wie Liebe oder Freude ausdrücken können, sollte einfach Hundebesitzer in seiner näheren Umgebung fragen. Diese werden bestätigen, dass ihre vierbeinigen Lieblinge mindestens lächeln können. Wem diese Aussage nicht reicht – hier kommt der wissenschaftliche Beweis:

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