Sitz! Platz! Such! Tanz! – Hundesportarten im Überblick

Längst wissen wir, dass ein Haus mit Garten keineswegs eine Garantie für ein tolles Hundeleben ist, und dass ein Stadthund in kleiner Wohnung nicht unbedingt schlechter dran ist, als sein Fellkumpel in ländlicher Vorstadtidylle. Was braucht der Vierbeiner also zum Glücklichsein?

Beschäftigung lautet die gar nicht mehr so geheime Zauberformel für einen ausgeglichenen Fellträger.

Nicht nur Balla- Balla

Und weil wir mittlerweile auch wissen, dass unsere vierbeinigen Companeros mit dem Intellekt eines zweieinhalbjährigen Menschenkindes und der Fähigkeit zur Unterscheidung von bis zu 250 Begriffen aus der Zweibeinersprache „ausgerüstet“ sind, beschränkt sich das Beschäftigsangebot nicht nur auf die körperliche Ertüchtigung. Ausgeklügelte Riech- und Denkaufgaben für In- und Outdooraktivitäten mit Hund gehören längst zum Repertoire von engagierten Hundehalten und Hundetrainern. Am besten natürlich im ausgewogenen Verhältnis zu den sportlichen Herausforderungen wie die arttypische Leichtathletik und den rassespezifischen Aufgaben wie etwa Hüten, Apportieren, Stöbern, Schwimmen, Ziehen oder Schützen.

Das gilt natürlich ebenso für die vermeintlichen „Nur“- Schoßhunde. Ursprünglich zum Amüsement für die gelangweilte Dame der gehobenen Gesellschaftsschichten gezüchtet, will auch der kluge Wolf in Pekingese, Mops oder Papillon beschäftigt werden.

Jeder kann etwas, keiner muss alles

rennsport.jpgDass nicht jeder Hundesport für jeden Hund geeignet ist, ergibt sich aus den Anforderungen des jeweiligen Sports. Einen schwergewichtigen Mastiff über einen Agility- Parcours zu scheuchen, wäre ebenso unpassend, wie einen Dackel vor einen Schlitten zu spannen oder einen Chihuahua als Rettungsschwimmer und einen zappeligen Prager Rattler als Assistenzhund zu trainieren. Das würde in etwa so viel Sinn machen, wie den Laufhund Saluki im Apportiersport Discdogging oder einen Irischen Wolfshund im Dogdance einzusetzen. Letzterer würde sich dabei vermutlich ebenso seine langen Beine verknoten wie eine Dogge beim Fly- oder Treibball. (Wenn man den fantastischen großen Iren überhaupt zu einer Ausdauerleistung – neben regelmäßigem Ein- und Ausatmen – motivieren kann..)

Wer sich nicht sicher ist, welcher Hundesport dem Wesen, der Rassezugehörigkeit (gilt auch für Mixe, deren Rasseanteile vorab „ermittelt“ werden müssen) und dem Gewicht seines vierbeinigen Sparringspartners entspricht, findet hilfreiche Informationen und Tipps bei den örtlichen Hundevereinen und –schulen. Und wenn der Tierarzt nach einem gründlichen Gesundheitscheck grünes Licht gegeben hat, kann es los gehen.

Vielleicht ist in dieser Auswahl an Hundesportarten ja schon das Passende für Sie und Ihren Hund dabei:

Agility

(sprich: „Ädschilitie“ – englisch für: Beweglichkeit/Wendigkeit)
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Über eine Strecke von 100 bis 200 Metern muss hund unter Anleitung seines Halters bis zu 20 verschiedene Hindernisse vom Tunnel über eine Kletterwand bis hin zur Wippe möglichst schnell und fehlerfrei meistern. Voraussetzung: Beherrschung der Grundkommandos, Feder- bis unteres Mittelgewicht. Weniger geeignet für Hunde mit überlangem Rücken oder anderen Beschränkungen seines Bewegungsapparates.
Besonders beliebte Sportart für Shepherds und Collies, Tibet Terrier und andere flinke und wendige (agile) Leichtgewichte.

Canicross (Bike- und Skijöring) / Dogging

skijöringb.jpgEine Laufsportart, die ursprünglich aus Frankreich kommt. Besonders für Hundemenschen geeignet, die regelmäßig joggen, biken und Ski laufen. Verbunden über eine am Bauchgurt oder am Mountainbike befestigte elastische Leine und einem Spezial-Jöringgeschirr folgt der Mensch seinem vorstürmenden Caniden beim Canicross, beziehungsweise dem Bike- oder Skijöring.
Gut geeignet für kraftvolle Laufhunde und Powerpakete wie dem Rhodesian Ridgeback, allen Spielarten der großen muskelbepackten Bulls und deren Mixe, Dalmatiner, Trail- und Schlittenhunde, den einen oder anderen Retriever.

Wichtig: Regelmäßige tierärztliche Kontrolle der Sehnen und der einzelnen Muskelgruppen. Auch Hunde leiden an den klassischen Ausdauersportbelastungen wie Muskelkater, Sehnenzerrungen oder sogar Muskelfaserrissen. Ein ausgewogener Trainingsplan mit einzuhaltenden Aufwärm- und Ruhephasen ist für diese Hundesportart ebenso wichtig wie die anzupassende Ernährung für den vierbeinigen Laufsportler.
Gut zum zusätzlichen Auspowern von besonders aktiven und scheinbar unermüdlichen Energiebündeln geeignet: der Hunderucksack.

Dogdance (Hundetanz)

dog-dance.jpgViel Spaß für Hund, Halter und Zuschauer garantiert dieser Hundesport!
Dogdance verbindet Grundgehorsamselemente mit Hundetyp-gemäßen Kunststückchen wie beispielsweise Beinslalom, Sprüngen über oder durch die Arme des Zweibeiners, Rückwärtsgang, seitwärts ausgerichteten Bewegungen, Drehungen, Zweibeingang und Bewegungsabläufen vergleichbar denen bei der Pferdedressur.

Perfekt auf die zu Hund und Halter passende Musik choreographiert, stellt jedes Team seine ganz persönliche Verbundenheit vor. Dabei kann der Zuschauer wunderbar erkennen, wie sehr der Mensch auf die Bewegungsvorlieben und wesenstypischen Veranlagungen seiner Fellnase eingeht. Wer unter den Tänzern lieber mit allen Vieren auf dem Boden bleibt oder ein wahrer Luftartist ist, ist schnell ausgemacht. Nicht waghalsige Salti oder besonders ausgeklügelte akrobatische Höchstleistungen machen die Sieger aus, sondern eine teamgemäße und akkurat zum Rhythmus der Musik vorgetragene Präsentation der erarbeiteten Choreografie ist ausschlaggebend.

Dass Beinslalom mit einem großen Owtscharka eher für Erheiterung sorgt, weil er den Menschen dabei regelrecht aus den Pantinen kippt (es sei denn, der Zweibeiner läuft auf Stelzen), und der langbeinige Dobermann sich beim Seitwärtsgang vermutlich in seinen Extremitäten verhakeln würde, dürfte klar sein.

Doch grundsätzlich ist Dogdance für jeden Hund geeignet – vorausgesetzt, sein Mensch hat das nötige Taktgefühl.

Geocaching mit Hund

(sprich: „Dschiokäsching“ / Schatzsuche per Koordinatenübermittlung auf mobile Empfänger) 
Ergänzend zur ursprünglich erdachten „elektronischen Schnitzeljagd“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Geocaching) gibt es mittlerweile zahlreiche versteckte Schätze = Cashes (sprich: „Käsches“), die speziell für Schatzsucher mit vierbeiniger Begleitung angelegt wurden und werden, sich also nicht inmitten von Teichen, Innenstadtshops oder in luftigen Baumwipfeln und anderen, für Hunde auf Anhieb nicht zugänglichen Arealen befinden.
Diverse kostenlose Apps wie etwa c:geo für Androidgeräte oder Garmin OpenCaching für Apple´s iPhone weisen den Suchenden durch die mit den entsprechenden Icons gekennzeichneten Koordinaten den Weg zu Schatzverstecken, die auch mit Hund angelaufen werden können.

Geocaching ist ein großartiger Familienspaß bei jedem Wetter – und informativ obendrein. Das lockt selbst ausgemachte Stubenhocker und rechteckäugige Computer- Teenager ins Freie. Und beim Erdenken und Anlegen von neuen Schatzverstecken steigt zusätzlich die Vorfreude auf die nächste Schatzsuche.

Einfach mal ausprobieren! Wetten, Sie haben einen Schatz vor Ihrer Haustür?! Oder wollen Sie für ewig ein „Muggel“ bleiben…?

Mantrailing

mantrailing-1-223x223-web.jpgNasen- und Kopfarbeit für (fast) jeden Hund: www.hund-unterwegs.de/hunde-blog/mantrailing-nicht-nur-hundesport-sondern-eine-passion

 

 

Rallye-Obedience

rallyeobedience.jpgEine Kombination von Elementen aus der Begleithundeprüfung, aus dem klassischen Obedience-Sport (sprich: „Obidijänz“ / Gehorsam und Unterordnung) und Agility, die Hund und Halter entlang eines mit Aufgabenkarten bestückten Parcours absolvieren müssen. Dabei wechseln Übungen, die erhöhte Konzentration und Geduld vom Hund abverlangen wie Bleib-Übungen, Bei-Fuß-Gehen, Sitz und Platz im Wechsel und aus der Bewegung heraus, Abrufen und Vorsitzen, mit leichten sportlichen Aufgaben ab wie etwa einfache Wendungen mit und gegen den Uhrzeigersinn um 90, 180, 270 oder 360 Grad, einen Slalom um Stangen oder Pylonen, oder auch mal einen Sprung über eine leichte Hürde.

Geeignet für alle Hunde ab einem Alter von sechs Monaten – entweder als Vorbereitung für körperlich anspruchsvollere Hundesportarten wie beispielsweise Agility, Treibball, Discdogging, Dogtrekking und Canicross oder als regelmäßige Fitnesseinheit für den betagten Hundesenior.

Und immer schön locker bleiben!

Wofür Sie und Ihre Fellnase sich auch begeistern können, ob Turnierhundesport oder Just for fun, ist egal, nur regelmäßig soll es schon sein. Das lastet den Fellträger aus und stärkt die Bindung zwischen Halter und Hund. Mal abgesehen von den netten Kontaktmöglichkeiten zu anderen Zwei- und Vierbeinern..

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ALLES SIEGER!

 

(Fotos: Stock, Ruffwear, privat)

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