Titel Totfundhund

Totfundhund.de – Endlich Gewissheit, damit die Qual ein Ende hat

Es ist der Alptraum jedes mitfühlenden Hundebesitzers. Markus H. ist mit seinem Dackelmischling Noni im Wald unterwegs. Noni läuft frei, er ist gut abrufbar und die beiden sind seit Jahren zusammen unterwegs. Plötzlich bleibt Noni wie angewurzelt stehen. Markus H. ahnt, dass etwas anders ist als sonst. In dem Moment saust Noni schon los, hinein in den Wald. Markus H. ruft seinen Hund, läuft hinterher und sucht ihn. Doch er kann Noni nicht finden. Auch nach mehreren Stunden taucht der Hund nicht auf. Suchaktionen bringen keinen Erfolg. Niemand hat Noni gesehen, er ist einfach verschwunden.

Währenddessen fährt jemand wie jeden Tag den Weg zur Arbeit. Er sieht ein Tier am Straßenrand liegen. Aus den Augenwinkeln bemerkt er, dass es ein toter Hund ist. Überfahren und achtlos liegen gelassen. Armer kleiner Dackel, denkt der Autofahrer und fährt weiter. Er weiß nichts davon, dass das Noni ist und er seit Tagen gesucht wird. Sonst hätte er Markus H. informieren können und damit sein Warten beenden können. Zwar mit einer traurigen Nachricht, aber dennoch Gewissheit über Nonis Schicksal.

logo-2Susanne Riedel, die Gründerin von TotFundHund, hat diese –zugegeben traurige- Nische entdeckt. Hier werden Informationen über Totfunde gemeldet. Seit Juli 2016 ist TotFundHund ein eingetragener Verein. Die klugen Köpfe der Seite helfen bei der Recherche, bei der Prävention und helfen beim Einsatz vor Ort. Wir sprachen mit Alexandra Bungert, Pressebeauftragte von totfundhund.de.

Hallo Alexandra!
Schön, dass Du uns für Fragen zur Verfügung stehst. Du hast täglich mit vielen traurigen Schicksalen zu tun. Wie gehst Du persönlich damit um?

Alexandra Bungert: Erst einmal ein liebes Hallo von mir an euer Team und eure Leser.
Als ich vor gut 1,5 Jahren bei TotFundHund anfing, war ich noch nicht sicher, ob ich mich für den Außendienst bei der Identifizierung am Totfund eigne. Mein erster Einsatz war eine Wasserleiche, nähere Details erspare ich euch und den Lesern. Ich kam da an, etwas zittrig in den Beinen, doch schnell beruhigte ich mich und konzentrierte mich auf meinen Job. Ich legte meine Einsatztasche ab, zog mir Einmalhandschuhe über und bereitete mein Chiplesegerät vor. Der Geruch war beißend und ich musste mich des Öfteren kurz vom Fundort entfernen um frische Luft einzuatmen. Nachdem der Einsatz vor Ort beendet war, fuhr ich nach Hause mit der Hoffnung, den Besitzer zusammen mit meinem Team ermitteln zu können. Schnell war der Anblick und auch der Geruch vergessen.

Um noch einmal auf die Frage zurück zu kommen : ich persönlich nehme großen Abstand von den Schicksalen . Versuche die Fälle nicht zu nah an mich heranzulassen. Da wir täglich einiges an Bildmaterial zugesendet bekommen, entwickelt sich mit der Zeit eine gewisse Routine und auch eine Art Schutzschild. Man versteift sich voll und ganz auf die Hoffnung und verdrängt die grausigen Bilder im Kopf. Zuhause wird dann kurz mit meinem Lebenspartner darüber gesprochen und dann widme ich mich wieder meinem Alltag , zu dem neben meiner Arbeit als Schornsteinfegerin auch meine treue Fellnase Tequilla gehört.

Ich selbst wäre dankbar zu erfahren, was aus meinem geliebten Freund geworden ist, sollte er doch einmal entlaufen. Die Ungewissheit stelle ich mir quälender vor, als die traurige Nachricht zu erhalten, dass er seinen Ausflug nicht überlebt hat. Schlimm natürlich ist auch diese Nachricht, ohne Frage , aber ich könnte einen Abschluss finden und müsste nicht ein Hundeleben lang meinen Hund verzweifelt suchen.

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Alexandra Bungert ist selbst häufig vor Ort.

 Was ist Eure wichtigste Aufgabe?

Alexandra Bungert: Hui, da gibt es natürlich einige Aufgaben, die wir als wichtig ansehen. An erster Stelle steht ein flächendeckendes, einsatzfähiges Team. Bestehend aus vielen freiwilligen Helfern, die je nach Auffindeort im Außeneinsatz oder eben von Zuhause aus Telefonate und die Recherche übernehmen. Ohne unsere fleißigen Mitglieder wäre TotFundHund heute nicht das was es ist. Und deswegen ist es wichtig, dass wir bekannter werden, jeder von unserer Existenz weiß. Womit wir dann direkt bei dem nächsten wichtigen Punkt wären, nämlich der Werbung.  Immer wieder versuchen wir unsere Helfer zu motivieren Flyer zu verteilen oder auf Veranstaltungen unseren Verein zu repräsentieren. Öffentlichkeitsarbeit ist enorm wichtig, weshalb ich heute hier und jetzt auch sehr dankbar für dieses Interview bin. Des Weiteren versuchen wir präventiv tätig zu sein. Aufklärung in Form von z.B. Artikel, in denen wir auf die richtige Sicherung von Hunden hinweisen. Sind es doch sehr viele Angsthunde, die durch mangelhafte Sicherung entlaufen, weil sie sich in ihrer Panik losgerissen haben oder aus dem Halsband geschlüpft sind. Näheres dazu findet ihr auf unserer Homepage im Beitrag  von unserer Cornelia Fröbisch aus dem Team Thüringen zum Thema Angst- und Panikhunde. Ebenfalls liegt uns eine bundesweite Chip- und Registrierungspflicht am Herzen. Leider erleben wir tagtäglich, dass die Hund oftmals  entweder gar nicht gechippt sind oder vergessen wurden zu registrieren [z.B. bei TASSO und/oder beim Deutschen Haustierregister vom Tierschutzbund, Anm. der Red.].  Unsere traurige Arbeit wäre um ein Vielfaches leichter, wenn jedes Haustier entsprechend gekennzeichnet wäre.

Was passiert eigentlich mit den toten Hunden und anderen Tieren, die am Straßenrand gefunden werden?

Alexandra Bungert: Tja, da sprecht ihr genau das richtige Thema an. Werden wir von TotFundHund NICHT über einen Fund in Kenntnis gesetzt, verschwindet das Tier meist ganz schnell in der Tierkörperverwertung. Das soll jetzt nicht als Vorwurf aufgefasst werden, aber überwiegend mangelt es den zuständigen Behörden schlichtweg an Zeit und auch dem nötigen Equipment. Die Recherche nach tot aufgefundenen Haustieren, in unserem Zuständigkeitsbereich die Hunde, liegt nicht im Aufgabenbereich der Polizei oder den Straßenmeistereien, sofern keine wirtschaftlichen Interessen bestehen  (z.B. Sach- oder Personenschaden nach Verkehrsunfall, der durch einen freilaufenden Hund entstanden ist). Mittlerweile und Dank unserem steigenden Bekanntheitsgrades, nehmen viele Behörden unsere Hilfe dankend an. Arbeiten wir doch völlig kostenlos und unbürokratisch. Wir müssen die Totfunde nur gemeldet und die Möglichkeit eingeräumt bekommen, den toten Hund identifizieren zu dürfen, bevor die Entsorgung beauftragt wird. Wir selbst dürfen natürlich keine toten Hunde transportieren. Aus Seuchenschutzgründen dürfen dies nur Befugte oder aber auch der Besitzer selbst, sofern er es kann und möchte.

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Also besteht eins Eurer Ziele auch darin, die Behörden zu stärken und auszurüsten, um tote Hunde identifizieren zu können? Wie werden diese Bestrebungen angenommen?

Da unsere Mitglieder sich finanziell sozusagen selbst stemmen bzw. unser Verein auf Spenden angewiesen ist , ist es nicht möglich, zusätzlich noch die Behörden mit Chipreadern auszustatten.

Gerne erzähle ich einmal über ein freudiges Ereignis in meiner Region Mayen-Koblenz. Nachdem ich im Umkreis per E-Mail Straßenmeistereien sowie auch einige Polizeidienststellen kontaktiert und unseren Verein vorgestellt habe, bekam ich einen netten Anruf von der Autobahnmeisterei Mendig. Man wollte mehr über unsere Arbeit erfahren und so wurde ich auf ein Gespräch vor Ort in der Meisterei eingeladen. Da ich im Vorfeld schon einen Beitrag über TotfFundHund mit einer Reporterin im lokalen Teil der Rheinzeitung geplant hatte, bot sich dieses Treffen natürlich an, um 2 Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. So fuhr ich mit meinem Hündchen und meinem Reader im Gepäck nach Mendig und traf dort auf sehr interessierte Mitarbeiter der ABM Mendig. Kurz zusammengefasst : unsere Arbeit hat begeistert und die Herren versprachen, sich bei der Kreisverwaltung dafür einzusetzen, dass ihre Einsatzfahrzeuge mit Chiplesegeräten ausgerüstet werden und versprachen eine Zusammenarbeit mit TotFundHund. Ist das nicht klasse?

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So ein Chiplesegerät benötigen die Straßenmeistereien. Dieser ist für Alexandra Bungert im Einsatz.

Das ist sogar total großartig, wenn Ihr Erfolge verbuchen könnt! Wie verhält man sich eigentlich als Autofahrer, wenn man einen toten Hund findet?

Alexandra Bungert: Ganz wichtig: Ruhe bewahren! Eigenschutz steht an erster Stelle und somit wäre es zuerst sehr wichtig, die Unfallstelle richtig zu sichern, so wie man es gelernt hat. Auf keinen Fall auf Autobahnen oder Bundesstraßen selbst versuchen, ein verunfalltes Tier zu bergen! Unbedingt den Unfall unverzüglich der Polizei melden.  Liegt das verendete Tier außerhalb vom Gefahrenbereich  (z.B. Seitenstreifen/Böschung) und war man gar nicht selbst am Unfall beteiligt, sondern hat das tote Tier schon leblos vorgefunden: Autobahnkilometer, Bundesstraße oder sonstige Hilfsmittel zur genauen Fundangabe merken und erst sich selbst mit dem Wagen in Sicherheit bringen, zum Beispiel einen Rastplatz aufsuchen. Bei toten Hunden übernehmen wir in solchen Fällen gerne  alle weiteren Maßnahmen, sowie die Kontaktaufnahme zu den zuständigen Behörden. Dies gilt auch für Funde auf Bahngleisen, im Wald, auf  Feldern, in Flüssen….

Arbeitet Ihr mit Datenbanken wie TASSO etc. zusammen?

Alexandra Bungert: Unbedingt! Wir greifen regelmäßig auf diese Datenbanken zu. Sei es nur, um dort vermisst gemeldete Hunde abzugleichen oder aber auch registrierte Totfunde zu melden. Zudem sind auch unter unseren Helfern einige Mitarbeiter von z.B. Tasso, die unsere Arbeit unterstützen.

 Wie vielen Suchenden konntet Ihr schon helfen, Informationen über ihren Liebling zu erhalten?

Alexandra Bungert: Die genaue Anzahl der erfolgreichen Identifizierungen liegt mir gerade nicht vor. Allerdings kann ich gerne unsere allgemeine Statistik aus dem Jahre 2015 in Zahlen benennen. Uns wurden im letzten Jahr rund 800 tote Hunde gemeldet. Die Dunkelziffer dürfte jedoch weitaus höher liegen 🙁

Und deshalb ist es so wichtig, dass wir Unterstützung erhalten. Sei es in Form von aktiven Helfern oder einfach nur,  dass ihr über uns berichtet und der Ein oder Andere von unserer Existenz erfährt.

Gerne dürft ihr euch auf unserer Homepage umschauen und informieren : www.totfundhund.de

Auf Facebook sind wir wie folgt zu finden: www.facebook.com/totfundhund

Vielen herzlichen Dank im Namen des gesamten Teams von TotFundHund e.V. für die Möglichkeit dieser Vorstellung. Ich hoffe, ich konnte unsere Arbeit etwas näher bringen und verbleibe getreu nach unserem Motto:

Damit kein Hund auf der Strecke bleibt!

Eure Alexandra Bungert

Wir von hund-unterwegs.de freuen uns auch, dass wir etwas über Eure traurige, aber so wichtige Arbeit erfahren durften! Alles Gute für Euch!

 

Das Interview führte Silke Schön.

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