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Wer ist Agility? – FIETE macht Hundesport..

Kalt ist es an diesem Sonntag. Frauchen sagt, es seien -6°C. Endlich zieht sie ihre Skihose und die Skijacke an. Das heißt ja dann wohl, wir gehen jetzt endlich groß Gassi. Wird auch Zeit, um 6 Uhr hat sie mich aus meinem Bett geschmissen. Ganz komisch war sie, total aufgedreht. Murmelte die ganze Zeit irgendwas von „Ätschiletie“.


Jetzt ist es mittlerweile 9 Uhr und Madame bequemt sich endlich, los zu gehen.

Überraschung

DOCH, HALT, STOPP! Sie packt die Hundeplatztasche. Wieso packt sie die Hundeplatztasche? Wieso an einem Sonntag? Egal, Hundeplatz! Hundeplatz! Ich bin so aufgeregt, aufgeregt, AUF-GE-REGT! Ich maule Frauchen an. BEEILUNG! Oh, das wird spannend, das wird spannend! Endlich hat sie ihre dicken Winterstiefel an – und es geht los.
Jodelnd hopse ich neben ihr her, den altbekannten Weg zur Tramstation entlang. Es ist aber auch wirklich kalt, ich hab´ schon so ´n leichtes Gefrierkribbeln in der linken Vorderpfote. In der Tram ist es ein bisschen wärmer. Aaaah, meine Pfote ist wieder aufgetaut.
Das letzte Stück mal wieder per pedes, und ich darf frei herumflitzen. Kurz vor dem Hundeplatz muss ich aber doch wieder an die Leine. Blöd, blöd, blöd. Und 20 Minuten zu früh sind wir auch noch, das heißt: warten. Ich hasse warten. Aber wat isn ditte? Unser schöner Platz ist total vollgerümpelt. Wer hat denn da sein´ Krempel einfach so abgestellt? Was soll das? Sperrmüll auf meinem Hundeplatz? Und was sind das für Leute?  Hä?!

Oh, mein Lieblingshundetrainer ist auch da, jippiiieh. Und so viele andere Hunde. Ich krieg´ mich gar nicht mehr ein vor Freude. Mein Hinterteil ist im Propellermodus – ich hebe gleich ab! Alle sind sie da, um mir zu huldigen. MEINE Fans. Und wie mein Haar heute wieder weht. Ich bin bereit. Bereit für Euch. Ich kommmmeeeeee… örrrgchh.. Mist, Leine.

Alles so bunt hier

Meine Chefin hat es sich auf einem Stuhl bequem gemacht, derweil singe ich ein wunderschönes Ständchen. Frauchen nennt es „blödes Gejammer“. Pfff, Ignorantin! Glaubt sie etwa, ihr Duschgekreische klingt besser?! Wenn ich aufgeregt bin, dann muss ich eben in den höchsten Tönen jubeln, da kenn´ ich nix. Normal.

Und was macht eigentlich der Fellkumpel da? Hat der irgendwelche verbotenen Substanzen intus? Eiert komisch um das Stangengerümpel herum und hüpft dann über andere, bunte Stangen. Der ist doch komplett meschugge! Scheint ihm tatsächlich Spaß zu machen.. und sein Frauchen feuert ihn auch noch an. Sind die hier denn alle irre? Ohne mich! Das geht nicht! Nee, ich will hier weg. Komm, Alte, wir gehen. Jetzt. Sieh her: ich trippele. Du weißt, was das bedeutet! Das hier ist mir definitiv nicht geheuer.

Ab durch die Mitte

Aaaah, die Regierung erhebt sich plötzlich von ihrem Stuhl, und wir gehen los. Ähm, Moment. Wie jetzt?! Halt, Frauchen, falsche Richtung, da hinten geht´s raus.. oder links rum zu meinen Kumpels. Heee, hallo, was willste denn im Schuppen? Jetzt zerren die Zweifüßler doch tatsächlich noch mehr von den komischen bunten Gerätschaften da raus und verteilen die zusätzlich überall auf dem Platz. Darunter eine Ziehharmonika-Röhre, die Frauchen sofort „Tunnel“ tauft. Ach, Du ahnst es nicht. Na, toll.
„Tunnel“ wird wohl demnächst bei uns einziehen, denn Frauchen benamt immer Sachen, die dann bei uns einziehen – so, wie alle meine Spielsachen.

Ich dachte schon, nur meine Olle spinnt, aber ich habe neulich über meine facebook- Seite den Bayern „Hector“ kennen gelernt.. dessen Vorstandsvorsitzende ist jenau so schräg druff: „Hectors“ Spielzeuge heißen „Hotteohnegesicht“, „Dicker Bär“, „Robbitobbi“, „Quietsche-Wauzi“ und „Blödmann“. Ich fürchte fast, mein Sommertrip in die Berge wird einen Abstecher zu „Hectors“ Hütte beinhalten. Aber darüber mache ich mir erst Gedanken, wenn es so weit ist.

Alle auf Anfang

hundeplatz-agility-2.jpgJetzt  werden „Hürden“ aufgebaut und Stangen senkrecht in den Boden gerammt, denen Frauchen den Namen „Slalom“ gibt. Das nächste Teil ist eine Rampe mit Filzbelag. Noch mehr Mitbewohner?

Nach einer ewigen Ewigkeit bin ich auch endlich mal dran. Ich darf über eine Hürde hopsen. Naja, hopsen noch nicht. Damit Frauchen (jaha, Frauchen! Nicht ich!) sich an das Gerät gewöhnt, hat die nette Frau, die in der Mitte steht, und Frauchen zeigt, was sie zu tun hat, die Stange auf den Boden gelegt. Interessant? Ich beschließe, das ganze Gerümpel NICHT INTERESSANT zu finden. Aber wie meine Kumpane da über die Hürden hopsen – das sieht schon irgendwie nach ´ner Menge Spaß aus. Okay. Das will ich jetzt doch! Sofort! Aber Frauchen lässt mich nicht. Und bellen darf ich auch nicht. Öööööde. Singe ich eben wieder, jahuuuu-jiff-jiff-jiff.

Und hüpf!

Ich setze mich zu Anfang vor die Hürde, Frauchen steht dahinter, und auf „Vor!“ darf ich los rennen. Klasse. Weil Frauchen es so toll gemacht hat, freut sie sich, und wenn sie sich freut, bekomme ich ein Leckerchen. Cooler Deal! Dann setze ich mich wieder davor, Frauchen geht wieder hinter die Hürde, und dann darf ich wieder über die Stange laufen. Frauchen freut sich jedes Mal total, und weil sie sich so freut, freue ich mich auch. Mach´ ich doch gern. Gibt Leckerchen.

Die gesteigerte Schwierigkeit ist, dass Frauchen neben mir herläuft. Macht sie gut, ich laufe an der Hürde vorbei. Aber diesmal freut sie sich nicht. Keine Ahnung, was sie falsch gemacht hat. Wir machen es noch einmal: Ich setze mich hin, sie sagt „Vor!“ und ich laufe los, sie an der Hürde vorbei und ich drüber. Jubel-jubel, freu-freu! Hat sie wieder gut gemacht, wir freuen uns beide, und ich bekomme noch ein Leckerchen. Von mir aus kann´s immer so weiter gehen.
Dann dürfen wir sogar zwei Hürden nacheinander nehmen. Ich setze mich wieder hin, sie geht etwas vor, und wenn sie auf Höhe der Hürde ist, sagt sie „Vor!“, deutet mit dem Arm in Richtung der Hürde und ich nehme diese Hürde, und bei der nächsten sagt sie wieder „Vor!“. Frauchen freut sich, ich bekomme meinen Futterdummy, und wir toben beide über den Platz. Braves Frauchen! Noch ein bisschen Gehopse, und dann ab nach Hause. Vielleicht bin ich ja sogar zu müde, um die Miezen aufzumischen…

Oh, Moment. Hatten wir nicht heute noch ein Date? Mit „Herrn Ätschilitie“? Hat Madame wohl vergessen. Na, mir soll´s recht sein; hier auf dem Platz ist es sowieso spaßiger.

Nicht nur für junge Hüpfer

Vorwiegend Hunde mit ihren jungen Primaten, äh, Menschen sind da gewesen. Es gab aber auch Hunde, die mit Ü-60ern den Platz gerockt haben. Und wie! Ich habe sogar von Teams gehört, deren Menschen schon über 75 Jahre alt sind – und die starten in A3! A3? Ach ja, fast vergessen: Der ominöse „Herr Ätschilitie“ ist nie aufgetaucht, aber das tolle Hops- und Flitze-Spiel heißt genau so. Komischer Zufall, oder? Und Ätschilitie (engl.: Agility) bedeutet „Wendigkeit“ und „Flinkheit“. Was soll ich sagen? Mein zweiter und mein dritter Vorname…

Beim Agility- Sport gibt es verschiedene Leistungsklassen, von A1 bis A3, wobei A3 die höchste Leistungsstufe ist. Und Hunde, die älter als 6 Jahre sind, können in der Seniorenklasse antreten.
Also scheint diese Beschäftigungstherapie nicht nur ein Spaß für junge Menschen, sondern auch für ältere zu sein. Eigentlich muss der Mensch auch gar nicht so viel laufen, das meiste erledigen wir Hunde, und je besser der Hund den Menschen führt (oder wie Frauchen sagen würde: „je besser der Mensch den Hund führt“), desto weniger muss der Mensch laufen.
Wie auch immer: Ich finde es gut, wenn Hunde ihre Menschen nicht einfach abschieben, wenn sie in die Jahre kommen. Ältere Menschen möchten schließlich auch beschäftigt werden und auf dem Hundeplatz können sie außerdem soziale Kontakte zu anderen Menschen knüpfen.

Da Ihr Zweifüßler mit zu vielen Informationen immer so schnell überfordert seid, werde ich hier meinen Vortrag unterbrechen. Lasst es sacken. Fortsetzung folgt.

Machtet jut! Bis demnächst..

Euer Fiete,
Hauptstadtrocker

 

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